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    Home»Körper & Geist»Herzklappenfehler: unterschätztes Risiko einer häufigen Erkrankung
    Illustration: ein digitales 3D-Modell eines Herzens auf der Handfläche eines Arztes. (c) Adobe Stock

    Herzklappenfehler: unterschätztes Risiko einer häufigen Erkrankung

    28. Juli 20215 Mins Lesezeit

    Das Auftreten eines Herzklappenfehlers wurde bisher bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzschwäche unterschätzt und selten behandelt. Das zeigt eine Studie, die an der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II von AKH Wien und MedUni Wien durchgeführt und im Top-Journal British Medical Journal [BMJ] veröffentlicht wurde. Die Mitralklappeninsuffizienz wurde bisher häufig als Voranschreiten der Herzschwäche, aber nicht als eigene, behandelbare Erkrankung interpretiert.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Herzklappenfehler haben eine deutliche Reduktion der Lebenserwartung zur Folge
    Mitralklappeninsuffizienz häufiger als bisher angenommen
    Neue Therapieoptionen ermöglichen Behandlung von Risiko-Patient•innen
    Herzklappenerkrankungen werden mit zunehmendem Alter häufiger
    Service: The British Medical Journal [BMJ]


    Herzklappenfehler haben eine deutliche Reduktion der Lebenserwartung zur Folge

    Die Mitralklappeninsuffizienz ist ein Herzfehler, bei dem die Herzklappe zwischen der linken Vorkammer und der linken Hauptkammer undicht ist. Bei jedem Herzschlag kommt es zum Rückfluss von Blut. Typische Symptome einer Mitralklappeninsuffizienz sind ein zunehmender Leistungsabfall, vermehrte Atemnot bei körperlicher Belastung und Wassereinlagerungen in der Lunge und in den Beinen. Oft steht die Mitralklappeninsuffizienz auch mit Herzrhythmusstörungen wie dem Vorhofflimmern in Zusammenhang. Die Erkrankung hat eine deutliche Reduktion der Lebenserwartung und häufige Spitalseinweisungen zur Folge.

    Besonders gefährlich und besonders häufig ist die Erkrankung bei Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Herzschwäche. Das zeigen die aktuellen Studienergebnisse einer Arbeitsgruppe um Philipp Bartko und Georg Goliasch von der Klinischen Abteilung für Kardiologie der Universitätsklinik für Innere Medizin II. Die Arbeitsgruppe wertete Daten von über 13.000 Patient•innen aus, die die Kriterien für eine Herzinsuffizienz erfüllen und bei denen zwischen 2010 und 2020 ein Herz-Ultraschall an der Klinischen Abteilung für Kardiologie von AKH Wien und MedUni Wien durchgeführt wurde. Mittels Herz-Ultraschall kann die Mitralklappeninsuffizienz gut und einfach erkannt werden. Die Arbeitsgruppe stellte einen Zusammenhang zwischen der Patientensterblichkeit und der Mitralklappeninsuffizienz fest.

    Ein Monitor mit Vitalfunktionen in einem Krankenhaus.(c) Adobe Stock
    Im AKH Wien wurden gemeinsam mit der MedUni Wien Herzklappenfehler genauer unter die Lupe genommen.

    Mitralklappeninsuffizienz häufiger als bisher angenommen

    „Bisher wurde die Mitralklappeninsuffizienz häufig als Voranschreiten der Herzschwäche, nicht als eigene, behandelbare Erkrankung interpretiert. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Mitralklappeninsuffizienz bei Patient•innen mit chronischer Herzschwäche viel häufiger als bisher angenommen auftritt, und dass sich diese besonders ungünstig auf die Langzeitprognose der Patient•innen auswirkt“, so Georg Goliasch.

    Die Studienergebnisse wurden im Top-Journal British Medical Journal veröffentlicht und geben den Anstoß, neue Wege in der Diagnose und Therapie zu gehen.

    „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Mitralklappeninsuffizienz auch bei Patientinnen und Patienten mit chronischer Herzschwäche nicht als vorangeschrittene Herzschwäche, sondern als eigene Erkrankung interpretiert und behandelt werden sollte“, so Philipp Bartko.

    Neue Therapieoptionen ermöglichen Behandlung von Risiko-Patient•innen

    Dass die Mitralklappeninsuffizienz bei Patient•innen mit chronischer Herzschwäche bisher selten als eigene Erkrankung behandelt wurde, hängt mit den Therapieoptionen zusammen. „Bis vor wenigen Jahren war die einzige Behandlungsmöglichkeit einer Mitralklappeninsuffizienz die offene Herzoperation. Bei diesem Verfahren wird der Brustkorb geöffnet und die Patient•innen werden an eine Herz-Lungenmaschen angeschlossen. Für Patientinnen und Patienten mit einer chronischen Herzschwäche ist das Risiko eines derartigen Eingriffs erhöht“, so Bartko.

    In den vergangenen Jahren ist die Erkrankung an der Herzklappe verstärkt in den Fokus gerückt. Neue schonende Therapiemöglichkeiten wurden entwickelt, die auch jenen Patient•innen eine Behandlung ermöglichen, deren Herzklappenerkrankung zuvor nicht oder nur mit erhöhtem Risiko behandelbar war. Die so genannten Katheter gestützten Verfahren können mit einem sehr niedrigen Risiko durchgeführt werden. Bei den minimalinvasiven Eingriffen wird die Herzklappe über ein Leistengefäß repariert und die Patient•innen können meist bereits am Folgetag wieder nach Hause entlassen werden.

    Herzklappenerkrankungen werden mit zunehmendem Alter häufiger

    Die Studienergebnisse der Arbeitsgruppe weisen darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, an einem Herzklappenfehler zu erkranken, mit zunehmendem Alter steigt. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung der Allgemeinbevölkerung geht Goliasch daher auch von einer Zunahme der Erkrankung in naher Zukunft aus. Am gemeinsamen Standort von AKH Wien und MedUni Wien sei man auf diese Herausforderungen vorbereitet: „Wir können nicht nur die Mitralklappe minimalinvasiv versorgen, sondern auch die meisten anderen Herzklappenundichtigkeiten und Verengungen wie die Aortenstenose oder Trikuspidalinsuffizienz und defekte Klappenprothesen minimalinvasiv ersetzen.“

    Für die Eingriffe steht seit einigen Jahren ein hochmoderner Hybrid-Operationssaal zur Verfügung, der gemeinschaftlich von der Klinischen Abteilung für Kardiologie und der Universitätsklinik für Herzchirurgie und in enger Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik für Anästhesie, Allgemeine Intensivmedizin und Schmerztherapie und der Klinischen Abteilung für Gefäßchirurgie sowie der Klinischen Abteilung für Kardiovaskuläre und Interventionelle Radiologie betrieben wird.

    Eine Operation in einem OP, Stichwort Herzklappenfehler.(c) Pixabay.com
    Ein hochmoderner Hybrid-Operationssaal ermöglicht die Zusammenarbeit unterschiedlicher Abteilungen [Symbolbild].

    Service: The British Medical Journal [BMJ]

    Burden, Treatment Utilisation and Outcome in Secondary Mitral Regurgitation – an observational cohort study across the spectrum of heart failure. Bartko, Philipp; Heitzinger, Gregor; Pavo, Noemi; Heitzinger, Maria; Spinka, Georg; Prausmueller, Suriya; Arfsten, Henrike; Andreas, Martin; Gabler, Cornelia; Strunk, Guido; Mascherbauer, Julia; Hengstenberg, Christian; Huelsmann, Martin;
    Goliasch, Georg. DOI: https://doi.org/10.1136/bmj.n1421

    Medizinische Universität Wien – Kurzprofil

    Die Medizinische Universität Wien [kurz: MedUni Wien] ist eine der traditionsreichsten medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten Europas. Mit rund 8.000 Studierenden ist sie heute die größte medizinische Ausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum. Mit 5.500 Mitarbeiter•innen, 30 Universitätskliniken und zwei klinischen Instituten, 12 medizintheoretischen Zentren und zahlreichen hochspezialisierten Laboratorien zählt sie auch zu den bedeutendsten Spitzenforschungsinstitutionen Europas im biomedizinischen Bereich.

    AKH Wien – Kurzprofil

    Im Universitätsklinikum AKH Wien des Wiener Gesundheitsverbundes werden jährlich rund 80.000 Patientinnen und Patienten stationär betreut. Die Ambulanzen und Spezialambulanzen des AKH Wien werden zusätzlich etwa 1,2 Mio. Mal frequentiert. Gemeinsam mit den Ärztinnen und Ärzten der MedUni Wien stehen für die Betreuung unserer Patient•innen rund 3.000 Krankenpflegepersonen, über 1.000 Angehörige der medizinischen, therapeutischen und diagnostischen Gesundheitsberufe und viele weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der verschiedensten Berufsgruppen zur Verfügung.

    (Bilder: Adobe Stock (2x), Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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