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    Home»Körper & Geist»Harnwegsinfekt behandeln – es müssen nicht immer Antibiotika sein
    Grafik: ein Mann und eine Frau, die dringend auf´s WC müssen. (c) Pixabay.com

    Harnwegsinfekt behandeln – es müssen nicht immer Antibiotika sein

    12. Feb. 20205 Mins Lesezeit

    Das Alter an sich hat seine guten, aber auch seine schlechteren Seiten. Zu Zweiterem gehört ohne Zweifel beispielsweise Entzündungen der Blase und der Harnwege, sprich Harnwegsinfekt, die sich im Alter häufen. Darüber hinaus zeigen Harnwegsinfekte bei älteren Patient*innen oft auch andere bzw. abgeschwächte Symptome. Was dagegen hilft: eine Therapie mit Weitblick, die nicht immer gleich „Antibiotikum“ heißen muss.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Nicht nur junge Frauen sind betroffen
    Warum bekommen Frauen häufiger eine Harnwegsinfekte als Männer?
    Wenn die typischen Schmerzen fehlen
    Die Frage nach der «richtigen» Behandlung

    Nicht nur junge Frauen sind betroffen

    Unter einem Harnwegsinfekt oder einer Infektion der Harnwege versteht man – medizinisch gesehen – eine durch bakterielle Krankheitserreger verursachte Infektionskrankheit der ableitenden Harnwege. Dazu gehören die Harnleiter, die Harnblase und die Harnröhre. Gelangen Bakterien – meist über die Harnröhre – in die Harnblase, können sich diese dort stark vermehren. Das Gewebe reagiert darauf mit einer Entzündung, die wiederum die typischen Beschwerden verursacht:

    • Brennen und Schmerzen beim Urinieren
    • ständiger Harndrang
    • häufiges Urinieren in kleinen Mengen
    • eventuell Blut im Urin
    • Schmerzen über dem Schambein
    • stark riechender, trüber Urin

    Weitet sich die Entzündung vom unteren Harntrakt auch auf die oberen Harnwege aus, spricht man von einer Nierenbeckenentzündung. In solchen Fällen kommen zusätzliche Symptome wie starke Rücken- und Flankenschmerz, Schmerzen in der Nierengegend und/ oder Fieber [meist über 38 °C] hinzu.

    Genauso, wie die Jahre auf der Haut ihre Spuren hinterlassen, so altern auch unsere Organsysteme. Allerdings bringt das Altern der Blase und ihrer Umgebung spezielle Probleme mit sich: Zum einen wird sie generell anfälliger für Infekte. Und zum anderen zeigen sich diese auch weniger deutlich bzw. kommen darüber hinaus fast immer spezielle Risiken dazu – ein Faktum, das die Diagnose aufwendiger macht und mitunter zu einer Herausforderung wird.

    Bildausschnitt: Oberkörper eines Arztes mit einem Stethoskop um den Hals und Stiften im Arztmantel, Stichwort Harnwegsinfekt. (c) Pixabay.com
    Je älter die Patient*innen, desto schwieriger wird die Diagnose eines Hernwegsinfekts.

    Warum bekommen Frauen häufiger eine Harnwegsinfekte als Männer?

    Frauen sind schlicht und ergreifend auf Grund ihrer Anatomie deutlich häufiger von Harnwegsinfekten betroffen als Männer – ganz egal wie alt sie sind. Bei ihnen ist die Harnröhre viel kürzer als bei Männern, zudem mündet die Harnröhre in unmittelbarer Nähe zum Darmausgang. Dadurch können Darmbakterien viel leichter in die Harnwege gelangen und sich dort stark vermehren.

    Männer sind zusätzlich durch das – im Vergleich zu Frauen – trockenere Milieu an der Harnröhrenöffnung besser vor einer bakteriellen Besiedelung geschützt. Darüber hinaus kommt mit den Wechseljahren noch dazu, dass der Östrogenspiegel sinkt. Dadurch kommt es zu einer Veränderung des pH-Wertes der vaginalen Schleimhaut, in deren Folge die Besiedelung mit Laktobazillen ab- und jene mit anderen Bakterien zunimmt. Erreger, die Harnwegsinfekte auslösen, können sich dadurch leichter ausbreiten und vermehren.

    Wenn schließlich auch noch der Beckenboden durch Geburten geschwächt oder gar die Gebärmutter gesenkt ist, kann sich die Blase eventuell nichtvollständig entleeren. Und der Restharn wird zum – idealen – Nährboden für unerwünschte Keime. Aus dem gleichen Grund sind auch Männer im Alter gegen eine Blasenentzündung nicht gefeit. Die oft vergrößerte Prostata engt nämlich die Harnröhre ein oder drückt von unten gegen die Harnblase. Beides erschwert die Blasenentleerung und es bleibt immer eine gewisse Menge Restharn in der Blase.

    Wenn die typischen Schmerzen fehlen

    Dringend auf´s WC müssen, dann aber nicht wirklich können und dabei trotzdem dieses unangenehme, schmerzhafte Brennen – man könnte glauben, ein Harnwegsinfekt wäre nicht zu übersehen. Ist er aber. Denn der typische Schmerz beim Urinieren tritt bei Seniorinnen oft gar nicht auf. Nicht selten wird ein Harnwegsinfekt im Alter nur daran erkannt, dass die Betroffenen Urin schlechter halten können, insgesamt öfter auf die Toilette müssen oder vor allem auch nachts öfter rausmüssen.

    Doch so ein Harnwegsinfekt ist nicht nur unangenehm, er kann auch durchaus gefährlich werden. Und zwar dann, wenn die Bakterien aus der Blase die Harnleiter entlang aufsteigen und die Nieren angreifen. Dann kommt es – wie bereits oben erwähnt – zu einer Nierenbeckenentzündung.

    Nicht zuletzt aus diesem Grund sollten Ältere schon für die ersten Anzeichen eines Harnwegsinfekts besonders sensibel sein und bei Auftreten umgehend einen Arzt/ Ärztin aufsuchen.

    Die Hände einer alten Frau, die ein Glas Tee hält. (c) Pixabay.com
    Gerade ältere Menschen „vergessen“ oft darauf, ausreichend viel zu trinken.

    Die Frage nach der «richtigen» Behandlung

    Um einem Harnwegsinfekt vorzubeugen, sollte man genug trinken – und zwar eineinhalb bis zwei Liter täglich, am besten Wasser oder ungesüßten Tee –, um mögliche Keime so gut wie möglich auszuschwemmen. Sitzen diese aber erst mal in der Blasenwand, muss man stärkere Geschütze auffahren. Dabei müssen es nicht immer gleich Antibiotika sein. Diese sollten – wenn überhaupt – dann nur möglichst gezielt und sparsam eingesetzt werden. Aktuelle Studien zeigen sogar, dass man bei 50 bis 60 Prozent der Patientinnen mit einer unkomplizierten Harnwegsinfektion auf Antibiotika verzichten kann.

    So wurde in einer Studie* mit 659 Frauen im Alter von 18 bis 70 Jahren untersucht, ob sich ein pflanzliches Arzneimittel bei der Behandlung eines akuten, unkomplizierten Harnwegsinfektes mit der Antibiotika-Standardtherapie messen kann. Dabei hat sich gezeigt, dass die Reduktion der Symptome durch das pflanzliche Mittel auf vergleichbarem Niveau war wie beim Antibiotikum – sowohl hinsichtlich der Beschwerdefreiheit als auch bei der Schnelligkeit der Wirkung.

    Entsprechend ist es jedenfalls empfehlenswert, je nach Schwere des Infekts und nur in Absprache mit einem Arzt/ Ärztin, diesen zunächst mit pflanzlichen Medikamenten zu behandeln. So ist die Wirkung von Kapuzinerkresse und Meerrettich zB in Form von hoch dosierten Filmtabletten inzwischen wissenschaftlich sehr gut belegt.

    Im Gegensatz zu chemisch-synthetischen Arzneimitteln wie eben Antibiotika, die nur aus einer einzigen Substanz bestehen, sind pflanzliche Arzneimittel Vielstoffgemische, die aus vielen unterschiedlichen Einzelsubstanzen bestehen, die genau in dieser Kombination ihre Wirkung erzielen. Ein weiterer Vorteil pflanzlicher Arzneimittel: Sie haben seltener Nebenwirkungen und greifen auch bei langfristiger Einnahme die Darmflora nicht an. Experten nennen dies den „natürlichen Schutz des Mikrobioms.“

    Manchmal ist allerdings eine Behandlung mit einem niedrig dosierten Antibiotikum über drei bis sechs Monate die Lösung – vorausgesetzt, der Arzt/ Ärztin hat vorher in einer Harnkultur den Erreger bestimmt. Denn letztlich ist ein immer wieder aufflammender Infekt gefährlicher als ein temporär eingenommenes Antibiotikum.


    *Wagenlehner FM et al: Non-Antibiotic Herbal Therapy (BNO 1045) versus Antibiotic Therapy (Fosfomycin Trometamol) for the Treatment of Acute Lower Uncomplicated Urinary Tract Infections in Women: A Double-Blind, Parallel-Group, Randomized, Multicentre, Non-Inferiority Phase III Trial. Urol Int 2018;101(3):327—336.

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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