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    Home»Körper & Geist»Wenn das Herz still steht – ist ein plötzlicher Herztod verhinderbar?
    Die Herzschlaglinie eines EKGs. (c) Pixabay.com

    Wenn das Herz still steht – ist ein plötzlicher Herztod verhinderbar?

    28. Juni 20216 Mins Lesezeit

    Jung, leistungsfähig, begeisternd und plötzlich bewusstlos zusammenbrechend – ein Herzstillstand [der im schlimmsten Fall mit dem Herztod endet] live im Fernsehen vor einem Millionenpublikum. Kann das jede oder jeden treffen? Warum passiert so etwas überhaupt? Kann man es verhindern, und wenn ja, wie? Das sind wohl Fragen, die sich viele Zuschauerinnen und Zuschauer nach dem Zusammenbruch des dänischen Nationalteamspielers Christian Eriksen beim Fußball-EM 2020-Spiel Dänemark gegen Finnland Mitte Juni gestellt haben bzw. stellen. Wir haben versucht, den Fragen nach plötzlichem Herzstillstand näher auf den Zahn zu fühlen.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Kann das jede und jeden treffen?
    Warum passiert so etwas?
    Kann man einen Herzstillstand – und in der Folge den Herztod – irgendwie verhindern?
    Schlussfolgerung
    Reanimation


    Kann das jede und jeden treffen?

    „Plötzlicher Herzstillstand ist letztendlich die Ursache für die Hälfte aller Herztodesfälle und 20 Prozent aller Todesfälle in der westlichen Welt. Jeder Mensch kann davon grundsätzlich jederzeit betroffen sein. Ob der Herzstillstand dann aber auch zum Tod führt oder nicht hängt nicht unwesentlich von rascher Hilfeleistung ab„, so Prim. Assoc. Prof. Dr. Andrea Podolsky von der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften.

    Der Fußballspieler Christian Eriksen hatte also unheimliches Glück. Er wurde rasch wiederbelebt, sodass, laut Medienberichten, schwere Folgeschäden, die vor allem das Gehirn betreffen könnten, ausgeblieben sind.

    Ein paar Kurzhandel, dahinter ein Gymnastikball, daneben Sportschuhe.(c) Pixabay.com
    Letztlich kann ein plötzlicher Herzstillstand jede und jeden von treffen.

    Warum passiert so etwas?

    Ursachen für einen Herzstillstand sind plötzlich auftretende Herzrhythmusstörungen auf Basis von Herzerkrankungen, die zum Teil bis dahin völlig unbekannt und unerkannt waren. Zum größten Teil sind ältere Menschen davon betroffen. Körperlich wenig aktive Menschen sind häufiger betroffen als solche, die regelmäßig Sport treiben.

    Bei jungen Menschen bis etwa 35 Jahre sind meist angeborene und bis dahin unerkannte Veränderungen des Herzmuskels, der Herzkranzgefäße, der Herzklappen oder des Reizleitungssystems – also der elektrischen Leitungsbahnen im Herzen – verantwortlich. Störungen können aber auch erworben sein, wie zum Beispiel eine Herzmuskelentzündung im Rahmen eines Infektes. Bei zirka ein Drittel aller plötzlichen Herztodesfälle bleibt die Ursache jedoch unbekannt.

    Der plötzliche Herzstillstand bei jungen Menschen ist grundsätzlich ein sehr seltenes Ereignis. Er betrifft ungefähr ein bis zwei von 100.000 Athletinnen und Athleten zwischen 12 und 35 Jahren pro Jahr. Männer sind zwei bis 25 Mal häufiger betroffen als Frauen, Schwarze Athleten etwa doppelt so häufig wie Weiße.

    Kann man einen Herzstillstand – und in der Folge den Herztod – irgendwie verhindern?

    Durch sportmedizinische Untersuchungen versucht man die Personen zu identifizieren, die gefährdet sind, einen plötzlichen Herzstillstand zu erleiden. Das kann man relativ einfach durch gezielte ärztliche Befragung, klinische Untersuchung mit Abhören von Herz und Lunge, Blutdruckmessung und dem Anfertigen eines EKGs im Liegen.

    Dies stellt auch die Basisvariante der sportärztlichen Untersuchung dar. Eine zusätzliche Belastungsuntersuchung mit EKG [Belastungs-EKG] kann, wenn richtig durchgeführt, Aufschlüsse über Fitness und Herzfrequenz-Blutdruckregulation bei Belastung geben. Ergänzend ist manchmal auch eine Herz-Ultraschalluntersuchung angebracht. Bei Auffälligkeiten im Rahmen der Grunduntersuchung können weitere Untersuchungen notwendig werden.

    Studien aus der Region Veneto in Italien, wo die sportmedizinische Untersuchung für alle Wettkampfsportlerinnen und -spotler gesetzlich vorgeschrieben ist, haben gezeigt, dass damit das Auftreten von Herztodesfällen pro Jahr bei jungen Sportlerinnen und Sportlern im Laufe der Zeit um 90 Prozent gesenkt werden konnte.

    Europaweit gibt es [leider] kein einheitliches Vorgehen bezüglich Sporttauglichkeitsuntersuchung. Jedoch haben sich viele große Sportverbände und 90 Prozent der europäischen Staaten auf eine sportmedizinische Untersuchung geeinigt.

    Auch in Österreich gibt es keine Verpflichtung dazu. Ob sportmedizinische Untersuchungen durchgeführt werden oder nicht hängt von den einzelnen Sportverbänden ab. Die Finanzierung ist ebenfalls nicht einheitlich: sie wird zum Teil von den Ländern unterstützt oder übernommen, manchmal von Sportverbänden und oder den Sporttreibenden selbst.

    Die Österreichische Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention [ÖGSMP] setzt sich seit Jahren für eine bundesweit einheitliche Lösung ein, sowohl was die Verpflichtung zur Untersuchung als auch die Finanzierung betrifft.

    Schlussfolgerung

    „Durch systematisch durchgeführte sportmedizinische Screening-Untersuchungen kann die Anzahl der Herzstillstände im Sport um 90 Prozent reduziert werden“, betont Dr. Podolsky. Die ÖGSMP unter Präsident Univ.-Doz. Dr. Günther Neumayr setzt sich für eine bundesweit einheitliche Lösung zur verpflichtenden sportärztlichen Untersuchung und deren Finanzierung ein.

    Um Katastrophen zu vermeiden, nämlich den plötzlichen Herztod, muss die Bevölkerung zum Thema Laienreanimation systematisch geschult werden, damit im Notfall rechtzeitig fachgerecht geholfen wird. Das hat Christian Eriksen letztendlich das Leben gerettet. In diesem Sinn wäre es wichtig, ev. über einen Erste Hilfe Auffrischungskurs nachzudenken!

    Die Hände einer Frau beim üben einer Herzmassage an einer Übungspuppe, Stichwort Herztod.(c) Pixabay.com
    Bei einer Reanimation kann man nichts falsch machen – außer, man macht gar nichts!

    Reanimation

    Weil es wie erwähnt jede und jeden treffen kann, hier der empfohlene Ablauf einer Reanimation:

    Feststellen der Bewusstlosigkeit

    Stellen sie fest, ob die Person bei Bewusstsein ist. Reagiert sie nicht, rufen sie um Hilfe bzw. fordern sie nach Möglichkeit Umstehende zur Mithilfe auf.

    Feststellen der Atmung

    Machen sie die Atemwege durch Anheben des Kinns und Überstrecken des Halses frei. Die Atmung ist durch Sehen [bewegt sich der Brustkorb], Hören und Fühlen [ganz nahe am Mund der Person] wahrnehmbar. Eine Atemkontrolle dauert ungefähr zehn Sekunden.

    Absetzen des Notrufs 112

    Wenn sie feststellen, dass die Atmung nicht vorhanden oder nicht normal ist, alarmieren sie umgehend einen Notarzt/ Notärztin über die Notrufnummer 112. Viele Rettungsleitstellen geben ihnen bei fehlenden Kenntnissen auch via Telefon Anleitung, was zu tun ist. Beginnen sie auf jeden Fall umgehend mit der Herzdruckmassage – abwechselnd 30 Herzdruckmassagen und zwei Beatmungen.

    30 Herzdruckmassagen

    • Der Oberkörper muss entkleidet werden, damit der Druckpunkt für die Herzdruckmassagen in der Mitte der Brust bzw. auf der unteren Hälfte des Brustbeins gefunden werden kann.

    • Drucktiefe mindestens 5,5 bis 6 cm – keine Angst vor Rippenbrüchen, diese verheilen wieder!

    • Die Druckfrequenz beträgt zwischen 100 bis 120 Druckmassagen pro Minute.

    • Druck und Entlastung sollten gleich lange dauern.

    Beatmungen

    Beatmungen finden durch den Laien durch Mund-zu-Mund- oder Mund-zu-Nase-Beatmung statt. Hierzu muss erneut das Kinn angehoben und der Hals überstreckt werden.

    • Mund-zu-Mund-Beatmung
      Die Nase wird zugehalten, der Helfer umschließt mit seinem den Mund der Person. Eine Beatmung entspricht einem normalem Ausatemzug.

    • Mund-zu-Nase-Beatmung
      Das Kinn wird mit der Hand gegen den Oberkiefer gedrückt, ggf. können die Lippen mit einem Daumen abgedichtet werden. Der Helfer umschließt mit seinem Mund die Nase der Person. Eine Beatmung entspricht einem normalem Ausatemzug.

    Nach jeder Beatmung erfolgt eine Blickkontrolle auf Anhebung des Brustkorbs. Der Mund wird vom Patienten/ Patientin genommen und erst nach Absenken des Brustkorbes eine erneute Beatmung durchgeführt.

    Beenden der Herz-Lungen-Wiederbelebung

    Eine Herz-Lungen-Wiederbelebung wird durch den Laienhelfer solange fortgesetzt, bis der Rettungsdienst eintrifft oder Lebenszeichen, insbesondere eine Spontanatmung, einsetzt. Lediglich bei körperlicher Ermüdung werden Wiederbelebungsversuche durch den Ersthelfer/ Ersthelferin eingestellt.

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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