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    Home»Körper & Geist»Antibiotikaresistenz: schlechte Haushaltshygiene trägt dazu bei
    Tabletten. (c) Pixabay.com

    Antibiotikaresistenz: schlechte Haushaltshygiene trägt dazu bei

    4. Nov. 20207 Mins Lesezeit

    Nach Ansicht der Expertinnen und Experten für öffentliche Gesundheit des Global Hygiene Council [GHC], ist die Verfolgung eines risikobasierten Ansatzes für die häusliche Hygiene unerlässlich, um die wachsende Bedrohung durch Antibiotikaresistenzen einzudämmen. Oder mit anderen Worten: schlechte Haushaltshygiene trägt zu Antibiotikarisistenz bei. Wir haben uns das Thema näher angesehen: Worum geht es dabei, was steckt dahinter und warum kann das zu einem ernsten Problem werden.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Antibiotika – medizinische „Wunderwaffe“?
    Zwei Arten von Antibiotika
    Was heißt „Antibiotikaresistenz“?
    Was sind die Ursachen?
    Nicht zu unterschätzen
    Die Folgen von Antibiotikaresistenzen
    Was kann man dagegen machen?

    Antibiotika – medizinische „Wunderwaffe“?

    Antibiotika sind grundsätzlich unverzichtbare und wichtige Medikamente zur Behandlung von bakteriellen Infektionen und zählen zu den weltweit am häufigsten eingesetzten Arzneimittel. Antibiotika sind zumeist natürliche Stoffwechselprodukte von lebenden Mikroorganismen. Die meisten auf dem Markt befindlichen Antibiotika leiten sich von Pilzen und Bakterien ab.

    Allerdings können durch genetische Veränderungen Bakterien gegen antibiotische Wirkstoffe unempfindlich werden, wodurch diese wiederum wirkungslos sind. Der unsachgemäße und zum Teil überbordende Einsatz von Antibiotika in den letzten Jahrzehnten hat maßgeblich zur Entstehung von Resistenzen beigetragen. Allerdings scheint auch eine schlechte häusliche Hygiene das Ihre dazu beizutragen, wie bereits Eingangs erwähnt.

    Bakterien unter dem Mikroskop, Stichwort Antibiotikaresistenz.(c) Pixabay.com
    Antibiotika werden gegen bakterielle Erkrankungen eingesetzt.

    Zwei Arten von Antibiotika

    Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten von Antibiotika: den natürlichen und den synthetisch hergestellten Antibiotika. Dabei gibt es unterschiedliche Arten von Antibiotika, die sich in ihrer chemischen Struktur und damit in ihrer Wirksamkeit gegen verschiedene Bakterien unterscheiden. Das erklärt auch die Tatsache, dass ein Antibiotikum gegen eine bestimmte Art von Bakterien gut wirken kann, gegen eine andere hingegen völlig wirkungslos ist.

    Antibiotika bekämpfen Bakterien, indem sie entweder die Bakterien direkt abtöten [bakterizide Antibiotika], oder diese in ihrem Wachstum und damit in ihrer Vermehrung hemmen [bakteriostatische Antibiotika].

    Was heißt „Antibiotikaresistenz“? 

    Antibiotische Substanzen werden von Mikroorganismen produziert, um andere Bakterien zu verdrängen. Um sich selbst zu schützen, entwickeln Mikroorganismen eine Widerstandsfähigkeit, sprich Resistenz. Bakterien sind sehr anpassungsfähig und vermehren sich rasch. Dabei kann sich spontan auch deren Erbgut verändern, wodurch diese wiederum gegen ein Antibiotikum resistent werden – oder anders formuliert: ein Bakterium erlangt durch genetische Veränderung die Fähigkeit, sich der Wirkung des Arzneimittels zu entziehen, um sein Überleben zu sichern.

    Das bedeutet, die Bakterien werden durch das Antibiotikum nicht mehr abgetötet bzw. nicht mehr in ihrem Wachstum gehemmt. Diese Abwehrmechanismen werden im bakteriellen Genmaterial verankert und an nachfolgende Generationen weitervererbt. Das Antibiotikum verliert somit seine Wirkung für die Therapie.

    Wenn ein Bakterium imstande ist, sich sogar gegen mehrere Antibiotika zu schützen, sprechen WissenschaftlerInnen von einem multiresistenten Erreger. Je häufiger verschiedene Antibiotika eingenommen werden, desto höher ist das Risiko, dass sich [multi-]resistente Bakterien entwickeln und ausbreiten.

    Was sind die Ursachen? 

    Einerseits hat ein häufiger, unsachgemäßer oder gar nicht nötiger Einsatz von Antibiotika in den letzten Jahrzehnten maßgeblich zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen geführt. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn Antibiotika zu oft und/ oder nicht richtig eingenommen werden, zum Beispiel in zu niedriger Dosis oder zu kurz. Daher ist es wichtig, Antibiotika nur dann zu nehmen, wenn es wirklich notwendig ist. Antibiotika wirken beispielsweise nicht bei viralen Infektionen. Atemwegserkrankungen wie Husten, Schnupfen, Grippe, Mittelohrentzündung oder Bronchitis werden in der Regel durch Viren ausgelöst. Sie sind bei einem normalen Krankheitsverlauf nicht mit Antibiotika behandelbar.

    Andererseits zeigt sich, dass die häusliche Hygiene ebenfalls ihren Beitrag zu Antibiotikaresistenzen beiträgt. Denn Keime mit erworbener Resistenz findet man praktisch überall: in der Umwelt, bei Tieren und auch in Lebensmitteln. Und je schlechter es um die Haushaltshygiene bestellt ist, desto mehr Keime entstehen bzw. können über die Umwelt in den Körper gelangen.

    Eine Streifen mit Tabletten, bei dem bereits zwei herausgedrückt wurden.(c) Pixabay.com
    Sind Bakterien gegen mehrere Antibiotika resistent, spricht man von multiresistenten Erregern.

    Nicht zu unterschätzen

    Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass die Resistenzraten gegen häufig verwendete Antibiotika in einigen Ländern in den nächsten zehn Jahren 40-60 Prozent übersteigen könnten. Wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden, kann die antimikrobielle Resistenz [AMR] bis 2050 das Leben von weltweit 10 Millionen Menschen fordern. Daher rufen die Experten des GHC zu einer Überprüfung der Hygienepraktiken im Haushalt und im täglichen Leben auf, um sicherzustellen, dass diese wirksam und angemessen für die aktuellen, dringenden Probleme der öffentlichen Gesundheit sind, wie AMR und auch Covid-19, Stichwort Hände waschen.

    Die ExpertInnen der GHC haben herausgefunden, dass eine bessere Hygiene in unseren Wohnungen/ Häusern und im Alltag eine wesentliche Rolle bei der Bekämpfung der Antibiotikaresistenz spielt. Eine gute Hygiene trägt dabei auf zweierlei Weise zum Kampf gegen AMR bei:

    • Erstens verhindert sie Infektionen und verringert dadurch die Notwendigkeit der Verschreibung von Antibiotika;

    • und sie verhindert zweitens die Ausbreitung von antibiotikaresistenten Infektionen von Mensch zu Mensch.

    Beispielsweise hat sich gezeigt, dass die Entfernung von infektionsverbreitenden Keimen von Hochrisikooberflächen und Händen zu kritischen Zeitpunkten, wie zum Beispiel bei der Zubereitung von Speisen und der Benutzung der Toilette, die Ausbreitung von Infektionen von Mensch zu Mensch erheblich minimiert. Eine Interventionsstudie zeigt, dass eine verbesserte Handhygiene bei einer Gruppe von Kindern in einer Tagesstätte den Bedarf an Antibiotika gegen gängige Atemwegsinfektionen um 30 Prozent senken kann.

    Prof. Sally Bloomfield, Expertin für öffentliche Gesundheit und Mitwirkende an den Untersuchungen, erklärt dazu: „Wir empfehlen dringend, anstatt das eigene Haus einer Tiefenreinigung zu unterziehen, diesen evidenzbasierten Ansatz der ‚Gezielten Hygiene‘ zu Hause und im täglichen Leben anzuwenden. Dabei sollte man sich auf die Zeiten und Orte konzentrieren, an denen sich schädliche Mikroben am ehesten ausbreiten – nicht nur momentan, um die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen, sondern auch langfristig, um zur Bekämpfung von AMR beizutragen.“

    Die Folgen von Antibiotikaresistenzen

    Eine Infektion mit einem resistenten Bakterium ist meist schwer oder gar nicht heilbar. Neuere wirksame Medikamente, gegen die die Bakterien [noch] nicht resistent sind, sind meist sehr teuer, da sie noch nicht massenhaft produziert werden – und ihre Entwicklung dauert lange. In vielen Fällen gibt es allerdings gar kein Mittel gegen den Erreger.

    Zu den Folgen von Antibiotikaresistenzen zählen vor allem:

    • Infektionen dauern länger

    • Infektionen sind schwieriger zu behandeln

    • Für einige Infektionen gibt es kaum noch wirksame Antibiotika

    • Krankenhausaufenthalte werden länger und häufiger
    Eine Frau mit starker Erkältung, die Tabletten in ihren Hände hält.(c) Pixabay.com
    Je nach Erkrankung sollte man nach Möglichkeit versuchen, nicht immer gleich zu Antibiotika zu greifen. Oft helfen auch schon „leichtere“ Mittel und/ oder diverse Hausmittel.

    Was kann man dagegen machen?

    Schon einfache Maßnahmen helfen, Antibiotikaresistenzen vorzubeugen:

    • Nehmen sie Antibiotika nur, wenn es wirklich nötig ist und sie diese von ihrem Arzt/ Ärztin verschrieben bekommen. So reduzieren sie die Gefahr, dass sich Resistenzen entwickeln.

    • Nehmen sie ein Antibiotikum genau so lange ein, wie der Arzt/ Ärztin es ihnen verordnet. Beachten sie auch die richtige Dosierung und die vorgeschriebene Einnahmezeit.

    • Geben sie keine übrig gebliebenen Antibiotika in Eigenregie an andere Personen weiter, auch wenn sich eventuell die Symptome ähneln sollten.

    • Entsorgen sie alte Medikamente oder Medikamentenreste nicht in der Toilette oder dem Abfluss im Waschbecken. Das kann zur Bildung von Resistenzen beitragen, da diese direkt in den Wasserkreislauf gelangen.

    • Probieren sie bei leichten bakteriellen Erkrankungen rezeptfreie Arzneimittel und Hausmittel.

    • Vermeiden sie Infektionen durch einfache Hygienemaßnahmen:
      • Waschen sie sich regelmäßig und gründlich die Hände.
      • Fassen sie sich möglichst nicht mit den Händen ins Gesicht.
      • Waschen sie sich nach dem Toilettengang oder dem Kontakt mit Tieren besonders gut die Hände.
      • Putzen sie sich die Nase mit einem Einmaltaschentuch und entsorgen sie dieses anschließend.
      • Husten und niesen sie in die Armbeuge und nicht in die vorgehaltene Hand.
      • Lüften sie regelmäßig, denn in geschlossenen Räumen kann die Anzahl der Krankheitserreger steigen.
      • Verwenden sie keine benutzten fremden Handtücher, Waschlappen oder Zahnbürsten.
      • Achten sie nach der Verarbeitung von rohem Fleisch darauf, Schneidebretter und Messer gründlich zu reinigen, damit andere Lebensmittel nicht mit etwaigen Bakterien in Kontakt kommen.
      • Waschen sie ihre Schmutzwäsche regelmäßig bei 60°C, das überleben die meisten Erreger nicht.
      • Sorgen sie für einen vollständigen Impfschutz und vergessen sie nicht, bestimmte Impfungen regelmäßig aufzufrischen.

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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