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    Home»Körper & Geist»Frühe Diagnose rettet Leben. Schlüssel dazu: Daten + deren Nutzung.
    Die Hände eines Arztes, der eine Diagnose auf einen Patientenzettel schreibt. (c) Pixabay.com

    Frühe Diagnose rettet Leben. Schlüssel dazu: Daten + deren Nutzung.

    20. Apr. 20216 Mins Lesezeit

    Österreich ist in puncto früher Diagnose und Therapie noch nicht optimal aufgestellt. Das Gesundheitssystem verfügt zwar über State-of-the-Art-Diagnoseverfahren, jedoch erweisen sich die Wartezeiten für Patientinnen und Patienten als zu lange. Zudem profitieren noch zu wenige Menschen von innovativen Therapiemöglichkeiten.

    „Vor dem Hintergrund des digitalen Fortschritts in der Medizin erachtet es die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 als essenziell, vorhandene Daten für Wissenschaft und Forschung zugänglich zu machen, um so eine optimale Versorgung auf schnellstem Weg zu gewährleisten, Langzeitschäden zu vermeiden und mehr gesunde, qualitätsvolle Lebensjahre zu erzielen. Früherkennung hat ein hohes Potenzial für Kostenersparnis. Dafür braucht es aber ein Zusammenspiel aller Player des Gesundheitssystems,“ erklärt PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling.

    Um die Chancen zu nutzen, die frühzeitige Diagnosen und Therapien mit sich bringen, empfiehlt die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 folgende drei Optimierungsprogramme mit konkreten Handlungsempfehlungen als Sofortmaßnahmen:

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    01 – Daten nutzbar machen bedeutet Lebensschutz
    02 – Gesundheitspolitik muss gezielter auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und kostenfreie Vorsorgeprogramme standardisieren
    03 – Erfolgreiche Pilotprojekte österreichweit ausrollen
    Ein ganzheitlicher Ansatz braucht modernste Diagnostik
    Bewegung verbessert die Lebensqualität – #BewegungISTgesund
    PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“


    01 – Daten nutzbar machen bedeutet Lebensschutz

    Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 fordert die Nutzung der elektronischen Gesundheitsakte, um Menschen mit genetisch bedingten Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und in weiterer Folge therapeutisch zu begleiten. Dabei dürfen Datenschutzüberlegungen wichtige Gesundheitsentscheidungen nicht behindern. Besonderes Augenmerk muss auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates gerichtet werden.

    PRAEVENIRE empfiehlt ein regionales in öffentlich-privater Partnerschaft finanziertes Pilotprojekt [Public-Private-Partnership-Modell], das den gesamtgesellschaftlichen Nutzen einer frühen Krebsdiagnose analysiert. Die Errichtung einheitlicher Register bietet das große Potenzial, steigende Therapiekosten effizient zu kontrollieren und die Evidenz neuer Anwendungen bzw. Finanzierungsmodelle klar darzustellen.

    Am Beispiel von Covid-19-Daten hat sich gezeigt, dass der niedergelassene Bereich über keine Diagnose-Codierung verfügt und Daten daher nicht systematisch gesammelt werden können, um Symptome optimal zusammenzufassen [clustern]. Diagnose-Codes müssen daher zukünftig verstärkt zum Einsatz kommen.

    Ausschnitt: die Brusttasche eines Arztkittels, in der Stifte stecken, sowie ein Stethoskop um die Schulter eines Arztes, Stichwort Diagnose.(c) Pixabay.com
    Um so früh wie möglich Krankheiten zu erkennen und entsprechende Therapien beginnen zu können, sollte auch die elektronische Gesundheitskate vermehrt genutzt werden.

    02 – Gesundheitspolitik muss gezielter auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und kostenfreie Vorsorgeprogramme standardisieren

    Die österreichische Gesundheitspolitik muss umgehend auf gesellschaftliche Entwicklungen reagieren und kostenfreie psychosoziale Angebote verstärkt ausrollen. Andernfalls droht dem Gesundheitssystem eine Kostenexplosion aufgrund von Spätfolgen zum Beispiel von nicht erkannten Diabetes- oder Herz-Kreislauf-Risikofaktoren oder psychischer Erkrankungen. Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 empfiehlt die Ausrollung eines Krankenstandsmonitorings, um Patientinnen und Patienten früher und gezielter zum Beispiel für einen Verbleib in der Erwerbstätigkeit trotz chronischer Erkrankungen unterstützen zu können.

    Die PRAEVENIRE Initiative Gesundheit 2030 fordert dafür die Adaptierung des Leistungskatalogs im niedergelassenen Bereich. Der Fokus muss dringend in Richtung Zuwendungsmedizin liegen, um so eine vorausschauende Behandlung der Patientinnen und Patienten sicherzustellen. In diesem Zusammenspiel muss die Honorierung im niedergelassenen Bereich so angepasst werden, dass mehr Zeit für die Aufklärung von Patientinnen und Patienten bleibt. Die Hausärztinnen und Hausärzte haben eine wichtige Lotsenfunktion, um bei bestimmten Verdachtsmomenten die notwendigen Folgeuntersuchungen in die Wege zu leiten.

    03 – Erfolgreiche Pilotprojekte österreichweit ausrollen

    Die breitere Zugänglichkeit interdisziplinärer Therapiekonzepte muss angesichts der steigenden Zahl chronisch Kranker wie zum Beispiel Diabetes sichergestellt sein. Am Beispiel von Schmerzpatientinnen und -patienten zeigt sich anhand der Multimodalen Schmerztherapie [MMSTh], wie sie im Klinikum Klagenfurt durchgeführt wird, dass damit enorme Kosteneinsparungen erzielt werden können.

    Parallel zu medizinischen Interventionen müssen stets volkswirtschaftliche Überlegungen integriert werden, die eine Wiedereingliederung in das Erwerbsleben sowie eine aktive Teilnahme am sozialen Leben ermöglichen. Das Konzept von „fit2work“ stellt ein Best-Practice-Projekt für erfolgreiche berufliche Wiedereingliederung dar und soll zukünftig verstärkt ausgerollt werden.

    Staatliche Programme, die Anreize für regelmäßige Früherkennungsuntersuchungen setzen, müssen ausgeweitet und finanziert werden. Erfolgreiche Beispiele zeigen sich im Bereich der Darmkrebs- und Brustkrebsvorsorgeprogramme sowie der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen. Auch am Beispiel von Lungenkrebs wird die Notwendigkeit frühestmöglicher Diagnosen deutlich: Ergebnisse der NELSON-Studie belegen, dass regelmäßige Low-Dose-Computer-Untersuchungen von Rauchern die Lungenkrebs-Sterblichkeit um knapp ein Viertel reduzieren.

    Ein ganzheitlicher Ansatz braucht modernste Diagnostik

    „Für erfolgreiche therapeutische Maßnahmen und Interventionen ist es erforderlich, dass Krankheitsbilder möglichst frühzeitig erkannt und diagnostiziert werden. Daher ist es für eine hohe Behandlungsqualität und effiziente Patientensteuerung zunehmend wichtig, für alle eine flächendeckende und wohnortnahe ärztliche Versorgung auch in Zukunft zu sichern,“ erklärt MR Dr. Johannes Steinhart, Vizepräsident der Österreichischen und Wiener Ärztekammer. Gerade bei chronisch Kranken seien die Aufklärung durch die Ärztin oder den Arzt und motivierende Faktoren für die Therapietreue von Patientinnen und Patienten äußerst wichtig. Bisher sei es ein großes Problem, dass für die Beratung oft zu wenig Zeit vorhanden sei.

    „Eine Lösung könnte statt der Verrechnung von Einzelleistungen eine Modulabrechnung und Abgeltung von Tele-Medizin und Tele-Kommunikation sein,“ so Steinhart. Er sieht damit auch die Möglichkeit eines Umdenkens, um Patientinnen und Patienten wieder in ihrer Gesamtheit behandeln zu können.

    Collage: ein Mann, der ein Stethoskop aus dem Bildschirm eines Laptops hält.(c) Pixabay.com
    Tele-Medizin und Tele-Kommunikation wird künftig im Gesundheitsbereich eine viel größere Rolle spielen als bisher.

    Bewegung verbessert die Lebensqualität – #BewegungISTgesund

    „Je länger ältere Personen in Bewegung gehalten werden können, umso besser bleibt auch ihre Lebensqualität. Daher ist wichtig, frühzeitig Risikogruppen zu erkennen und zielgerichtet präventive Maßnahmen zu setzen,“ betont Univ.-Prof. Dr. Catharina Chiari, Vizepräsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie [ÖGO]. In der Orthopädie müsse verhindert werden, dass aufgrund zu geringer Zeitressourcen und mangelnder präventiver Aktivitäten chirurgische Eingriffe durchgeführt werden, obwohl noch nicht alle nicht-operativen Maßnahmen vollständig ausgeschöpft wurden. Es ist daher wichtig, Patientinnen und Patienten neben der Chirurgie alternative Angebote zu bieten. „Auf Seiten der konservativen Orthopädie brauchen wir daher ein gut aufgestelltes Setting, wo mittels Studiendaten belegt ist, welche Therapien im konservativen Bereich beste Wirkung zeigen,“ so Chiari.

    „Die Präzisionsmedizin eröffnet insbesondere im Bereich der Onkologie bisher ungeahnte Möglichkeiten in der Diagnostik und damit bessere Behandlungsergebnisse. Voraussetzung sind ein breiter Zugang zu zertifizierten und validierten Tumorprofilanalysen vor Ort sowie ein umfassender Zugang zur passenden Krebstherapie,“ erklärt Univ.-Prof. Dr. Renate Kain, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Klinische Pathologie und Molekularpathologie. Die Nutzung von Real World Data, also Patientendaten von Erhebungen mit gesundheitsrelevantem Bezug, erweist sich hier als wesentliche Stütze.

    „Erst die ganzheitliche, individuelle und interdisziplinäre Betrachtung – unter Einbeziehung psychosomatischer Erkrankungen, Schmerztherapien, der Zuwendungs- und Vorsorgemedizin sowie modernster Diagnosetechniken – ermöglicht optimale frühzeitige Therapieansätze, bei der der Mensch im Mittelpunkt steht,“ sagt Schelling abschließend.

    PRAEVENIRE Weißbuch „Zukunft der Gesundheitsversorgung“

    Gemeinsam mit mehr als 500 Gesundheitsexpertinnen und –experten erarbeitete PRAEVENIRE Präsident Dr. Hans Jörg Schelling neue Lösungsmodelle für das österreichische Gesundheitssystem. Im Fokus des Weißbuches steht die Entwicklung einer Strategie, wie ein modernes und krisenfestes Gesundheitssystem für die österreichische Bevölkerung erhalten und auf ein nächstes Level transferiert werden kann.

    Weiterführende Informationen zum Weißbuch-Themenkreis „Frühe Diagnose und Therapie“ finden sie HIER.

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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