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    Home»Körper & Geist»Diabetes»Prädiabetes – mehr als „nur“ eine Vorstufe zum manifesten Diabetes
    Die Hände einer Person, die an einem Finger eine Blutzuckermessung vornimmt. (c) Pixabay.com

    Prädiabetes – mehr als „nur“ eine Vorstufe zum manifesten Diabetes

    28. Okt. 20204 Mins Lesezeit

    Prädiabetes wird viel zu selten erkannt und noch viel weniger wird dieser wenig bekannten Krankheit gegengesteuert. Die Österreichische Diabetes Gesellschaft [ÖDG] klärt darüber auf, dass bereits ein Prädiabetes Schäden verursachen kann, die als Folgeerkrankungen des manifesten Diabetes bekannt sind. Studien zeigen: Würde der Prädiabetes häufiger diagnostiziert und therapeutisch begleitet, könnten nicht nur viele Diabeteserkrankungen verhindert, sondern auch ein breites Spektrum von Diabetesfolgen vermieden oder vermindert werden.

    Sogar bei Covid-19 zeigt sich, dass bereits ein Prädiabetes gefährlich sein kann. Die Aufnahme des Hba1c-Wertes in die Vorsorgeuntersuchung wäre eine praktikable Möglichkeit, frühzeitig gegenzusteuern.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Unerkannt = unbehandelt
    Eine „Vorstufe“ mit ernsten Folgen
    Prädiabetes ist behandelbar
    Auch Prädiabetes erhöht die Gefahr von schweren Covid-Verläufen
    Gegensteuern kann nur, wer die Gefahr auch [er]kennt

    Unerkannt = unbehandelt

    Die Stoffwechselstörung Prädiabetes ist grundsätzlich durch Insulinresistenz und gestörte Glukosetoleranz gekennzeichnet. Die Körperzellen reagieren bei dieser Störung nicht mehr adäquat auf das im Körper produzierte Insulin. Das führt zu einer Überbelastung der insulinproduzierenden Bauchspeicheldrüse, und zu viel Insulin im Blutkreislauf – was wiederum das metabolische Syndrom verstärkt. Eine Spirale, die, wenn nicht gehandelt wird, sehr oft zu Diabetes führt.

    Univ. Prof.in Dr.in Susanne Kaser, Stv. Direktorin Universitätsklinik für Innere Medizin I der Medizinischen Universität Innsbruck und Präsidentin der ÖDG erklärt: „Sechs Prozent der erwachsenen Bevölkerung haben einen Prädiabetes. Viele davon wissen es nicht und werden erst in ein paar Jahren mit einer manifesten Diabeteserkrankung diagnostiziert. Dabei kann gerade in der Phase des Prädiabetes viel erreicht werden, um Diabetes zu verhindern oder seine Folgen zu verringern.“

    Portrait Assoz. Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Susanne Kaser von der Uniklinik für Innere Medizin I der Med Uni Innsbruck und Präsidentin der ÖDG zum Thema Prädiabetes. 
(c) Wild und Team Salzburg
    Dr.in Susanne Kaser weiß, dass gerade in der Phase der Prädiabetes sehr viel erreicht werden kann. Man muss es „nur“ rechtzeitig erkennen bzw. diagnostizieren.

    Eine „Vorstufe“ mit ernsten Folgen

    Kaser führt aus: „Bereits der Prädiabetes geht mit einem erhöhten kardiovaskulären Risiko einher.[1] Aber auch mikrovaskuläre Erkrankungen, wie vor allem die Neuropathie [Anmerkung: Sammelbegriff für viele Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die keine traumatische Ursache haben], sind schon häufig bei Menschen mit Prädiabetes zu finden.[2] Diese Zuckerstoffwechselstörung schädigt somit die großen und die kleinen Gefäße im ganzen Körper und führt dazu, dass gefürchtete Diabetesfolgen, bereits Jahre vor einer manifesten Diabeteserkrankung, beginnen.“

    Prädiabetes ist behandelbar

    Assoz.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Harald Sourij, Stv. Abteilungsleiter der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie an der Medizinischen Universität Graz und Erster Sekretär der ÖDG, stellt fest: „Prädiabetes ist behandelbar. Die aktuelle Studienlage zeigt klar, dass Prädiabetes durch körperliche Bewegung, Gewichtsreduktion und Medikamente [Therapien, die das Ansprechen auf das körpereigene Insulin erhöhen] verbessert werden kann. Eine frühe Intervention kann das Outcome signifikant verbessern: Einerseits sinkt das Risiko einen manifesten Diabetes zu bekommen. Und andererseits können auch, sollte doch ein Diabetes auftreten, dessen Folgen reduziert werden.“[3]

    Auch Prädiabetes erhöht die Gefahr von schweren Covid-Verläufen

    Sourij berichtet von ersten Ergebnissen des Covid-19-Diabetes Registers der ÖDG, die sich auch mit weiteren Untersuchungen[4] decken: „Im Zusammenhang mit Covid-19 beobachten wir, dass die Prävalenz [Anmerkung: Krankheitshäufigkeit] von Prädiabetes bei kritischen Verläufen hoch ist. Wir sehen aber auch, dass bei Personen, die wegen einer Covid-19 Erkrankung stationär aufgenommen wurden, bei der Sterblichkeit kein Unterschied zwischen jenen mit Prädiabetes und jenen mit einem Typ 2 Diabetes vorliegt. Auch das untermauert die Notwendigkeit der Früherkennung und zu einer aktiven Intervention bei Prädiabetes.“

    Portrait Assoz. Prof. Priv.-Doz Dr. Harald Sourij, Stv. Leiter Klinische Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel, Leiter der Diabetes-Ambulanz, Medizinische Universität Graz und Erster Sekretär der ÖDG.
(c) Sissy Furgler
    Dr. Harald Sourij: „Prädiabetes ist behandelbar.“ – Aber auch er betont, dass es dafür notwendig ist, die Krankheit so früh wie möglich zu erkennen, um aktiv intervenieren zu können.

    Gegensteuern kann nur, wer die Gefahr auch [er]kennt

    Kaser weist darauf hin, dass strukturelle Voraussetzungen nötig sind, um den Zugang zu diesen notwendigen und schützenden Interventionen zu ermöglichen: „Nur wer eine Gefahr kennt, kann bewusst und ernsthaft gegensteuern. Daher müssen so früh wie möglich die Diagnose gestellt und entsprechende Maßnahmen getroffen werden. Eine einfache Intervention in unserem Gesundheitssystem wäre die Aufnahme des Hba1c-Wertes in die Vorsorgeuntersuchung. Diese zentrale Forderung der ÖDG an die gesundheitspolitischen Entscheider könnte dazu beitragen, dass Prädiabetes viel häufiger und vor allem viel früher erkannt und behandelt wird.“

    Österreichische Diabetes Gesellschaft [ÖDG]

    Die Österreichische Diabetes Gesellschaft [ÖDG] ist die ärztlich-wissenschaftliche Fachgesellschaft der österreichischen Diabetes-Experten und Diabetes-Expertinnen. Ordentliche Mitglieder der Gesellschaft sind Ärzte und Ärztinnen und wissenschaftlich einschlägig orientierte Akademiker und Akademikerinnen. Assoziierte Mitglieder sind Diabetesberater und Diabetesberaterinnen und Diätologen und Diätologinnen.

    Die Österreichische Diabetes Gesellschaft sieht es als ihre Aufgabe, die Gesundheit und Lebensqualität von Menschen mit Diabetes mellitus zu verbessern. Sie setzt sich daher für die Anliegen der Betroffenen ein. Sie fordert und fördert die stetige Verbesserung der Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus. Sie unterstützt die Forschung und verbreitet wissenschaftliche Erkenntnisse aller den Diabetes berührenden Fachgebiete sowohl zur Verbesserung der medizinischen Betreuung als auch zur bestmöglichen Vorbeugung von Neuerkrankungen.


    Quellenangaben

    [1] Huang et al. BMJ 2016; Sourij et al. EHJ 2010

    [2] The Maastricht Study, Sörensen et al. Circulation 2016

    [3] Da Qing Diabetes Prevention Study, Guangwei et al. LancetDiabetes Endocrinol 2014
    StopDiabetes, John et al. LancetDiabetes Endocrinol 2018
    DIADEM-I, Shahrad et al. LancetDiabetes Endocrinol 2020

    [4] Klein et al. Crit Care 2020

    (Bilder: Pixabay.com, Wild und Team Salzburg, Sissy Furgler)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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