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    Home»Körper & Geist»Hörgesundheit»Tinnitus – wenn es im Ohr rauscht und pfeift ohne ‚hörbarem‘ Grund
    Das Profil eines älteren Mannes mit Brille. (c) Pixabay.com

    Tinnitus – wenn es im Ohr rauscht und pfeift ohne ‚hörbarem‘ Grund

    23. Feb. 20206 Mins Read

    Menschen, die an Tinnitus leiden, hören ein Geräusch – etwa ein Rauschen, Pfeifen, Summen oder Zischen –, das keine lokalisierbare Quelle hat – also rein objektiv gar nicht existiert. Dieses Geräusch kann ständig oder auch nur zeitweise auf einem oder beiden Ohren da sein. Viele Tinnitus Patient*innen kommen ganz gut damit zurecht, manche leiden jedoch sehr darunter. Lesen sie hier mehr über die Entstehung von Tinnitus, mögliche Ursachen und Therapien.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Geräusche, die es eigentlich gar nicht gibt
    Die zwei Hauptformen des Tinnitus
    Die vier unterschiedlichen Grade des Tinnitus
    Was Ohrgeräusche beeinflussen kann
    Überblick möglicher Erkrankungen, bei denen Tinnitus vorkommen kann
    Tinnitus – mögliche Therapie

    Geräusche, die es eigentlich gar nicht gibt

    Bei Tinnitus, oder auch Ohrensausen oder – noch bezeichnender – Phantomgeräusch genannt, hören Betroffene Geräusche, die es eigentlich gar nicht gibt. Zumindest können diesen Geräuschen keine äußeren Schallquellen zugeordnet werden. Das heißt, nicht Betroffene haben keine Ahnung, wie Tinnitus klingen kann.

    Betroffene berichten meist von hohen Pfeif- und Piepstönen, von Rattern, Zischen, Sausen, Knacken, Klopfen oder Brummen. Die Geräusche treten entweder in bestimmten Abständen immer wieder auf, oder sind für die Betroffenen ständig zu hören. Sie können in ihrer Intensität gleich bleibleibend sein, oder aber auch einen schwankenden oder sogar rhythmisch-pulsierenden Charakter haben.

    Die Erscheinungsformen von Tinnitus sind vielfältig. Die Ohrgeräusche können sowohl ein- als auch beidseitig auftreten, nur vorübergehend bestehen oder auch chronisch werden/ sein.

    Illustration: Kopf einer Frau, der die Ohren zugehalten werden vor Lärm von einem Megaphon. (c) Pixabay.com
    Bei Tinnitus entstehen die Geräusche quasi im Kopf bzw. ist keine dafür verantwortliche Lärmquelle auszumachen.

    Die zwei Hauptformen des Tinnitus

    Tinnitus ist eigentlich keine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr ein Symptom für unterschiedliche Störungen. Zu Beginn stehen oft Schäden und Erkrankungen im Ohr selbst, etwa durch Entzündungen oder starke Lärmeinwirkung. Bei jedem hundertsten Betroffenen ist der Leidensdruck so hoch, dass sich der Tinnitus zu einer Krankheit mit zum Teil tiefgehenden Leiden entwickeln kann.

    Dazu kommen dann meist auch noch weitere Begleiterscheinungen wie beispielsweise eine generelle Geräuschüberempfindlichkeit, Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen, Konzentrationsstörungen, Einschränkung der sozialen Kontakte sowie zeitweiser Verlust des Selbstvertrauens.

    Mediziner unterscheiden grundsätzlich zwei Hauptformen von Tinnitus:

    • Akuter Tinnitus
      Der Krankheitsbeginn liegt weniger als etwa drei Monate zurück. Häufig tritt diese Art von Tinnitus im Zusammenhang mit einer Ohrerkrankung auf und kann chronisch werden.

    • Chronischer Tinnitus
      Die Ohrgeräusche bestehen seit mehr als drei Monaten und können, trotz Behandlung, viele Jahre anhalten. Manche Betroffene kommen mit den andauernden Begleittönen im Alltag ganz gut zurecht. Für andere ist die Belastung jedoch so stark, dass sie nicht nur die Ohrgeräusche als besonders störend empfinden, sondern auch überempfindlich gegenüber Geräuschen werden. In der Folge können sich psychische Probleme einstellen.

    Die vier unterschiedlichen Grade des Tinnitus

    Je nach Belastungsgrad wird der Tinnitus in vier Grade eingeteilt. Dabei spricht man bei Grad I und II von einem kompensierten Tinnitus, der gar nicht [Grad 1] oder nur gelegentlich stört [Grad 2]. Bei Grad III und IV spricht man von dekompensiertem Tinnitus, also einen Tinnitus, der mit einem erheblichen [Grad III] bzw. einem sehr schwergradigen Leidensdruck mit einer psychischen Erkrankung [Grad IV] einhergeht.. 

    • Grad I
      Der Tinnitus belastet den Betroffenen kaum. Trotz der Ohrgeräusche besteht kein Leidensdruck.

    • Grad II
      Betroffene kommen noch ohne größere negative Folgen mit ihrem Alltag zurecht. Der Tinnitus wird in bestimmten Situationen oder bei Stress jedoch als belastend erlebt.

    • Grad III
      Es bestehen dauerhafte Beeinträchtigungen der Lebensqualität sowie der [beruflichen] Leistungsfähigkeit. Störungen im emotionalen, körperlichen und kognitiven Bereich sind zu erwarten.

    • Grad IV
      Völlige Dekompensation: Betroffene sind beruflich wie privat schwer beeinträchtigt, sie sind arbeitsunfähig und Suizid gefährdet.

    Treten akute Ohrgeräusche auf bzw. wenn das ständige Pfeifen, Rauschen oder Summen nach ein bis zwei Tagen nicht verschwunden ist, sollten sie auf jeden Fall ihren Hals-Nasen-Ohrenarzt/ -ärztin aufsuchen. Bei Bedarf werden die Ohren, das Gehör und weitere Organe genauer untersucht.

    INFOBOX
    Zu den wichtigsten körperlichen Erkankungen, die Tinnitus verursachen können, gehören Ohrerkrankungen. Oft ist jedoch kein eindeutiger Auslöser feststellbar. Auch im Falle von Lärmschäden zum Beispiel ist nicht klar, warum es bei der Minderzahl der Betroffenen zu Tinnitus kommt. Letztlich sind für die Entstehung von Tinnitus offenbar komplexe Vernetzungen zwischen Gehör und Gehirn ausschlaggebend.

    Entsprechend dem Schweregrad des Tinnitus ergeben sich unterschiedliche therapeutische Gesichtspunkte.

    Was Ohrgeräusche beeinflussen kann

    Negativ wirken auf jeden Fall Dauerstress und psychische Belastungen, wenn es darum geht, wie laut Betroffene die Ohrgeräusche wahrnehmen. Aber auch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen an der Halswirbelsäule und Störungen der Kiefer-Kaumuskulatur können über bestimmte Nervenverbindungen dazu beitragen, dass ein Tinnitus in seiner Lautheit variieren kann.

    Wichtig
    Hinter einem Tinnitus steckt nur sehr[!] selten eine ernste Erkrankung. Meist lässt sich sogar gar kein expliziter Auslöser finden. Selbst bei einem Tinnitus, der etwa im Zusammenhang mit einem Hörsturz aufgetreten ist, weiß man nicht, was den Ohrgeräuschen wirklich zu Grunde liegt.

    Das Gesicht eines alten Mannes, der sich vor Schmerz mit beiden Händen den Kopf hält, Stichwort Tinnitus. (c) Pixabay.com
    Leidet man an Tinnitus Grad III oder IV, haben Betroffene zum Teil massive Einschränkungen in ihrer Lebensqualität bis hin zu sehr ernst zu nehmenden Suizid-Gedanken.

    Überblick möglicher Erkrankungen, bei denen Tinnitus vorkommen kann

    • Verstopfter Gehörgang – Ohrschmalzpfropf, Fremdkörper im Ohr
    • Gehörgangsentzündung
    • Mittelohrentzündung
    • Erkältung, Nasennebenhöhlenentzündung
    • Lärmeinwirkung, überlaute Musik, Knall- und Explosionstrauma
    • Lärmschwerhörigkeit
    • Altersschwerhörigkeit
    • Hörsturz
    • Gutartiger Tumor am Hörnerv
    • Kopfverletzungen, die Mittel- und Innenohr betreffen
    • Trommelfellverletzungen
    • Sehr niedriger Blutdruck
    • Halswirbelsäule – Schleudertrauma, Muskelverspannungen
    • Fehlbelastung der Kiefer-Kaumuskulatur
    • Medikamente – bestimmte Schmerz- und Rheumamedikamente, Malariamittel, Chemotherapeutika
    • Gefäßverengungen – zum Beispiel bei Arteriosklerose
    • Neurologische Störungen mit spontanen Verkrampfungen von Muskeln im Mittelohr oder Gaumen
    • Dauerstress
    • Belastende Lebensereignisse
    • Depressionen
    • Angststörungen

    Tinnitus – mögliche Therapie

    Zur Therapie bei Tinnitus gibt es noch viel Forschungsbedarf. Die gute Nachricht: Trotzdem können Therapeuten helfen. Die mit dem Tinnitus einhergehenden Störungen lassen sich meist sehr gut gezielt behandeln. Wegen der vielfältigen möglichen Ursachen des Tinnitus kommt allerdings der exakten Diagnose bei Tinnituspatient*innen eine entscheidende Bedeutung zu.

    Generell gilt – egal an welcher Tinnitus Form man leidet: Betroffene sollten sich möglichst wenig Stress und keiner zu starken akustischen Belastung aussetzen. Um sich nicht auf das Ohrgeräusch zu konzentrieren, kann zum Beispiel akustische Ablenkung in Form von leiser rhythmischer Musik genutzt werden – eine gute Möglichkeit, etwaige Einschlafprobleme zu mildern. Generell sollte verhindert werden, dass sich das gesamte Denken und Fühlen immer mehr um die Wahrnehmung des Geräusches dreht, da hierdurch erfahrungsgemäß der Leidensdruck wächst.

    Komplizierter ist es bei chronischem Tinnitus, bei dem keine Erkrankung vorliegt: Um langfristig weniger empfindlich darauf zu reagieren oder sich gar an die Ohrgeräusche zu gewöhnen, können bestimmte erlernbare kognitive Verhaltenstherapien helfen.

    Sowohl bei der akuten als auch bei der chronischen Form ist auch das sogenannte Tinnitus-Counselling unabdingbarer Bestandteil einer Therapie. Dabei handelt es sich im Grunde um eine intensive und individuelle Beratung und Aufklärung des Patienten durch den Arzt/ Ärztin.

    Darüber hinaus gibt es Möglichkeiten einer medikamentösen Behandlung, einer speziellen Sauerstoffherapie [HBO], oder einer sogenannten Tinnitus-Retraining-Therapie [TRT] – diese basiert auf der Erkenntnis, dass körpereigene Geräusche wie etwa das Schlucken vom Gehirn herausgefiltert werden und deshalb nicht wahrnehmbar sind. Diese Filterfunktion funktioniert beim Tinnitus offenbar nicht richtig. Die TRT versucht, die gestörte Filterfunktion wieder herzustellen.

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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