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    Home»Körper & Geist»Lebensstil vs. Schlaganfallrisiko – Vor- und Nachsorge retten Leben
    Eine ältere Frau, die neben einem auf dem Boden liegenden älteren Mann kniet, seine Hand hält und nach Hilfe telefoniert. (c) AdobeStock

    Lebensstil vs. Schlaganfallrisiko – Vor- und Nachsorge retten Leben

    7. Juli 20227 Mins Lesezeit

    Ein Schlaganfall reißt jede und jeden Betroffenen von einem Moment auf den anderen aus dem gewohnten Leben. Die Folgen können gravierend sein und alle Lebenspläne auf den Kopf stellen und obsolet machen. Allerdings lässt sich durch Vorsorgemaßnahmen, Stichwort Lebensstil, das Risiko einer Erkrankung senken. Und nach einem erlittenen Schlaganfall ist eine begleitete Nachsorge extrem wichtig – sowohl, um den Gesundheitszustand zu verbessern, als auch, um einem erneuten Schlaganfall vorzubeugen.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Mit gesundem Lebensstil das Schlaganfallrisiko senken
    Ursache: Minderversorgung aufgrund verengter oder verstopfter Gefäße
    Ursache: Hirnblutung
    Schlaganfall vorbeugen mit einem gesunden Lebensstil
    Gesundheit geht durch den Magen
    #BewegungISTgesund
    Mit dem Rauchen aufhören
    Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall
    Möglichkeiten zur Vorsorge
    Akutbehandlung und Rehabilitation
    Nachsorge


    Mit gesundem Lebensstil das Schlaganfallrisiko senken

    Wohl jede und jeder weiß: Eine fettreiche Ernährung, ein paar Kilos zu viel auf der Waage, Bewegungsmangel, Rauchen und zu wenig Schlaf sind Gift für die Gesundheit. Doch dass ein derartiger Lebensstil [auch] ein wesentlicher Risikofaktor für einen Schlaganfall ist, machen sich die wenigsten bewusst.

    So leben etwa in Deutschland 1,3 Millionen Menschen mit den Folgen eines Schlaganfalls. Und in Österreich erleiden jährlich ungefähr 25.000 Menschen einen Schlaganfall, das bedeutet ein Schlaganfall ca. alle 20 Minuten! Viele von ihnen sind pflegebedürftig oder fortan auf fremde Hilfe angewiesen.

    Führt man sich diese Zahlen vor Augen, sollte man der Schlaganfallvorbeugung [viel] mehr Beachtung schenken und seine Lebensgewohnheiten hinterfragen. Denn der zuvor beschriebene Lebensstil hat direkte Auswirkungen auf die Gesundheit der Blutgefäße und damit Einfluss auf die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie zum Beispiel Herzinfarkt und Schlaganfall. Oder anders formuliert: Ein Schlaganfall ist die direkte Folge einer Durchblutungsstörung im Gehirn. Eine bestimmte Gehirnregion wird nicht mehr ausreichend durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Dadurch sind die dortigen Nervenzellen in ihrer Funktion beeinträchtigt oder sterben schlimmstenfalls ab.

    Rettungssanitäter, die einen Patienten in den Krankenwaagen schieben, Stichwort Schlaganfallrisiko.(c) AdobeStock
    Bei einem Schlaganfall zählt buchstäblich jede Sekunde. Betroffene müssen so schnell wie möglich in ein Krankenhaus.

    Ursache: Minderversorgung aufgrund verengter oder verstopfter Gefäße

    In etwa 80 bis 85 Prozent der Fälle kommt es zu einer Minderversorgung, weil die versorgenden Gefäße [arterielle Blutgefäße] verengt oder verstopft sind. Man bezeichnet dies häufig auch als Hirninfarkt oder in der Fachsprache als ischämischen Schlaganfall [Ischämie bedeutet Minderdurchblutung]. Ursache hierfür können Arteriosklerose oder Blutgerinnsel sein. Ein Gerinnsel im Blutkreislauf wird medizinisch als Thrombus bezeichnet. Ein solcher Thrombus kann sich in allen Gefäßen bilden und über den Blutkreislauf in die Blutgefäße des Gehirns gelangen.

    Menschen, die an der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern leiden, haben zum Beispiel ein erhöhtes Risiko, dass sich im Herzen ein Gerinnsel bildet, weil infolge des Flimmerns das Blut nicht mehr gut durchmischt wird. Vorhofflimmern ist auch eine häufige Ursache für einen Schlaganfall.

    Arteriosklerose wird umgangssprachlich auch als Arterienverkalkung bezeichnet. Hier haben sich über einen längeren Zeitraum unbemerkt an den Gefäßwänden der Arterien Ablagerungen von Blutfetten, Blutzellen, Bindegewebe und Kalksalzen gebildet. Durch diese sogenannten Plaques werden die Gefäße enger, verlieren ihre Elastizität und verhärten. Zudem können die Plaques einreißen und sich durch die Einblutungen Thromben bilden, die das Gefäß weiter verengen oder sogar verschließen.

    Ursache: Hirnblutung

    Bei etwa 15 bis 20 Prozent aller Schlaganfälle sind nicht verstopfte Gefäße die Ursache, sondern die Hirnschäden werden durch Hirnblutungen ausgelöst. Von einer Hirnblutung spricht man, wenn Blutgefäße im Gehirn aufreißen oder platzen. Wenn das austretende Blut in Gehirngewebe eindringt, erzeugt dies Druck auf das umliegende Gewebe. Dadurch werden unter anderem versorgende Gefäße abgeklemmt, so dass bestimmte Gehirnregionen unzureichend durchblutet sind.

    Mediziner sprechen in diesem Fall von einem hämorrhagischen Schlaganfall [Hämorrhagie bedeutet Blutung]. Ursache für ein Platzen der Blutgefäße sind häufig Schädigungen der Gefäßwände durch dauerhaft hohen Blutdruck, oft in Kombination mit Arteriosklerose.

    Schlaganfall vorbeugen mit einem gesunden Lebensstil

    Die gute Nachricht an dieser Stelle: Da man ziemlich genau weiß, was die häufigsten Ursachen für Schlaganfall sind, kann man mittels gesundem Lebensstil dem Schlaganfallrisiko sehr gut entgegenwirken. Zu den häufigsten Ursachen zählen, wie bereits erwähnt, Arteriosklerose, Vorhofflimmern und Bluthochdruck. Risikofaktoren für alle drei Erkrankungen sind erhöhte Blutfettwerte, Störungen des Zuckerstoffwechsels [Diabetes mellitus], Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und eine salzreiche Ernährung. Hinzu kommen weitere Faktoren wie eine genetische Veranlagung, bestimmte Vorerkrankungen und ein höheres Lebensalter.

    Gesundheit geht durch den Magen

    Schauen wir uns daher die Risikofaktoren, die wir beeinflussen können, einmal genauer an. Hier spielt ohne Frage die Ernährung eine sehr wichtige Rolle. Wer sich gesund, vielseitig und überwiegend pflanzlich ernährt, beugt nachweislich Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Empfehlenswert sind täglich mehrere Portionen Obst und Gemüse sowie verschiedene Getreideprodukte, ergänzt durch fettarme Milch und Milchprodukte. Darüber hinaus sollte ein- bis zweimal die Woche Fisch gegessen werden. Ebenfalls gesundheitsfördernd sind Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen und Linsen. Bei anderen Lebensmitteln sollte man eher zurückhaltend sein. Dies gilt für Fleisch, Wurst, Eier, Fett und fettreiche Produkte, Zucker und Salz.

    Eine Umstellung der Ernährung trägt meistens auch dazu bei, Übergewicht abzubauen. Wichtig ist, dass Menschen mit deutlichem Übergewicht eine Ernährungsumstellung und Diät nur in Absprache mit ihrer Ärztin/ ihrem Arzt starten und in der Folge der Gesundheitszustand regelmäßig kontrolliert wird.

    Zwei Hände, in der einen ein Burger, in der anderen ein Apfel.(c) AdobeStock
    Jede und jeder von uns kann sich gesund ernähren, man muss sich nur »richtig« entscheiden.

    #BewegungISTgesund

    Ein weiterer wichtiger Pfeiler der Schlaganfallvorsorge ist die Bewegung. Studien zeigen, dass bereits 15 bis 30 Minuten leichte bis mittelschwere Bewegung pro Tag das Schlaganfallrisiko deutlich senken. Besonders geeignet sind Sportarten, die die Ausdauer trainieren und damit das Herz-Kreislauf-System stärken. Dazu gehören Laufen, Schwimmen, Wassergymnastik, Nordic Walking, Wandern und Fahrradfahren. Allerdings sollten Ungeübte am Anfang nicht übertreiben. Am besten, das Training erfolgt zu Beginn unter Anleitung einer Sporttherapeutin/ eines Sporttherapeuten.

    Mit dem Rauchen aufhören

    Raucherinnen und Rauchern muss man eigentlich nicht mehr ausdrücklich sagen, dass sie mit jedem einzelnen Zug an einer Zigarette ihre Gesundheit gefährden. Was ihr Schlaganfallrisiko betrifft, sollten sie sich klar machen: Starke Raucher•innen haben ein doppelt so hohes Risiko für einen Schlaganfall wie Nichtraucher•innen.

    Und selbst wer nur einmal am Tag zur Zigarette greift, erhöht damit sein Risiko bereits um 25 Prozent. Der Grund: Die enthaltenen Schadstoffe, unter anderem Nikotin, fördern Arteriosklerose, erhöhen den Blutdruck und machen das Blut zähflüssiger, so dass es schneller verklumpen kann und sich Gerinnsel bilden. Es kann nur dringend dazu geraten werden, mit dem Rauchen aufzuhören. Der Entzug lohnt. Untersuchungen zeigen, dass ehemalige Raucher•innen nach fünf Jahren ein vergleichbares Schlaganfallrisiko haben wie Nichtraucher•innen.

    Hauptrisikofaktoren für Schlaganfall

    • Bluthochdruck
    • Diabetes mellitus
    • Rauchen
    • Fettstoffwechselstörungen
    • Herzrhythmusstörungen bzw. Vorhofflimmern
    • Übergewicht
    • Bewegungsmangel
    • Übermäßiger Alkoholkonsum

    Möglichkeiten zur Vorsorge

    • Ernähren sie sich ausgewogen.
    • Streben sie Normalgewicht an.
    • Bewegen sie sich regelmäßig. Leichter Ausdauersport ist ideal. Informieren sie sich ggf. über die Möglichkeit, an einer Herzsportgruppe teilzunehmen.
    • Trinken sie nur wenig Alkohol.
    • Raucherinnen und Raucher sollten unbedingt mit dem Rauchen aufhören. Informieren sie sich ggf. über Kurse zur Rauchentwöhnung.

    Akutbehandlung und Rehabilitation

    Leider lässt sich nicht jeder Schlaganfall durch vorbeugende Maßnahmen verhindern. Wenn es zu einem Schlaganfall kommt, ist es wichtig, dass die/ der Betroffene schnellstmöglich medizinisch versorgt wird. Denn je länger Gehirnareale mangelversorgt sind, desto größer sind die Schäden und desto höher ist das Risiko einer dauerhaften körperlichen und geistigen Beeinträchtigung. Schlaganfallpatient•innen werden daher umgehend in ein Krankenhaus gebracht. Idealerweise verfügt das Krankenhaus über eine Spezialstation zur Überwachung und Behandlung von Schlaganfallpatient•innen [Stroke Unit]. Dort wird sofort eine Akuttherapie eingeleitet. Die Art der Behandlung hängt dabei von der Schwere des Schlaganfalls ab und davon, ob Hirninfarkt oder Hirnblutung die Ursache war.

    Sobald die akute Gefahr gebannt ist und der allgemeine Gesundheitszustand stabilisiert werden konnte, beginnen Rehabilitationsmaßnahmen, die mögliche Beeinträchtigungen mindern sollen. Dazu gehören beispielsweise Physiotherapie zur Behandlung der Bewegungsstörungen, Logopädie zum Sprach-, Sprech- und Schlucktraining, Ergotherapie zur Unterstützung und Stärkung alltäglicher Abläufe sowie Neuropsychologie zur Behandlung möglicher kognitiver und psychischer Beeinträchtigungen.

    Eine Sprachtherapeutin mit einer Patientin bei einer Therapiesitzung.(c) AdobeStock
    Je nach schwere eines Schlaganfalls muss die entsprechende Therapie gemacht werden.

    Nachsorge

    Eine erfolgreiche Rehabilitation nach dem Schlaganfall ist das eine, das andere ist eine lebenslange Nachsorge. Viele Schlaganfallpatient•innen leiden an langfristigen Folgen. Dazu gehören neben körperlichen Beeinträchtigungen auch psychische Belastungen wie Depressionen und Angstzustände. Außerdem haben Schlaganfallpatient•innen ein höheres Risiko, innerhalb der nächsten fünf Jahre einen erneuten Schlaganfall zu erleiden.

    Nachsorge bedeutet daher, Hilfe in Anspruch zu nehmen, um die aktuelle Situation zu verbessern, aber auch die Möglichkeiten zur Schlaganfallvorsorge zu nutzen. Es geht also darum, den Lebensstil dauerhaft anzupassen, um Risikofaktoren für einen [weiteren] Schlaganfall zu reduzieren. Überdies sollte man etwaige verordneten Medikamente zuverlässig einnehmen und die Termine zur Therapiekontrolle wahrnehmen.

    Psychische Belastungen, die durch einen Schlaganfall entstanden sind, müssen ebenfalls verarbeitet werden. Hierfür kann es ratsam und wichtig sein, professionelle Hilfe von Neurolog•innen oder Psychotherapeut•innen in Anspruch zu nehmen. Vielen hilft es auch, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen. Es gibt zahlreiche Schlaganfall-Selbsthilfegruppen, wo Schlaganfallpatient•innen und ihre Angehörigen Unterstützung und wertvolle Informationen finden.

    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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