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    Home»Körper & Geist»Diabetes»Eisberg voraus! Weiterhin schlechte Diabetes mellitus Typ 2-Datenlage
    Blick durch eine Lupe auf das Wort Diabetes, das mit Scrabblesteinen gelegt wurde, dahinter eine Spritze. (c) AdobeStock

    Eisberg voraus! Weiterhin schlechte Diabetes mellitus Typ 2-Datenlage

    14. Juni 20235 Mins Lesezeit

    Die Zahl der von Diabetes mellitus Typ 2 betroffenen Menschen steigt ständig. Trotz mehrfacher Versuche gibt es in Österreich weiterhin keine systematisierte Erfassung der Daten. Exakte Daten sind aber für die Versorgungsplanung der nächsten Jahre essenziell. Neben einer frühen Diagnosestellung [aktuell erfolgt diese meist sechs Jahre zu spät] ist eine multifaktorielle Therapie notwendig.

    Diabetes mellitus Typ 2 [DM2] ist eine gefährliche aber auch gut behandelbare Krankheit. Die Behandlungserfolge hängen stark davon ab, ob Patient•innen ihre Krankheit verstehen und dieses Verständnis im täglichen und lebenslangen Selbstmanagement umsetzen können. In Österreich ist mit dem „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff!“-Programm ein eigenes Disease Management Programm [DMP] installiert. Das ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung und liefert sehr gute Ergebnisse. Noch viel mehr kann erreicht werden, wenn alle Berufsgruppen, die sich um Menschen mit Diabetes kümmern, aufeinander abgestimmt arbeiten.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Zentrales Register basierend auf ELGA zur besseren Planungen und Abschätzungen für Therapie und Versorgung der Betroffenen
    Regelmäßige Überprüfung der zentralen Werte durch Ärzt•innen
    DMP funktioniert und motiviert – alle Patient•innen brauchen Zugang zum DMP
    Was das DMP bietet
    ÖDG begrüßt Diabeteszentrum Wienerberg
    Über die Österreichische Diabetes Gesellschaft [ÖDG]


    Zentrales Register basierend auf ELGA zur besseren Planungen und Abschätzungen für Therapie und Versorgung der Betroffenen

    Trotz mehrfacher Versuche gibt es in Österreich weiterhin kein zentrales Register zur Erfassung der an DM2 erkrankten Menschen. Eine möglichst exakte Erfassung der Daten ist allerdings zur Optimierung der Versorgung unumgänglich. Die derzeit in Österreich häufig zitierten Daten beruhen auf einer groben Schätzung der International Diabetes Federation [IDF]. Demnach sind in Österreich derzeit 6,6 Prozent der Bevölkerung an Diabetes mellitus erkrankt. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft [ÖDG] fordert daher ein zentrales Register basierend auf ELGA, um bessere Planungen und Abschätzungen für Therapie und Versorgung der Betroffenen in der Zukunft anstellen zu können.

    „Diabetes bedeutet noch immer einen Verlust an Lebensjahren und eine Minderung der Lebensqualität. Diabetes ist die Hauptursache für Herzkrankheit, Schlaganfall, Blindheit, Nierenversagen und Bein-Amputationen“, erklärt Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi, Präsident der ÖDG und Vorstand der Abteilung für Innere Medizin im Konventhospital Barmherzige Brüder Linz, und führt aus: „Studien belegen klar, dass Lebensqualität erhalten und Sterblichkeit reduziert werden kann, wenn die richtige Therapie rechtzeitig beginnt und das Selbstmanagement der Patient•innen stimmt. Gut eingestellte Menschen mit Typ 2 haben ein vergleichbares Risiko für Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall wie die Allgemeinbevölkerung.“

    Portrait: Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Clodi. (c) privat
    Dr. Martin Clodi betont die Wichtigkeit eines zentralen Registers zur Erfassung der an DM2 erkrankten Menschen.

    Regelmäßige Überprüfung der zentralen Werte durch Ärzt•innen

    Die Werte für HbA1c, LDL-Cholesterin, Harn-Eiweißausscheidung und Blutdruck sollten im Zielbereich liegen, um das Risiko von Folgeerkrankungen zu minimieren. Zentral zur Erreichung der Zielwerte ist eine umfassende Diabetesschulung und ein kontinuierlich unterstütztes, informiertes Selbstmanagement. „Hier ist schon der erste Meilenstein an dem Ärzt•innen mit anderen Gesundheitsberufen Hand in Hand arbeiten sollten: Ärzt•innen erheben die Werte und vermitteln nach einem ausführlichen, ärztlichen Gespräch weitere Diabetes-spezifische Schulungen durch spezialisierte Pflegepersonen, Diätolog•innen und Bewegungstherapeut•innen“, betont OA Dr. Michael Resl, ebenfalls aus dem Konventhospital Barmherzige Brüder Linz und Erster Sekretär der ÖDG.

    DMP funktioniert und motiviert – alle Patient•innen brauchen Zugang zum DMP

    Strukturierte, ergebnisorientierte Schulungsprogramme können den HbA1c-Wert, den Blutdruck und das Gewicht positiv beeinflussen und dazu beitragen, Lebensstiländerungen bei der Ernährung, bei der Bewegung und beim Rauchen zu bewirken. Dies ist international bewiesen. Auch die nationalen Auswertungen zum DMP „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff!“ sprechen eine deutliche Sprache: Eine 30-prozentige Senkung der Mortalität bei weniger Kosten und geringeren und kürzeren stationären Krankenhausaufenthalten konnte nachgewiesen werden.

    Die ÖDG fordert daher, dass alle an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten Patient•innen in das DMP eingeschrieben werden und entsprechend betreut werden müssen. Insbesondere ist eine genaue, registerbasierte Erhebung der Betroffenen notwendig, um entsprechende gesundheitsökonomische Daten exakt vorausberechnen zu können. Die aktuellen Zahlen, auch aus dem IDF-Diabetes Atlas, geben nur einen inkompletten, nicht vollständig korrekten Überblick und sind zum Teil frei erfunden. Die Zahlen der IDF orientieren sich schlicht an Zahlen von benachbarten Ländern, ohne nur ansatzweise Zahlen aus Österreich zu haben.

    Was das DMP bietet

    Beim DMP „Therapie Aktiv – Diabetes im Griff!“ vereinbaren die Patient•innen mit den betreuenden Ärzt•innen regelmäßig Ziele, die sie bis zum nächsten Termin erreichen wollen. Sie erhalten qualitätsgesicherte Schulungen durch unterschiedliche Gesundheitsexpert•innen und werden auch an notwendige Kontrolluntersuchungen zum Beispiel bei Augenärzt•innen erinnert. Auch die Füße werden immer wieder kontrolliert, um das Diabetische Fuß Syndrom rechtzeitig zu erkennen und vorzubeugen. Gerade Fuß-Amputationen sind besonders beeinträchtigende Diabetes-Folgen und stellen auch einen signifikanten Prädiktor für eine vorzeitige Mortalität dar.

    ÖDG begrüßt Diabeteszentrum Wienerberg

    Abschließend betont Clodi: „Menschen mit Diabetes können ihren Krankheitsverlauf positiv beeinflussen, wenn sie ab dem ersten Tag der Diagnose und dann kontinuierlich in ihrem weiteren täglichen Leben Beratung und Betreuung in einer strukturierten Form von einem starken und kompetenten Team erfahren. Das neue Diabeteszentrum in Wien Favoriten ist ein Beispiel für ein optimales Teamwork in der Diabetesbetreuung. Hier sind alle Profis in einem Haus, die Wege kurz und es wäre wünschenswert, wenn mehrere dieser Institutionen in Zukunft österreichweit und wohnortnah zur Verfügung stünden.

    Zu dieser vernetzten Betreuung können auch die digitalen Lösungen der Telemedizin einen wichtigen Beitrag leisten, wenn sie konsequent in das DMP implementiert werden. Denn durch die Vernetzung aller Beteiligten kann die Qualität und Kontinuität der Betreuung über alle Ebenen sichergestellt werden.“

    Ein Ärztin, die einer älteren Frau mit einem Gerät den Blutzucker misst, Stichwort Diabetes mellitus Typ 2.(c) AdobeStock
    Ein weiterer wichtiger Punkt in der Behandlung von Diabetes Patient•innen: eine vernetzte Betreuung durch alle relevanten Fachrichtungen und Expert•innen.

    Über die Österreichische Diabetes Gesellschaft [ÖDG]

    Die Österreichische Diabetes Gesellschaft [ÖDG] ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Experten•innen. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind Ärzt•innen und wissenschaftlich einschlägig orientierte Akademiker•innen. Assoziierte Mitglieder sind Diabetesberater•innen und Diätolog•innen. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft sieht es als ihre Aufgabe, die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes mellitus zu verbessern. Sie setzt sich daher für die Anliegen der Betroffenen ein. Sie fordert und fördert die stetige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Sie unterstützt die Forschung und verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse aller den Diabetes berührenden Fachgebiete sowohl zur Verbesserung der medizinischen Betreuung als auch zur bestmöglichen Vorbeugung von Neuerkrankungen.

    Informationen über die Aktivitäten der ÖDG finden sie unter www.oedg.at.

    (Bilder: AdobeStock, privat, AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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