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    Home»Körper & Geist»Diabetes»Diabetes – regelmäßiges Screening beim Augenarzt•ärztin notwendig
    Eine ältere Frau bei der Untersuchung beim Augenarzt. (c) AdobeStock

    Diabetes – regelmäßiges Screening beim Augenarzt•ärztin notwendig

    11. Dez. 20234 Mins Lesezeit

    Laut Statistik der Weltgesundheitsorganisation WHO beträgt die Diabetes Prävalenz [Häufigkeit des Vorkommens einer Krankheit] weltweit 10,5 Prozent, in Österreich 4,6 Prozent. Diese auf den ersten Blick erfreuliche Tatsache täuscht: weltweit ist die Tendenz [stark] steigend, Österreich ist da nicht ausgenommen. In Europa belaufen sich die jährlichen Behandlungskosten auf fast 20 Prozent des Gesundheitsbudgets. Denn 98 Prozent der Typ 2 Diabetiker•innen haben zumindest eine, 90 Prozent sogar zwei comorbide, also mit der Krankheit einhergehende, chronische Erkrankungen. Im Durchschnitt stirbt global alle fünf Sekunden ein Patient•eine Patientin an den Folgen diabetischer Komplikationen.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Was ist eine diabetische Retinopathie?
    Warum zur Augenärztin bzw. zum Augenarzt?
    Wunsch nach Interdisziplinärer Zusammenarbeit und Diabetiker•innenzentren
    Regelmäßiges Augenscreening


    Was ist eine diabetische Retinopathie?

    Sie beschreibt Veränderungen an den kleinen Gefäßen der Netzhaut, die auch im frühesten Stadium durch die Augenärztin•den Augenarzt in Form von Punktblutungen oder Gefäßwandausbuchtungen [= Mikroaneurysmen] bereits erkennbar sind. An keinem anderen Körperteil ist die Darstellung der Gefäßveränderungen so gut und früh möglich wie am Augenhintergrund.

    Diese minimalen Veränderungen können je nach Stoffwechsellage zum unkontrollierten Wachstum neuer Gefäße fortschreiten, die unbehandelt Einblutungen ins Auge oder eine Abhebung der Netzhaut zur Folge haben. „Erst in diesem fortgeschrittenen Stadium der Gefäßschädigung werden Sehverschlechterungen wahrgenommen, zu einem Zeitpunkt, wo bereits ein zum Teil irreversibler Schaden entstanden ist“, warnt Frau Prim. Priv. Doz. Dr. Katharina Krepler, Präsidentin der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft [ÖOG] und Vorständin der Augenabteilung Klinik Landstraße und Donaustadt in Wien.

    Beim Typ 2 Diabetiker [zirka 90 Prozent der Patientinnen und Patienten] stieg in den letzten Jahren die Zahl an Schäden der Netzhautmitte [= diabetisches Makulaödem] stetig an. Sie wird rasch als Sehverschlechterung oder Verzerrtsehen wahrgenommen. In diesem Fall ist unmittelbar eine Behandlung einzuleiten, um das Sehvermögen zu stabilisieren.

    Die Hände eines Mannes, der seinen Blutzuckerwert misst.(c) AdobeStock
    Diabetikerinnen und Diabetiker sollten nicht nur ihren Blutzucker ständig kontrollieren, sondern auch regelmäßig ihre Augen screenen lassen.

    Warum zur Augenärztin bzw. zum Augenarzt?

    Diabetes ist eine chronische Erkrankung, die das gesamte Gefäßsystem im Organismus betrifft: zuerst die kleinen, später die großen Blutgefäße. Das Auge ist davon nicht ausgenommen. Bei unerkanntem Diabetes, schlechter Einstellung oder mangelndem Zugang zum Gesundheitssystem kann es zur Entstehung einer sogenannten diabetischen Retinopathie kommen. „Das Endstadium ist in der westlichen Welt nach wie vor die häufigste Ursache von Erblindung in der berufstätigen Bevölkerung“, berichtet Frau Priv. Doz. Dr. Ulrike Stolba, Diabetesspezialistin an der Augenabteilung Klinik Landstraße und Mitglied der Netzhautkommission der ÖOG.

    Wunsch nach Interdisziplinärer Zusammenarbeit und Diabetiker•innenzentren

    Untersuchungen zeigen, dass bei Auftreten des ersten Mikroaneurysmas am Augenhintergrund bereits die gleichen Veränderungen an den kleinen Gefäßen der Nieren nachzuweisen sind. Damit stehen Erkrankungen wie Bluthochdruck [Hypertonie] oder diabetische Nephropathie [Erkrankungen der Niere] im Zusammenhang. Obwohl der Zugang zum österreichischen Gesundheitssystem niedrigschwellig ist, hat nur jede dritte Diabetikerin•jeder dritte Diabetiker mit Hypertonie eine ausreichende Therapie und sogar nur jede•r zweite eine regelmäßige Augenkontrolle.

    Zudem erhöht Übergewicht zusätzlich das Risiko, Diabetes Typ 2 zu entwickeln um das zumindest 6-fache. Hier sind Ernährungsberaterinnen und -berater erforderlich. Die Zusammenarbeit der Fachrichtungen darf sich nicht nur auf Allgemeinmediziner•innen und Internist•innen beschränken, auch Neurolog•innen und Dermatolog•innen müssen beigezogen werden. Denn in der Haut und im Nervensystem gibt es die gleichen Gefäßschäden, die zu schlecht heilenden Wunden oder zu Gangunsicherheit bei Polyneuropathie [Schädigung peripherer Nerven wie zum Beispiel Nerven in den Armen und Beinen oder solche, die innere Organe versorgen] führen.

    Sinnvolle Institutionen wären spezielle Zentren für Diabetikerinnen und Diabetiker, an denen all diese Fachärzt•innen vertreten sind. Es erspart den Patientinnen und Patienten oft längere Anreisen zu einzelnen Ordinationen und damit Zeit und Geduld.

    Gerät für das Screening von Augen.(c) AdobeStock
    So eine Gerät beim Augenarzt bzw. bei der Augenärztin sieht vielleicht etwas „wild“ aus, aber keine Angst: als Patient•in muss man nur durchschauen

    Regelmäßiges Augenscreening

    Neben Kontrolle der Blutwerte und des Blutdruckes müssen Augenhintergrunduntersuchungen, wie sie in den Leitlinien der Österreichischen Ophthalmologischen Gesellschaft empfohlen werden, Standard in der Diabetiker•innenbetreuung sein. Das Augenscreening erkennt sehr früh oft reversible Veränderungen, die durch rechtzeitige Therapieanpassung kleine Gefäße in anderen Organen und nicht zuletzt auch die großen Blutgefäße des Herz-Kreislaufsystems präventiv schützen.

    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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