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    Home»Freizeit & Reise»Internet & Technik»KI in der Medizin: Neuer Ansatz für effizientere Diagnostik
    Illustration: der Zeigefinger einer Roboterhand berührt selbigen einer menschlichen Hand. (c) AdobeStock

    KI in der Medizin: Neuer Ansatz für effizientere Diagnostik

    19. Nov. 20244 Mins Lesezeit

    KI in der Medizin wird bereits in sehr vielen Bereichen eingesetzt und hat großes Potenzial, Ärztinnen und Ärzte zum Beispiel bei der Diagnose von Krankheiten anhand von Bildgebungsdaten zu unterstützen. KI-Modelle müssen allerdings mit zahlreichen Beispielen trainiert werden, die in der Regel nur für häufige Krankheiten in ausreichender Menge verfügbar sind. „Das wäre so, als wenn ein Hausarzt nur Husten, Schnupfen und Heiserkeit diagnostizieren müsste“, sagt Professor Frederick Klauschen, Direktor des Pathologischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Die eigentliche Herausforderung ist, auch die selteneren Erkrankungen mit Hilfe von KI zu erkennen. Diese übersehen die aktuellen KI-Modelle nämlich noch häufig oder klassifizieren sie falsch.“

    Gemeinsam mit der Arbeitsgruppe von Professor Klaus-Robert Müller von der Technischen Universität Berlin/ BIFOLD und Kolleginnen und Kollegen der Charité – Universitätsmedizin Berlin hat Klauschen nun einen neuartigen Ansatz entwickelt, der diese Einschränkung überwindet: Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin New England Journal of Medicine AI [NEJM AI] berichten, benötigt ihr neues Modell nur Trainingsdaten von häufigen Befunden, um auch die weniger häufigen Krankheiten zuverlässig zu identifizieren. Das kann die diagnostische Sicherheit verbessern und Pathologinnen und Pathologen zukünftig deutlich entlasten.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Aus der Normalität lernen
    KI-Tool erkennt Anomalien mit sehr hoher Zuverlässigkeit
    Deutliche Entlastung bei der Diagnosestellung
    KI in der Medizin: Gekommen, um zu bleiben
    Publikation


    Aus der Normalität lernen

    Der neue Ansatz setzt auf Anomalie-Detektion: Aus der sehr genauen Charakterisierung von normalem Gewebe und Befunden häufiger Erkrankungen lernt dabei das KI-Modell, Abweichungen davon zu erkennen und anzuzeigen, ohne dass es für diese selteneren Fälle spezifisch trainiert werden muss. Für ihre Studie sammelten die Forscherinnen und Forscher zwei große Datensätze mikroskopischer Bilder von Gewebeschnitten aus gastrointestinalen Biopsien mit den zugehörigen Diagnosen. Darin machen die zehn häufigsten Befunde – dazu gehören unter anderem „normale“ Befunde und sehr häufige Krankheiten wie chronische Gastritis – etwa 90 Prozent der Fälle aus, während die verbleibenden zehn Prozent insgesamt 56 Krankheitsbilder enthielten, darunter viele Krebsarten.

    Eine Ärztin mit einem Tablett beim Anschauen von Röntgenbildern, Stichwort KI in der Medizin.(c) AdobeStock
    KI-Tools werden immer mehr auch im medizinischen Bereich eingesetzt.

    KI-Tool erkennt Anomalien mit sehr hoher Zuverlässigkeit

    Für das Training und die Evaluation ihres Modells verwendeten die Forschenden insgesamt 17 Millionen histologische Bilder aus 5.423 Fällen. „Wir haben verschiedene technische Ansätze verglichen und unser bestes Modell hat ein breites Spektrum an selteneren Pathologien von Magen und Darm, einschließlich seltener primärer oder metastasierender Krebsarten, mit sehr hoher Zuverlässigkeit als solche erkannt. Das kann unseres Wissens bis dato kein anderes veröffentlichtes KI-Tool“, sagt Müller. Mithilfe sogenannter Heatmaps kann zudem sehr übersichtlich farblich dargestellt werden, an welcher Stelle des Gewebeschnitts etwaige Anomalien vorliegen.

    Deutliche Entlastung bei der Diagnosestellung

    Indem es „normale“ Befunde und häufig auftretende Krankheiten als solche identifiziert und auf entsprechende Anomalien hinweist, könnte das neue KI-Modell, das zukünftig laufend weiter verbessert werden soll, Medizinerinnen und Mediziner entscheidend unterstützen. Zwar müssen alle Befunde letztlich durch Pathologinnen und Pathologen bestätigt werden, aber: „Ärztinnen und Ärzte könnten sich nun sehr viel Zeit sparen, weil normale Befunde und ein gewisser Anteil der Erkrankungen bereits entsprechend durch die KI diagnostiziert werden können. Das trifft auf etwa ein Viertel bis ein Drittel der Fälle zu“, informiert Klauschen. „Und bei den restlichen Fällen kann die KI zumindest die Priorisierung erheblich erleichtern und – im worst case – übersehene Diagnosen reduzieren. Das wäre ein Riesenfortschritt.“

    KI in der Medizin: Gekommen, um zu bleiben

    Abschließend lässt sich sagen, dass der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin ein enormes Potenzial birgt, die gesamte Gesundheitsversorgung zu revolutionieren. Von präziseren Diagnosen und personalisierten Therapien bis hin zur Optimierung administrativer Prozesse – KI bietet vielfältige Möglichkeiten, um die Qualität und Effizienz im Gesundheitswesen zu steigern. Gleichzeitig gilt es jedoch, ethische Fragen, Datenschutz und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen Technologie und medizinischem Fachwissen zu berücksichtigen. Nur durch einen verantwortungsvollen und durchdachten Einsatz können die Vorteile der KI in der Medizin voll ausgeschöpft und das Vertrauen der Gesellschaft gestärkt werden.

    Eine Ärztin in einem Labor bei der Arbeit mit einem Mikroskop; daneben ein Roboter.(c) AdobeStock
    Es ist nur eine Frage der Zeit, wann Roboter beispielsweise auch Laborarbeiten übernehmen.

    Publikation

    Die Studie „J. Dippel & N. Prenißl et al.: AI-based Anomaly Detection for Clinical-Grade Histopathological Diagnostics. NEJM AI 2024“ können sie HIER [in Englischer Sprache] nachlesen und als Pdf downloaden.

    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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