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    Home»Körper & Geist»Glaukom – nur regelmäßige Vorsorge verhindert irreversible Schäden
    OA Dr. Anton Hommer bei der Untersuchung des Sehnervs von Chris Lohner mit dem OCT. (c) Fotodienst/ Anna Rauchenberger

    Glaukom – nur regelmäßige Vorsorge verhindert irreversible Schäden

    11. März 20207 Mins Lesezeit

    Trotz großer Fortschritte in Diagnose und Therapie, an denen auch österreichische Forscher mitgewirkt haben, ist das Glaukom immer noch die zweithäufigste Erblindungsursache in Europa. Anlässlich des Weltglaukomtags [12. März] ruft die bekannteste Stimme Österreichs, Chris Lohner, zur regelmäßigen Vorsorgeuntersuchung auf. Zudem informieren Experten über Forschungs- und Behandlungserfolge und weisen darauf hin, dass die Früherkennung der beste Schutz des Augenlichts ist.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Glaukom – es kann jeden treffen
    Oft zu spät entdeckt
    Forschungserfolge in Diagnose und Therapie
    Neue chirurgische Verfahren
    Ab 40 zur Vorsorgeuntersuchung
    Information: 12. März – Weltglaukomtag

    Glaukom – es kann jeden treffen

    Das Glaukom wird umgangssprachlich auch als „Grüner Star“ bezeichnet. Ein irreführender Name, der leider auch oft zur Verwechslung mit dem harmloseren grauen Star führt. Diese schwere Erkrankung des Sehnerven ist weltweit die häufigste und in Österreich die zweithäufigste Erblindungsursache. Sie verläuft schmerzlos und lange Zeit auch ohne andere merkbare Symptome. Daher bleibt sie immer noch viel zu oft zu lange unbemerkt. In Österreich sind über 80.000 Menschen davon betroffen, ein Großteil davon ahnt nichts von der Erkrankung. Nur mit der regelmäßigen Kontrolle durch den Augenarzt/ -ärztin kann das Glaukom rechtzeitig erkannt werden.

    Chris Lohner engagiert sich seit 19 Jahren als Botschafterin von Licht für die Welt zugunsten augenkranker und blinder Menschen in Entwicklungsländern. Heute appelliert sie an die Österreicherinnen und Österreicher auch an die Gesundheit der eigenen Augen zu denken: „Ich wurde selbst an beiden Augen am Grauen Star operiert und ich bin wirklich dankbar dafür, dass ich in einem Land geboren wurde, in dem die medizinische Versorgung garantiert ist. Würde ich in Afrika leben, wäre ich schon lange blind. Daher mein Aufruf an alle Menschen in Österreich: Nutzen sie das exzellente medizinische Angebot, das unser Land bietet. Gehen sie einmal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung zum Augenarzt/ -ärztin.“

    Chris Lohner. (c) Fotodienst/ Anna Rauchenberger
    Chris Lohner weiß wovon sie spricht: „Eine Erblindung durch ein Glaukom lässt sich hierzulande bei rechtzeitiger Entdeckung meist verhindern.“

    Oft zu spät entdeckt

    OA Dr. Anton Hommer, Facharzt für Augenheilkunde und Optometrie, Oberarzt an der Augenabteilung der Krankenanstalt „Sanatorium Hera“, langjähriges Vorstandsmitglied der Europäischen Glaukomgesellschaft und Vorsitzender der Glaukom-Kommission der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft warnt: „Das Glaukom ist eine langsam voranschreitende Krankheit. Die zentrale Sehschärfe nimmt erst im Endstadium der Erkrankung ab, wenn der Großteil des Sehnerven bereits abgestorben ist. Dieser unbemerkte Verlauf führt dazu, dass circa 50 Prozent der Menschen, die am Glaukom leiden, gar nicht wissen, dass sie an diesem erkrankt sind und dadurch viele der Patienten bereits bei der Erstdiagnose sehbehindert sind.“

    Auch bei Dr. Ludwig Roithinger, seit 18 Jahren Glaukom-Patient, war es eine Zufallsdiagnose: „Ich bin durch meine Mutter, die schlussendlich durch ihr Glaukom erblindet ist, erblich vorbelastet, bin aber trotz dieses Wissens nicht regelmäßig zum Augenarzt gegangen. Erst auf Grund eines Stressödems am Auge habe ich einen Arzt aufgesucht und im Zuge der Untersuchung wurde bei mir Augenhochdruck festgestellt, einer der maßgeblichen Faktoren für ein Glaukom. Seither bin ich in Behandlung.“

    Nach einigen Jahren war seine damalige Therapie plötzlich nicht mehr wirksam, was auch psychisch eine große Belastung für ihn war. Roithinger dazu: „Der Krankheitsverlauf meiner Mutter ist mir noch gut in Erinnerung. Die Aussicht langsam zu erblinden ist eine erschreckende Erfahrung. Aber ich habe das Glück in einer Zeit und vor allem in einem Land zu leben, wo die medizinischen Möglichkeiten rund ums Glaukom einen Quantensprung gegenüber der Zeit, in der meine Mutter gelebt hat, gemacht haben. Für mich war rasch eine andere Therapie gefunden, mit der mein Augenhochdruck wirksam gesenkt wird.“

    Dr. Ludwig Roithinger, Glaukom-Patient (c) Fotodienst/ Anna Rauchenberger
    Dr. Ludwig Roithinger hatte sozusagen Glück im Unglück, da nur zufällig bei ihm Augenhochdruck festgestellt wurde.

    Forschungserfolge in Diagnose und Therapie

    Für die Behandlung des Glaukoms stehen heute Augentropfen, Laser, gut etablierte Operationstechniken und auch moderne minimalinvasive chirurgische Methoden zur Verfügung. „In Österreich nehmen gerade drei Zentren an einer „Phase 3 Studie“ [diese Phase ist noch vor der offiziellen Zulassung einer Medikation] mit einem neuen augendrucksenkenden Medikament teil, wobei ein ganz neuer Mechanismus der Senkung des Augendrucks zur Anwendung kommt. Die vorläufigen Ergebnisse sind vielversprechend, die praktische Anwendung im klinischen Alltag wird aber noch 1-2 Jahre dauern“, so Hommer. 

    „Die Sicherheit für die Patienten hat sich bei all diesen Verfahren deutlich verbessert. Dazu haben auch Entwicklungen hier aus Österreich wesentlich beigetragen. Der gemeinsame Faktor aller Behandlungen ist, dass sie den Augendruck senken und damit den wichtigsten Risikofaktor des Glaukoms behandeln„, erklärt Univ.-Prof. Dr. Clemens Vass, Leiter der Glaukomambulanz der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, AKH Wien.

    „Neben der Entwicklung konservierungsmittelfreier Augentropfen, die die Verträglichkeit erhöhen, hat es in den letzten Jahren besonders in zwei Bereichen wesentliche Innovationen gegeben: bei den bildgebenden diagnostischen Verfahren und bei den chirurgischen Therapien des Glaukoms.“

    Ludwig Roithinger nimmt immer wieder als Patient an Studien zum Glaukom teil: „Das tue ich einerseits aus Solidarität, denn viele Menschen können vielleicht in Zukunft davon profitieren, andererseits auch aus Eigeninteresse. Denn ein neues Produkt kann mir vielleicht noch besser helfen. Und im Verlauf einer Studie genießt man den Vorteil einer sehr engmaschigen Kontrolle und Versorgung – und man wird nebenbei weniger ängstlich und sicherer im Umgang mit der eigenen Krankheit„.

    Vass informiert in diesem Zusammenhang über eine weitere moderne Methode: „Die berührungsfreie OCT Untersuchung mit hochauflösenden Geräten [OCT steht für Optische Cohärenz Tomographie] kann man sich wie einen optischen Ultraschall vorstellen, mit dem präzise Messungen am Augenhintergrund gemacht werden.“

    Univ.-Prof. Dr. Clemens Vass. (c) Fotodienst/ Anna Rauchenberger
    Univ.-Prof. Dr. Clemens Vass: „Österreichische Zentren, speziell auch die Medizinische Universität Wien, sind an der Weiterentwicklung dieser Diagnosemethode beteiligt, um deren Aussagekraft weiter zu optimieren.

    Neue chirurgische Verfahren 

    Österreich hat sich auch bei der Erprobung neuer chirurgischer Verfahren beteiligt. Dazu zählen miniaturisierte Drainageimplantate, sogenannte Micro-Stents, die in minimalinvasiven Verfahren eingesetzt werden. Durch diese Miniaturröhrchen wird eine gerade passende Menge Kammerwasser aus dem Augapfel unter die Bindehaut abgeleitet, um den Augendruck zu senken.

    Eine weitere sehr spannende Entwicklung befindet sich im Grenzbereich zwischen medikamentöser und chirurgischer Therapie. Hierbei handelt es sich um die Injektion eines kleinen Medikamentendepots in die vordere Augenkammer. Dort wird dann ein Wirkstoff über mehrere Monate hinweg kontinuierlich freigesetzt, womit eine langanhaltende Senkung des Augendruckes erreicht wird. 

    Hommer führt aus: „Welche Methode eingesetzt wird, hängt vom Ausmaß der notwendigen Augendrucksenkung ab. Die medikamentöse Therapie stellt in den meisten Fällen den ersten Schritt der Behandlung dar. Zum Glück ist die Mehrzahl der Patient*innen mit so einer Tropfentherapie ein Leben lang ausreichend gut eingestellt. Wichtig für eine erfolgreiche Behandlung ist die frühzeitige Erkennung des Glaukoms: Je geringer der Schaden am Sehnerv bei der Erstdiagnose ist, umso besser sind die Chancen auf eine erfolgreiche Erhaltung des Sehnervs.“

    Ab 40 zur Vorsorgeuntersuchung

    Die Wahrscheinlichkeit an einem Glaukom zu erkranken steigt mit dem Alter an. Leider kommt es viel zu oft vor, dass Menschen erst dann zum Augenarzt/ -ärztin kommen, wenn sie sehr konkrete Auswirkungen des Glaukoms bemerken. Zu dem Zeitpunkt sind aber oft schon mehr als 50 Prozent der Nervenfasern abgestorben.

    Zunächst gehen sie unsicher, stolpern über Dinge oder stoßen beim Durchschreiten einer offenen Tür mit der Schulter am Rahmen an. Das sind bereits erste Anzeichen für Gesichtsfeldausfälle, die sich langsam vergrößern. Wenn merkbare Beschwerden auftreten, sind diese nicht mehr heilbar. Darum sollte jeder ab dem 40. Lebensjahr einmal pro Jahr zum Augenarzt/ -ärztin. Diese/ r kann das Glaukom mit schmerzlosen Untersuchungen feststellen oder ausschließen.

    OA Dr. Anton Hommer. (c) Fotodienst/ Martina Draper
    OA Dr. Anton Hommer appelliert an alle über 40 Jährigen, zumindest einmal pro Jahr seine Augen von einem Facharzt/ Fachärztin untersuchen zu lassen.

    Information: 12. März – Weltglaukomtag 

    Jedes Jahr am 12. März wird weltweit der Weltglaukomtag/ Weltglaukomwoche begangen. Er entstand aufgrund einer globalen Initiative der World Glaucoma Asscociation [WGA] und der World Glaucoma Patient Association [WGPA]. Um diesen Tag soll in Kooperation mit Augenfachärzt*innen aus aller Welt das Bewusstsein für das Glaukom in der Bevölkerung gehoben werden und damit ein wesentlicher Beitrag zur Vermeidung irreparabler Schäden am Auge – bis hin zur Erblindung – geleistet werden.

    (Bilder: Fotodienst/ Anna Rauchenberger (4x), Fotodienst/ Martina Draper)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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