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    Home»Körper & Geist»Im Seniorenheim: Traurig und verzweifelt, aber auch verständnisvoll
    Das Profil des Kopfes einer alten Frau mit Mund-Nasen-Schutzmaske. (c) Pixabay.com

    Im Seniorenheim: Traurig und verzweifelt, aber auch verständnisvoll

    29. Sep. 20204 Mins Read

    Eine aktuelle Studie der FH Münster untersucht, wie Menschen in Seniorenheimen den Corona-Lockdown erlebt haben. Gerade ältere Menschen in stationären Pflegeeinrichtungen waren besonders hart von den Maßnahmen während des Corona-Virus bedingten Lockdowns betroffen. „Die zum Teil rigiden Regelungen bedeuteten für viele Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegehäusern massive Einschränkungen ihrer Persönlichkeitsrechte„, sagt Studienleiter Prof. Dr. Mirko Sporket vom Fachbereich Sozialwesen der FH Münster.

    Wie genau die Seniorinnen und Senioren in Pflegeeinrichtungen diese Lockdown-Zeit erlebt haben, hat der Hochschullehrer für Soziologie mit den Schwerpunkten Altern und Demografie in einer qualitativen Befragung untersucht.

    Portrait Prof. Dr. Mirko Sporket vom Fachbereich Sozialwesen der FH Münster untersucht die Auswirkungen der Pandemie auf Seniorenheime.(c) FH Münster/ Stefanie Gosejohann
    Prof. Dr. Mirko Sporket hat untersucht, wie die Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen den Corona-Lockdown erlebt haben.
    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Persönliche Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Seniorenheimen
    Unterschiedliche Reaktionen im Umgang mit der Situation
    Genau reflektieren, was gut und was schlecht gelaufen ist

    Persönliche Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Seniorenheimen

    „In den Medien hat man immer nur von anekdotischen oder dramatischen Einzelfällen gelesen und gehört, da wollte ich selbst mal genauer hinschauen„, erklärt der Wissenschaftler. Da er die Bewohnerinnen und Bewohner wegen des Besuchsverbots nicht direkt ansprechen konnte, befragte er per Online-Umfrage insgesamt 34 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von vier Einrichtungen der stationären Altenhilfe der St. Elisabeth-Stift gGmbH Sendenhorst. „Unterm Strich zeigt sich ein sehr vielfältiges Bild“, so Sporket. „Als massivstes Problem wurde auf jeden Fall das verhänget Besuchsverbot wahrgenommen. Die Stimmung unter den Seniorinnen und Senioren, die ihre Angehörigen nicht mehr treffen konnten, wurde häufig als traurig, verzweifelt und depressiv beschrieben. Hinzu kommt die Ausgangssperre, die für viele einen Verlust an persönlicher Freiheit und Selbstbestimmung bedeutete.“

    Für stark an Demenz erkrankte Personen scheint sich allerdings die Situation weniger dramatisch dargestellt zu haben als zunächst befürchtet. „Sie wurden teilweise sogar als entspannter beschrieben„, berichtet Sporket. „Das Besuchsverbot hat in diesen Fällen die Angehörigen vermutlich schlimmer getroffen als die an Demenz erkrankten Seniorinnen und Senioren selbst“, so seine Einschätzung. Nach den Aussagen der Befragten habe die Ruhe in den Einrichtungen vielen an Demenz erkrankten Menschen gutgetan.

    Unterschiedliche Reaktionen im Umgang mit der Situation

    Insgesamt sind die Bewohnerinnen und Bewohner sehr unterschiedlich mit der Lockdown-Situation umgegangen. „Die befragten Pflegekräfte schilderten, dass viele kein Verständnis für die verordneten Maßnahmen gezeigt hätten. Viele hätten missmutig und auch gereizt reagiert, während bei anderen wiederum Angst und Sorge dominiert hätten.“ Aber der Großteil der Bewohnerinnen und Bewohner habe grundsätzlich doch Verständnis für die getroffenen Maßnahmen gezeigt, so der Wissenschaftler.

    Einige Fragen seiner Untersuchung bezogen sich auch auf die Arbeitssituation der Befragten. Viele der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fühlten sich während des Lockdowns stärker durch ihre Arbeit belastet als in „normalen“ Zeiten: Kaum Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen, die Sorge vor einer eigenen Ansteckung, die Anpassung an sich [ständig] ändernden Vorgaben, Konflikte mit Angehörigen und das Leid der Bewohnerinnen und Bewohner sind nur einige der genannten Gründe.

    Jedoch gab es auch [ein paar] positive Aspekte: Viele haben eine höhere gesellschaftliche Wertschätzung und einen stärkeren Zusammenhalt im Team wahrgenommen.

    Hände, die alle zusammen in die Mitte gestreckt werden.(c) Pixabay.com
    Eine der [wenigen] positiven Auswirkungen der Corona-Pandemie: Teamgeist und Zusammenhalt wurden gestärkt.

    Genau reflektieren, was gut und was schlecht gelaufen ist

    Als Fazit aus seiner Studie empfiehlt Sporket den Pflegeeinrichtungen, genau zu reflektieren, was während des Lockdowns gut und was schlecht gelaufen ist und was sich daraus ganz allgemein für ihre Arbeit ableiten lässt.

    Der Altersforscher hält die Unterbringung von alten pflegebedürftigen Menschen in großen institutionalisierten Einrichtungen generell für eine „nicht adäquate“ Wohnform. „Wir müssen hin zu kleineren Wohneinheiten für alte Menschen. Und zwar integriert in den Sozialraum mit vorhandener Infrastruktur und erreichbaren Ärztinnen und Ärzten, Einkaufsmöglichkeiten und Kulturangeboten.“ Eine Forderung, die seit langem im Raum stehe, deren Dringlichkeit sich nun aber gerade in der Zeit der Pandemie auf besonderere Weise gezeigt habe.

    Weitere große Herausforderungen, die es gilt, so rasch wie möglich zu meistern, sind eine zu knappe Personalbemessung und schlechte Rahmenbedingungen. Das macht es den Beschäftigen auch trotz aufopfernden Engagements sehr schwer, eine menschenwürdige Betreuung der zu Pflegenden sicherzustellen. Dabei ist es offensichtlich: Das Pflegepersonal tut sein Bestes, aber die Rahmenbedingungen machen ganzheitliche, aktivierende und integrierte Pflege und Betreuung oft schwierig bis unmöglich.

    (Bilder (v.o.n.u.): Pixabay.com, FH Münster/ Stefanie Gosejohann, Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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