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    Home»Körper & Geist»Über die „Macht der Musik“ und die Bedeutung guten Hörens
    Eine alte Frau greift mit der Hand zum Audioprozessor ihres Cochlea-Implantats. (c) MED-EL

    Über die „Macht der Musik“ und die Bedeutung guten Hörens

    14. März 20195 Mins Lesezeit

    Musik ist eine universelle Sprache, die direkt ins Herz geht. Was aber, wenn wir sie gar nicht hören? Die Geburtstagsfeier müsste ohne „Happy Birthday“ auskommen und der Lieblingsfilm wäre ohne seinem Titelsong wohl nur der halbe Spaß. Oder anders formuliert: Musik und Gehör sind wichtig für unsere Gesundheit: Experten auf dem Gebiet der HNO- und Hirnforschung, sowie ein Hobby-Violinist mit Hörimplantat sprechen unter anderem darüber, welchen Einfluss Nicht-Hören auf unseren Alltag hat, welche Rolle Musik im Hörtraining nach Cochlea-Implantation spielt, und darüber, dass Hörverlust ein wichtiger Risikofaktor für Demenzerkrankungen ist.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Die Königsdisziplin des Hörens
    Musizieren mit Cochlea-Implantat
    Möglichst rasch implantieren
    Hörtraining fördert das Verstehen mit Cochlea-Implantat
    Hörstörungen: wichtigster Risikofaktor für Demenz
    Service


    Die Königsdisziplin des Hörens

    „Unser Gehör vollbringt Höchstleistungen beim Wahrnehmen von Musik, der Königsdisziplin des Hörens“, sagt DI Ewald Thurner, Area Manager Österreich bei MED-EL. „Denn kaum wo erkennen wir feinere Klang-Nuancen als bei einem Musikstück. Vorausgesetzt freilich, das Gehör ist intakt.“ Doch das ist nicht bei jedem Menschen in Österreich der Fall: Etwa jede/ r Fünfte lebt mit einer Form des Hörverlusts. Ab einem Alter von 60 Jahren ist es sogar ungefähr jede/ r Zweite. Kommunikation mit Freunden, aber auch mit dem Arzt oder Behörden, ist dadurch nur mehr eingeschränkt möglich. Die Konsequenz: das Leben wird mühsam und man zieht sich mehr und mehr zurück und vereinsamt.

    Experten sagen, es dauere im Durchschnitt zehn Jahre, bis eine Person mit Hörverlust einen HNO-Facharzt aufsucht. Ist die Diagnose Schwerhörigkeit gesichert, wird in der Regel zuerst ein Hörgerät angepasst. Wenn das Hören damit jedoch nicht mehr möglich ist, kommt eine Cochlea-Implantation in Frage. Ein Cochlea-Implantat (CI) kann das natürliche Gehör ersetzen und – gemäß den individuellen Voraussetzungen des Nutzers – selbst Musik wieder naturnah wiedergeben.

    Musizieren mit Cochlea-Implantat

    Walter Widler, 61, Hobbymusiker und CI-Träger, erzählt: „Wenn ich vor meiner Implantation allein zu Hause war, hörte ich weder die Türglocke noch das Telefon. Heute komme ich allein zurecht!“

    Und mehr noch: Widler findet sowohl auf der Violine als auch auf der Bratsche die richtigen Töne blind. Denn beide Instrumente haben keine Bünde, anhand derer man sich orientieren könnte, wie etwa bei der Gitarre. Er muss den Ton erhören.

    Möglich machen das sein CI rechts und das Hörgerät auf der linken Seite. Widler sagt: „Ohne CI wäre ich verloren, nicht nur musikalisch.“

    Ein älterer Mann mit einem Hörimplantat spielt Geige – gerade beim Musizieren ist gut Hören sehr wichtig. (c) MED-EL
    Der Hobby-Violinist Walter Widler hat mit seinem Hörimplantat wieder sehr viel an Lebensqualität zurück gewonnen.

    Möglichst rasch implantieren

    Die Operation, dank der Widler wieder gut hören kann, ist ein Routine-Eingriff mit minimalem Risiko, sagt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Gstöttner, Vorstand der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Kopf- und Halschirurgie an der Medizinischen Universität Wien. Wichtig sei, möglichst früh zu implantieren: „Bei gehörlos geborenen Kindern implantieren wir in der Regel am Ende des ersten Lebensjahres. Die allermeisten auf diese Art versorgten Kinder lernen Sprache so wie hörende Kinder auch. Sie können eine Regelschule besuchen und eine Ausbildung machen, die ihren Fähigkeiten entspricht. Und auch bei Erwachsenen gilt: Je kürzer die Zeit der Schwerhörigkeit ist, umso besser funktioniert das Hören mit Implantat.“

    Die Kosten für die Operation und die Hörimplantate selbst werden in Österreich vom öffentlichen Gesundheitssystem getragen. Operationen werden an allen Universitätskliniken und an vielen Landeskliniken durchgeführt.

    Hörtraining fördert das Verstehen mit Cochlea-Implantat

    Nach der Implantation absolvieren die allermeisten Nutzer ein Hörtraining, denn das Gehirn braucht Zeit und Übung, um sich an die neue Art des Hörens zu gewöhnen. Im Rahmen dieses Trainings ist Musik ein ganz wichtiger Bestandteil, erklärt Univ.-Prof. Dr. Patrick G. Zorowka, Direktor der Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen der Medizinischen Universität Innsbruck: „Musik im Hörtraining fördert die höheren Funktionen des Hörens, wie Betonung, Rhythmus oder das Erkennen von Melodien, kurz: Alles, was auch für ein gutes Sprachverständnis wichtig ist.“

    Zar und Star etwa klingen für einen Menschen mit einer auditiven Wahrnehmungsstörung recht ähnlich. Musik hilft, diese feinen Unterschiede wahrzunehmen. Und ganz nebenbei macht aktives Musizieren noch etwas anderes: Es schult viele analytische Fähigkeiten, die auch beim Lernen von Mathematik hilfreich sein können.

    Ein Chirurg hält ein Cochlea-Implantat vor sich hin. (c) MED-EL
    Klein, aber fein – mittlerweile ist die Implantation eines Cochlea-Implantats ein Routineeingriff.

    Hörstörungen: wichtigster Risikofaktor für Demenz

    Gut zu hören ist ganz unabhängig vom Alter enorm wichtig für die Prozesse in unserem Gehirn, betont der Neurowissenschaftler Dr. med. Andrej Kral, Professor für auditorische Neurowissenschaften und Leiter der Abteilung für Experimentelle Otologie an der Medizinischen Hochschule Hannover: „Das kindliche Gehirn verarbeitet Informationen an Synapsen, die sich nach der Geburt in der Hirnrinde entwickeln. Diese Entwicklung ist vom Hören gesteuert: Aktivität lässt Synapsen entstehen und hält sie aufrecht, Nichtbenutzung (Inaktivität) führt zu ihrem Abbau.“ Werden gehörlos geborene Kinder zu spät implantiert (nach dem dritten Lebensjahr), entstehen dauerhafte Probleme beim Unterscheiden und Erkennen von komplexen akustischen Ereignissen und Defizite beim Spracherwerb.

    Auch für Erwachsene ist gutes Hören essenziell. Eine der aktuellsten und wichtigsten Erkenntnisse der Wissenschaft im Bereich Hören sei sicher jene, dass kognitive Defizite, wie sie bei Demenzerkrankungen auftreten, im Alter durch Schwerhörigkeit befördert werden, sagt Kral: „Nicht-Hören ist der wichtigste bekannte und veränderbare Faktor, der das kognitive Altern beeinflusst.“

    Service

    Nachdem – wie immer – bewegte Bilder mehr als tausend Worte sagen, sehen sie hier ein kurzes Erklärungsvideo über die Funktionsweise von Cochlea-Implantaten:

    (Bilder/ Video: MED-EL)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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