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    Home»Körper & Geist»Hörgesundheit»Diabetes und Hörverlust gehen [leider] sehr oft auch Hand in Hand
    Illustration: Profil zweier Köpfe, einer sendet Schallwellen aus, die beim anderen, der ein überdimensionales Ohr hat, ankommen. (c) Pixabay.com

    Diabetes und Hörverlust gehen [leider] sehr oft auch Hand in Hand

    26. Juni 20194 Mins Lesezeit

    Ein chronisch erhöhter Blutzuckerspiegel, sprich Diabetes, hat nicht nur negative Folgen für Augen, Nieren oder Herz: Auch das Gehör leidet darunter. Daher ist es für Menschen mit Diabetes angeraten, sich regelmäßig einem Hörtest zu unterziehen.

    Denn Hörverlust führt oft dazu, dass sich Menschen zurückziehen, weniger aktiv am sozialen Leben teilhaben und dadurch auch körperlich inaktiver werden. Dies kann wiederum zu Übergewicht führen, das ein Auslöser für Diabetes ist. Wenn das Gehör bereits geschädigt wurde, helfen Hörgeräte oder Hörimplantate, um aus dem Teufelskreis des Rückzugs und der Inaktivität zu entkommen.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Hörverlust trifft oft Menschen mit Diabetes
    Ursachen des Hörverlusts
    Hörverlust führt zu körperlicher Inaktivität
    Hörverlust ist behandelbar

    Hörverlust trifft oft Menschen mit Diabetes

    Hörverlust ist ein verbreitetes Phänomen bei Menschen mit Diabetes: So zeigt eine wissenschaftliche Untersuchung, dass 34,4 Prozent der Probanden mit Diabetes von Hörverlust betroffen sind. Im Vergleich dazu allerdings „nur“ 22,3 Prozent jener ohne Diabetes.[1] Diese Daten stimmen mit jenen aus einer Meta-Analyse überein, wonach Hörverlust 2,1 Mal öfter bei Probanden mit Diabetes auftritt als bei jenen ohne.[2] 

    Auch in longitudinalen Beobachtungen konnte die höhere Inzidenz – die Häufigkeit von Neuerkrankungen – gezeigt werden. Warum die Erkrankung das Gehör schädigt wurde in mehreren Studien untersucht und ist weiterhin Gegenstand der medizinischen Forschung.

    Portrait Univ. Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Univ.-Klinik f. Innere Medizin III, Abtlg. f. Endokrinologie und Stoffwechsel, MedUni Wien und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft (ÖDG). (c) MedUniWien/ Mattern
    Alexandra Kautzky-Willer weiß über die Ursachen des Hörverlusts auch und v.a. bei Menschen mit Diabetes Bescheid.

    Ursachen des Hörverlusts

    Die Stoffwechselerkrankung beeinträchtigt die kleinen Blutgefäße (Mikroangiopathie) in der Hörschnecke, der so genannten Cochlea. Sie wird nicht ausreichend durchblutet und mit Nährstoffen versorgt, was die Hörfähigkeit schwächt. Diabetes führt außerdem zu Schäden der Mitochondrien, den „Energiefabriken“ in den Zellen, und zu Erkrankungen peripherer Nerven. Möglicherweise spielen auch genetische Faktoren bei der Entstehung von Hörverlust bei Diabetes eine Rolle.

    „Wenn wir an Folgeerkrankungen des Diabetes denken, haben wir bei den Sinnesorganen die diabetische Retinopathie im Fokus (Anm.: Netzhauterkrankung), den diabetischen Fuß, Herz- oder Nierenschäden“, erklärt Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer, Stoffwechselexpertin von der MedUni Wien und Präsidentin der Österreichischen Diabetes Gesellschaft. „Doch auch das Gehör kann beeinträchtigt werden, denn genau wie alle anderen Organe reagiert es sensibel auf Veränderungen im System“.

    Hörverlust führt zu körperlicher Inaktivität

    „Die Daten aus den vorliegenden wissenschaftlichen Studien zum Thema ‚Hörverlust und Diabetes‘ zeigen, wie wichtig regelmäßige Hörtests bei Menschen mit Diabetes sind“, sagt Univ.-Prof. Dr. Wolf-Dieter Baumgartner, HNO-Facharzt an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni Wien/ AKH Wien.

    „Wir als Ärztinnen und Ärzte sollten auch bedenken, dass Hörverlust oft zu sozialem Rückzug und Depressionen führt. Beide schränken die körperliche Aktivität ein, die ein essenzieller Bestandteil eines gesunden Lebensstils ist. Diese sind somit Auslöser für viel zu viele nichtübertragbare Krankheiten. Wir sind besonders gefordert, unsere Patientinnen und Patienten über dieses zusätzliche Risiko des Hörverlusts aufzuklären.“

    Kautzky-Willer ergänzt: „Körperliche Aktivität ist sowohl in der Prävention des Diabetes wichtig als auch bei einer bestehenden Diabetesdiagnose eine bedeutende Säule eines erfolgreichen Therapiekonzepts. Jede medizinische Intervention, die Freude an Bewegung wieder ermöglicht, ist auch von Seite der Diabetologie zu begrüßen. Außerdem ist Hörvermögen und Kommunikation für soziale Netzwerke, Schulung und Empowerment wichtig und vermindert Diabetes-Distress.“

    Portrait Univ.-Prof. Dr. Wolf Dieter Baumgartner geschäftsführender Oberarzt an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten der MedUni Wien/ AKH Wien (c) Baumgertner
    Wolf Dieter Baumgartner weist auf die Wichtigkeit von regelmäßigen Hörtests bei Menschen mit Diabetes hin.

    Hörverlust ist behandelbar

    Liegt bereits eine Hörschwäche vor, gibt es mehrere Möglichkeiten, diese auszugleichen: Im Regelfall wird ein Hörgerät angepasst, das den Verlust ausgleichen soll. Doch manchmal reicht es nicht aus, da die Schwerhörigkeit bereits stark fortgeschritten ist. In diesen Fällen lässt sich die Hörfähigkeit mit Hilfe eines Hörimplantats wiederherstellen.

    Das Implantat wird im Rahmen einer ein- bis zweistündigen Operation hinter dem Ohr eingesetzt und sorgt durch elektrische Stimulation des Hörnervs für naturnahes Hören. Die Kosten für die Operation und die Hörimplantate selbst werden in Österreich vom öffentlichen Gesundheitssystem übernommen. Durchgeführt werden die Implantationen an allen Universitäts- und den meisten Landeskliniken.

    Darstellung eines Hörimplantats als Methode gegen Hörverlust. (c) MED-EL
    Bei starker Schwerhörigkeit hilft das Einsetzen eines Hörimplantats, um wieder gut hören zu können.

    Quellennachweis

    [1] Cheng YJ, Gregg EW, Saaddine JB, Imperatore G, Zhang X, Albright AL. Three decade change in the prevalence of hearing impairment and its association with diabetes in the United States. Prev Med. 2009;49(5):360–364.
    [2] C. Horikawa et. al.: Diabetes and Risk of Hearing Impairment in Adults: A Meta-Analysis, J Clin Endocrinol Metab, January 2013, 98(1):51–58

    (Bilder v.o.n.u.: Pixabay.com, MedUniWien/ Mattern, Baumgartner, MED-EL)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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