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    Home»Körper & Geist»Corona | Covid 19»Pandemie: wenn psychische Belastungen zum Dauerzustand werden
    Eine Frau, die vor Verzweiflung den Kopf auf ihre Knie gesenkt hat, auf einem Bett in einem abgedunkelten Raum sitzend. (c) AdobeStock

    Pandemie: wenn psychische Belastungen zum Dauerzustand werden

    15. Dez. 20219 Mins Lesezeit

    Lockdown, Home-Office, distance learning, Kurzarbeit, Überlastung am Arbeitsplatz, social distancing – die Corona-Pandemie fordert zur Zeit Übermenschliches von uns. Die Folge: Immer mehr Menschen fühlen sich psychisch massiv belastet und stehen am Rande der Verzweiflung. Das führt besonders in Kombination mit der dunklen Jahreszeit nicht unbedingt zu gelassener Routine oder gar besinnlicher Vorweihnachtsfreude. Aber aller Herausforderungen zum Trotz: Einrichtungen wie beispielsweise die Krisenhilfe Oberösterreich sind für die Menschen da.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Die Krise ist jetzt noch einmal das Öl im Feuer
    Steigende Kontaktzahlen in der Krisenhilfe OÖ
    Extrem belastende Arbeitssituation aufgrund der Pandemie
    „Mama, wann wird es denn endlich wieder einmal normal?“
    Corona und Weihnachten
    Krisen-Tipps in der Vorweihnachtszeit
    Wenn der Lockdown zum Seelentief wird
    Was können wir selbst tun?
    Seelenfutter und Nervennahrung – gibt es das?
    Service


    Die Krise ist jetzt noch einmal das Öl im Feuer

    „Hoffnungslosigkeit, wütende Verzweiflung, Ausweglosigkeit und Zukunftsängste – das sind zur Zeit die Hauptgründe, warum sich Menschen an die Krisenhilfe OÖ wenden. Das Ohnmachtsgefühl, die Handlungsunfähigkeit und dass noch immer ‚kein Licht am Ende des Tunnels‘ zu erkennen ist, macht einige unter uns mutlos“, sagt die Leiterin der Krisenhilfe OÖ, Mag.a Sonja Hörmanseder. „Besonders belastet sind jene, die schon vor der Corona-Pandemie psychische Probleme hatten. Die Krise ist jetzt noch einmal das Öl im Feuer. Symptome psychischer Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen verstärken sich, Menschen mit Suchtproblemen kämpfen wieder vermehrt mit Rückfällen und Panikattacken nehmen zu.“

    „In Expert•innen-Kreisen wird davon ausgegangen, dass eine durchschnittliche menschliche Krise rund drei Monate dauert. Alles darüber hinaus ist für den menschlichen Organismus nicht mehr verkraftbar. Wenn man bedenkt, dass wir diesen Zeitrahmen schon mehr als gesprengt haben, ist eine Art Chronifizierung der Belastungen nur eine logische Konsequenz“, sagt MMag. Martin Schmid, Mitarbeiter der Krisenhilfe OÖ.

    „Auch Suizidgedanken können in Krisenzeiten häufiger auftreten. Hier sollte man rasch professionelle Hilfe aufsuchen. Wir wissen noch nicht, wie sich die aktuelle Situation in den tatsächlichen Suiziden niederschlagen wird, 2020 sind die Suizide in Österreich leicht gesunken [vgl. www.meduniwien.ac.at und Statistik Austria]. Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Risikofaktoren für Suizide stark ansteigen: Aus der Forschung weiß man, dass Menschen, die sich selbst nicht als Teil einer wertgeschätzten Gruppe wahrnehmen und sich außerdem als Belastung für die Gesellschaft und andere sehen, dazu tendieren, an Suizid zu denken. Dabei spielt auch die bereits erwähnte Hoffnungslosigkeit eine große Rolle [„Das wird nie wieder anders“] und gerade diese Hoffnungslosigkeit entsteht aufgrund der aktuellen Lage bei vielen Menschen.“

    In Wien haben sich laut dem AKH Wien die Suizidversuche bei Jugendlichen verdoppelt. In Oberösterreich gibt es dazu keine aktuellen Zahlen. Allerdings sollte man diesen „negativen Trend“ auch hier weiterhin gut beobachten.

    Ein Krankenpfleger, der auf einem Sessel sitzend die Hände vor sein Gesicht hält, Stichwort Belastung aufgrund der Pandemie.
(c) AdobeStock
    Die Pandemie bringt sehr viele Menschen an die Belastungsgrenzen.

    Steigende Kontaktzahlen in der Krisenhilfe OÖ

    Es ist normal, sich in einer Ausnahmesituation Hilfe zu holen. Einrichtungen wie die Krisenhilfe OÖ bietet nicht nur rasche Hilfe am Telefon und per Onlinekrisenberatung – die Mitarbeiter•innen kommen auch direkt nach Hause um „Erste Hilfe für die Seele“ zu leisten. Gerade das Mobile Angebot der KaT-Betreuungen [Krisenintervention nach akuter Traumatisierung], das Menschen vor Ort nach potentiell traumatischen Ereignissen unterstützt, wurde in den vergangenen Monaten häufig genutzt.

    Im Gegensatz zum letzten Jahr hat sich die Anzahl der KaT-Einsätze heuer um rund 20 Prozent erhöht. Auch die Dauer der Telefonate hat sich in den letzten Monaten wieder gesteigert, die Nachrichten und Korrespondenzen in der Onlinekrisenberatung werden umfangreicher, die Gesamtzahl der Krisenhilfe OÖ-Kontakte sind annähernd gleich geblieben. „Wir sind in der Krisenhilfe OÖ sehr gut aufgestellt und vernetzt. Das heißt, wir können jenen, die sich an uns wenden, das passende Angebot bieten bzw. falls wir nicht die passende Stelle für das Anliegen sind, nach einer Erstabklärung, andere kompetente Anlaufstellen empfehlen„, sagt Hörmanseder.

    Extrem belastende Arbeitssituation aufgrund der Pandemie

    Vielen Menschen setzt auch die Arbeitssituation zu: FFP2-Masken am Arbeitsplatz, überfüllte Intensivstationen, aggressive Kund•innen im Verkauf, Zusatzbelastungen aufgrund erkrankter Kolleg•innen – all dies macht manche Arbeitssituation derzeit beinahe unerträglich. Wir hören täglich, dass insbesondere Mitarbeiter•innen im Gesundheitsbereich und in pädagogischen Berufsfeldern an der Belastungsgrenze angelangt sind. Das niederschwellige Angebot der Krisenhilfe OÖ ist hier besonders wichtig. Auch Pflegekräfte, Ärzt•innen, Apotheker•innen, Mitarbeiter•innen in den Impfstraßen und Pädagog•innen können sich rund um die Uhr an uns wenden„, informiert Hörmanseder.

    Viele Mitarbeiter•innen leiden unter der steigenden Respektlosigkeit und dem aggressiven Verhalten der Patient•innen und Kund•innen. Aufgestaute Frustrationen werden bedauerlicherweise oftmals an unschuldigen Menschen ausgelassen und erzeugen bei allen Betroffenen negative Gefühle.

    „Mama, wann wird es denn endlich wieder einmal normal?“

    Auch viele Kinder leiden unter den Corona-Einschränkungen. Sie sehnen sich nach Normalität, die Aufgabe der Erwachsenen ist es, ihnen diese so gut wie möglich zu gewährleisten. Hier stoßen Eltern und Pädagog•innen an ihre Grenzen. „Kinder werden oft in Krisenzeiten übersehen, da die Erwachsenen gerade mit anderen Dingen beschäftigt sind. Einer der größten Belastungsfaktoren für Kinder und Jugendliche ist es, dass derzeit vonseiten der Erwachsenen bzw. der Gesellschaft wenig Sicherheit im Umgang mit der Krise vermittelt wird. Es ist sehr traurig, aber bei uns melden sich auch 13-Jährige, weil sie mit der Situation nicht mehr zurechtkommen“, sagt Schmid.

    In einer kürzlich abgehaltenen Konferenz der Sozialversicherungsträger wird dieser „negative Trend“ bestätigt: Die Verabreichung von Antidepressiva ist bei jungen Menschen um 41 Prozent gestiegen.

    Corona und Weihnachten

    „Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen mit Ritualen und Familienbesuchen verbunden. Wir verbinden die Zeit mit einem besinnlichen Idealbild, auch wenn der Stress zu Weihnachten bei manchen steigt. Soziale Einschränkungen sind in dieser Zeit noch belastender. Einsame Menschen fühlen sich in der Weihnachtszeit noch mehr alleine. Und wie schon erwähnt: Die Corona-Krise verschärft die Situation, auch weil die Problematik ganz konkret wird: Wenn der Christkindlmarkt, das Nachbarschaftsfest oder die Weihnachtsfeier in der Pfarre oder in der Arbeit ausfällt, dann haben wir ganz konkrete Dinge, die wir vermissen und um die wir heuer bereits das zweite Mal gebracht werden“, so Schmid.

    Krisen-Tipps in der Vorweihnachtszeit

    Auch wenn jeder Mensch unterschiedliche Bedürfnisse hat und die Corona-Maßnahmen unterschiedlich stark belasten, so ist es wichtig, gerade jetzt auf die psychische Gesundheit zu achten.

    Dazu gibt es sechs einfache Tipps

    • Dosieren sie die Informationsflut.
      Das entstresst.

    • Bewegen sie sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten.
      Spazieren an der frischen Luft, Gymnastik daheim etc. tut Körper und Seele gut.

    • Pflegen sie soziale Kontakte.
      Wenn ein persönliches Treffen nicht möglich ist, steigen sie auf Telefon oder Videotelefonie um. Planen sie soziale Kontakte täglich in ihren Alltag ein. Nutzen sie auch Hotlines und Plaudertelefone.

    • Strukturieren sie ihren Tag.
      Gerade im Homeoffice, in Quarantäne und in der Kurzarbeit sind strukturierte Abläufe und fixe Rituale wichtig.

    • Akzeptieren sie Dinge, die sie nicht ändern können.
      Das spart Energie und schont die Nerven.

    • Nehmen sie sich Auszeiten.
      Ein Buch lesen, ein Hobby [re]aktivieren, ein wohltuendes Bad nehmen, einen guten Film ansehen und dabei einen Tee trinken – nehmen sie sich bewusst diese Zeit für sich.

    Wenn der Lockdown zum Seelentief wird

    Während manche Menschen relativ gut mit dem Thema Corona und daraus resultierenden Maßnahmen klarkommen, führen sie bei anderen zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen – und das nicht nur physisch. Besonders Personen, die ohnehin bereits zu Stimmungsschwankungen oder womöglich einer Depression neigen, landen in Zeiten von Corona schnell in einer Art Teufelskreis. Der strukturierte Alltag ist dahin, Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing führen nun gezwungenermaßen zum Rückzug, zu Stille und in Folge zu noch mehr Grübeln, Sorgen, Zukunftsängsten und Einsamkeit, als es ohnehin schon der Fall ist.

    Eine im Oktober 2021 von „The Lancet Psychiatry“ veröffentlichte weltweite Studie zu Depression und Panikattacken im Zusammenhang mit Corona belegt, dass die Nachrichten über tägliche Anstiege der Fallzahlen und die sozialen Einschränkungen mit einer erhöhten Häufigkeit schwerer depressiver Störungen in Verbindung gebracht werden können. Demnach wurde im Jahr 2020, also dem ersten Jahr der Pandemie, bei Depressionen weltweit ein Anstieg von knapp 28 Prozent, bei Panikattacken um ca. 27 Prozent verzeichnet.

    Die Hände einer Psychiaterin, die Stift und Notizzettel hält, dahinter unscharf eine Frau, die sich vor Verzweiflung die Hand an die Stirn hält.
(c) AdobeStock
    Depressive Störungen und Depressionen sind auf keinen Fall auf die leichte Schulter zu nehmen. Holen sie sich im Fall des Falles unbedingt Rat und Hilfe!

    Was können wir selbst tun?

    Man möchte meinen, dass es meist „nur“ äußere Faktoren sind, die uns depressiv, unglücklich oder schlecht gelaunt machen und an denen wir arbeiten sollten. „Weit gefehlt!“, sagt Wolfgang Friess, Geschäftsführer der Plattform für Nahrungsergänzung und gesunde Ernährung famvital.com. „Natürlich sind Dinge wie viel Bewegung, Zeit im Freien und bestimmte Rituale enorm wichtig für das psychische Wohlbefinden. Aber auch unser Nährstoffhaushalt, sprich die täglichen Ernährungsgewohnheiten haben einen sehr großen und leider oft unterschätzten Einfluss auf die Seele!“

    Der Experte für gesunde Ernährung und Nahrungsergänzung weiß, wie viel an dem Sprichwort „Du bist, was du isst“ dran ist. „Unser Körper benötigt Vitamine & Co. nicht nur, um die physische Gesundheit aufrecht zu erhalten. Bestimmte Nährstoffe braucht er auch, um etwa auch den Hormonhaushalt ausgleichen zu können, der großen Einfluss auf das psychische Wohlbefinden hat.“

    Seelenfutter und Nervennahrung – gibt es das?

    Die Antwort lautet eher „Jein“ – eine ausgewogene Ernährung beinhaltet durchaus ein paar kleine Helden wie zum Beispiel B-Vitamine, die sich positiv auf Nerven und Energie auswirken können. Geht es aber um die Stimmungslage, sticht besonders der Botenstoff Serotonin hervor, mit dessen Hilfe der Körper sogar noch andere Prozesse wie die Verdauung, das Herz-Kreislauf-System und obendrein die Sexualfunktion steuert. Das berühmte „Glückshormon“ muss tagtäglich vom Gehirn selbst produziert werden. Dafür verantwortlich sind unter anderem die Aminosäuren L-Tryptophan und L-Tyrosin, welche über die Ernährung aufgenommen werden. Diese sollte dafür aber eiweißarm sein und großteils aus pflanzlicher Rohkost bestehen, was in einem durchschnittlichen Alltag wohl eher selten der Fall ist.

    „Einer der Hauptgründe, warum die Unterstützung auch unserer seelischen Gesundheit in Form von Nahrungsergänzungsmitteln, welche die Serotonin-Produktion anregen, nicht unterschätzt werden sollte“, so Friess weiter. Er bringt es sogar noch direkter auf den Punkt: „Selbst Menschen, die gut informiert wie auch motiviert auf ihre Ernährung achten möchten, macht es unsere moderne Welt, die meist von Schnelligkeit, Druck und Stress dominiert wird, schwer dies kontinuierlich wirklich umzusetzen.“

    Friess betont ganz klar, dass eine echte Depression selbstverständlich nicht allein nur auf diese Grundlagen zurückgeführt werden kann und immer ärztlich behandelt werden sollte. Zusammenfassend kann er aber sagen, „dass bestimmte Nährstoffe für unser Seelenleben essenziell sind. Möglichen Mangelerscheinungen können wir mit der Unterstützung durch Nahrungsergänzung entgegenwirken.“

    Service

    Wenn sie das Gefühl haben, mit der Pandemie bedingten Situation nicht mehr zurecht zu kommen, scheuen sie nicht davor zurück, sich Hilfe zu suchen! Wir haben HIER für sie einen Überblick über diverse Hotlines und Beratungsmöglichkeiten zusammengestellt.

    #GemeinsamSchaffenWirDas

    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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