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    Home»Körper & Geist»Migräne: Studien bestätigen Wirksamkeit neuer Antikörpertherapie
    Illustration: Das Profil eines Kopfes, wo zwei Hände auf das Gehirn zugreifen; von links und rechts zeigen rote Pfeile in Richtung Kopf. (c) Pixabay.com

    Migräne: Studien bestätigen Wirksamkeit neuer Antikörpertherapie

    13. Feb. 20205 Mins Lesezeit

    Anfallsweise auftretende pulsierende Kopfschmerzen, die meist nur eine Kopfseite und vorwiegend den Bereich um Stirn, Augen und Schläfen betreffen und sich bei Bewegung verschlimmern. Zusätzlich auch noch Übelkeit, Appetitlosigkeit, Licht- oder Lärmüberempfindlichkeit. Kurz: Migräne.

    Laut einer aktuellen Studie* leidet jeder zehnte Erwachsene in Österreich daran. Allerdings sucht lediglich eine/ r von dreien ärztlichen Rat. Und weniger als ein Fünftel der Migränepatient*innen erhält prophylaktische Medikamente. Die gute Nachricht: In dieser Studie wurde auch die langfristige Wirksamkeit einer neuen Antikörpertherapie bestätigt.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Volkskrankheit Migräne
    Lebensqualität leidet bei der Mehrzahl der Betroffenen
    Die Krankheit hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche
    Medikamentöse Migräneprophylaxe ist wirksam
    Langzeit-Studie bestätigt Erfolg
    Service

    Volkskrankheit Migräne

    In Österreich leidet wie gesagt jeder zehnte Erwachsene an Migräne. Trotzdem haben zwei von drei Betroffenen deswegen noch nie ärztlichen Rat gesucht. Von den Migränepatient*innen, die einen Arzt/ Ärztin konsultieren, sind lediglich 17,5 Prozent in neurologischer Behandlung. Und weniger als ein Fünftel erhält auch Medikamente zur Migräneprophylaxe.

    Auch migränespezifische und gut wirksame Medikamente für die Behandlung von akuten Kopfschmerzen, die Substanzgruppe der Triptane, werden viel zu selten verwendet. Zu diesem Schluss kommt die Eurolight Studie, für die über 9.200 Patientinnen und Patienten aus zehn Ländern, darunter auch Österreich, befragt wurden.

    „Die verfügbaren Möglichkeiten in der Migränetherapie werden leider seitens vieler Patientinnen und Patienten nur selten in Anspruch genommen„, sagt der Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft [ÖSG] Prim. Priv.-Doz. Dr. Nenad Mitrovic.

    Der Kopf einer Frau, die sich mit beiden Händen auf die Schläfen greift; um sie herum Blitze als Zeichen für Migräne. (c) Pixabay.com
    Obwohl zirka 10 Prozent der Österreicher*innen an Migräne leiden, geht nur ein Drittel davon deswegen zum Artz/ Ärztin.

    Lebensqualität leidet bei der Mehrzahl der Betroffenen

    Laut einer Studie aus 2016 zählt Migräne zu den Top 10 der Erkrankungen in Bezug auf die Dauer der deutlichen Beeinträchtigung der Lebensqualität. Bei unter 50-jährigen belegt sie sogar den Platz 1. Wie sehr die Lebensqualität Betroffener durch Migräne eingeschränkt ist, zeigt auch die internationale Studie „My Migraine Voice“. Im Rahmen dieser Studie wurden über 11.000 Migränepatient*innen aus 31 Ländern befragt, darunter auch 140 aus Österreich. Alle Studienteilnehmer*innen verzeichnen mindestens vier Migränetage pro Monat.

    Die Ergebnisse: Im Durchschnitt beeinflusste Migräne das Leben der Patient*innen fast 10 Tage im Monat negativ. Die Hälfte der Teilnehmer*innen gab deutliche bis ausgeprägte Alltagseinschränkungen an. Drei von vier Befragten leiden unter Schlafproblemen. 80 Prozent verbringen migränebedingt viel Zeit während der Attacken im Dunklen. Mehr als die Hälfte kann im Alltag nicht klar denken und hat ein Müdigkeitsgefühl. Mehr als 40 Prozent der Befragten brauchen häufige Pausen und fühlt sich hilflos. Psychische Begleitsymptome wie Depression und Angst wurden ebenfalls sehr häufig angegeben. 

    Die Krankheit hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche

    Zwei von drei Befragten gaben an, dass Partnerschaft und Familienleben unter der Migräne leiden. Drei von vier Befragten klagen über Nachteile im Sozialleben: 61 Prozent mussten schon auf wichtige Veranstaltungen verzichten. 45 Prozent können ihren Hobbys nicht mehr nachgehen. 40 Prozent gehen seltener aus. Das Liebesleben kommt oft zu kurz.

    Häufige Migräneattacken haben auch eine negative Auswirkung auf das Arbeitsleben: 63 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass die Krankheit ihr Berufsleben negativ beeinflusst. 58 Prozent können sich aufgrund der Migräne nicht auf die Arbeit konzentrieren. Zur Krankheit selbst kommen noch sozialer und existenzieller Druck: 48 Prozent fühlen sich von ihren Kolleginnen und Kollegen nicht verstanden oder ernstgenommen. 13 Prozent haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich wegen Migräne krankmelden müssen.

    Medikamentöse Migräneprophylaxe ist wirksam

    „Für einen Teil der Patienten wäre eine präventive Behandlung sehr sinnvoll. Es gibt eine Reihe von gut erprobten Medikamenten aus zum Beispiel den Gruppen der Betablocker, Kalziumantagonisten und Antiepileptika, die bei 50 bis 75 Prozent der Patienten die Häufigkeit der Migräneattacken um mehr als 50 Prozent reduzieren. Für jene Patienten, die auf diese Medikamente nicht ansprechen oder wenn diese mitunter nicht vertragen werden, gibt es inzwischen auch eine Alternative„, erklärt Prim. Mitrovic.

    Therapien auf Basis von sogenannten monoklonalen Antikörpern, etwa Erenumab, Fremanezumab, Galcanezumab, wirken anders als Standardmedikamente: Sie binden an den Rezeptor oder an das Neuropeptid „Calcitonin Gene-Related Peptide“ [CGRP], das für das Entstehen von Migräne-Kopfschmerz eine wesentliche Rolle spielt. Während einer Migräneattacke können bei Patienten erhöhte CGRP-Spiegelwerte gemessen werden, eine Gabe von CGRP löst bei Migräne-Patienten eine Migräneattacke aus.

    Triptane, also Medikamente, die Migräne-Kopfschmerzen erfolgreich kupieren können, senken das Blutlevel von CGRP. Die oben genannten CGRP-Antikörper reduzieren die Häufigkeit der Migränetage signifikant besser im Vergleich zu Placebo.

    Ein Mann, der sich vor Scherzen die Stirn hält. (c) Pixabay.com
    Eine präventive Behandlung von Migräne kann die Häufigkeit der Migräneattacken um über 50 Prozent reduzieren!

    Langzeit-Studie bestätigt Erfolg

    Die anhaltende Wirksamkeit des erstzugelassenen Präparats [Erenumab] wurde vor kurzem durch eine Langzeit-Studie bestätigt. Untersucht wurden 250 Patientinnen und Patienten, die zu Behandlungsbeginn durchschnittlich 8,7 Migränetagen pro Monat aufwiesen und über vier Jahre in Behandlung blieben. Die 4,5-Jahresdaten zeigen, dass bei 77 Prozent der Patient*inne die monatlichen Migränetage um mindestens 50 Prozent zurückgegangen sind. 56 Prozent schafften sogar eine Reduktion der monatlichen Migränetage um 75 Prozent. Bei 33 Prozent trat im letzten Untersuchungsmonat gar keine Migräne mehr auf.

    Das Medikament ist, wie auch Galcanezumab und Fremanezumab, seit kurzem auch für Österreich zugelassen. „Ich kann Migränepatienten nur ans Herz legen: Resignieren sie nicht, suchen sie Hilfe, reden sie mit ihrem Hausarzt oder einem Neurologen“, appelliert Prim. Mitrovic. „Es gibt Möglichkeiten, die Häufigkeit der Migränetage deutlich zu reduzieren.“

    Service

    Unter www.migräne-service.at gibt es Informationen zum Thema Migräne und eine Facharztsuche. Geboten wird außerdem ein Migränetagebuch zum Download, damit Betroffene möglichen Auslösern der Kopfschmerzattacken auf die Spur kommen können.


    *Quellen

    Katsarava et al.; Poor medical care for people with migraine in Europe – evidence from the Eurolight study, The Journal of Headache and Pain (2018) 19(1):10. doi: 10.1186/s10194-018-0839-1

    Martelletti et al.; My Migraine Voice survey: a global study of disease burden among individuals with migraine for whom preventive treatments have failed The Journal of Headache and Pain (2018) 19:115.

    Ashina M et al.; Sustained efficacy and long-term safety of erenumab in patients with episodic migraine: 4+ year results of a 5-year, open-label treatment period. IHC 2019

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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