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    Home»Pflege & Betreuung»AK Studie zeigt, wie das so ist mit den Pflegeversicherungen
    (c) Pixabay.com

    AK Studie zeigt, wie das so ist mit den Pflegeversicherungen

    31. Juli 20185 Mins Lesezeit

    Der Markt für private Pflegeversicherungen ist klein. Die Produkte sind ähnlich, die Prämien sind teuer und stark gestiegen. Und: Sie können im Fall der Pflegebedürftigkeit anfallende Kosten, zum Beispiel die einer 24-Stunden-Betreuung, kaum abdecken. Das zeigt eine Studie des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) im Auftrag der Arbeiterkammer (AK).

     

    Kleiner Markt, (fast) einheitliche Angebote
    Ein Taschenrechner auf Euro-Münzen und Scheinen, Stichwort Pflegeversicherung. (c) Pixabay.com
    Klein, überschaubar, ähnliche  Angebote: der Markt für private Pflegeversicherungen in AT.

    Der Markt für private Pflegeversicherungen in Österreich ist überschaubar. Derzeit teilen sich gerade mal sechs Anbieter den Markt: Allianz, Donau Versicherung, Nürnberger, S-Versicherung, Uniqa und Wiener Städtische.

    Die Versicherer bieten ähnlich ausgestaltete Pflegeversicherungstarife an, die sich meistens – außer Nürnberger Versicherung – bei der Leistung (monatliche Auszahlung im Pflegefall) an den gesetzlichen Pflegegeldstufen orientieren. Beim gesetzlichen Pflegegeld gibt es sieben Pflegestufen, die sich am Pflegebedarf in Stunden pro Monat ausrichten. Eine private Pflegversicherung leistet fixe Zahlungen pro Pflegestufe (je höher die Stufe, desto höher die Leistung). Das entspricht von der Tendenz her einer Verdoppelung des gesetzlichen Pflegegeldes. ZB beträgt das gesetzliche Pflegegeld in der Stufe 5 derzeit 920,30 Euro. Die Leistungen der Pflegeversicherer betragen – je nach Versicherer – zwischen 920,30 und 1.000 Euro.

    Wissenswertes, um vor Überraschungen gefeit zu sein

    Erstens: eine Pflegeversicherung ist eine Risikoversicherung
    Tritt der Leistungsfall der Pflegebedürftigkeit nicht ein, dann ist die Prämie „weg“ – es gibt keine Kapitalauszahlung wie etwa bei einer kapitalbildenden Lebensversicherung. Das kann bei kapitalbildenden Spar- und Veranlagungsprodukten (etwa Sparbuch) nicht passieren – das Angesparte bleibt erhalten.

    Zweitens: etliche Tarife zahlen erst ab Pflegestufe 3 oder höher
    Das heißt im Umkehrschluss, dass es in der Pflegestufe 1 und 2 also kein Geld von der Versicherung gibt, sollte ein derartiger Pflegefall eintreten. Die Statistik zeigt, dass rund zwei Drittel der gesetzlichen Pflegegeldbezieher in Stufe 1, 2 oder 3 eingestuft sind.

    Dazu ein Beispiel zur Illustration, was von einer privaten Pflegversicherung zu erwarten ist: Eine 40-jährige Frau schließt eine Pflegeversicherung ab. Sie zahlt eine Monatsprämie von 67,95 Euro. Im Alter von 75 Jahren tritt die Pflegebedürftigkeit nach Pflegestufe 2 ein. Sie erhält nach dem Bundespflegegeldgesetz 290 Euro pro Monat. Hingegen erfolgt von der Versicherung keine Leistung. Das bedeutet, dass die Versicherungsnehmerin bis zum Eintritt der Pflegebedürftigkeit in Summe 28.539 Euro (35 Jahre bzw. 420 Monate zu je 67,95 Euro Monatsprämie) einbezahlt hat – in den Pflegestufen 1 und 2 jedoch aufgrund vertraglicher Vereinbarung leer ausgeht.

    Drittens: die anfallenden Pflegekosten pro Monat können kaum oder gar nicht abgedeckt werden
    Beispiel: Die Kosten für 24-Stunden-Betreuung betragen etwa 2.400 Euro. In der Pflegestufe 4 beträgt das gesetzliche Pflegegeld 677,60 Euro. Dieses gesetzliche Pflegegeld kann die 2.400 Euro nicht abdecken – es entsteht eine Lücke von 1.722,30 Euro. Die private Pflegeversicherung kann diese Finanzierungslücke allerdings auch nicht zur Gänze schließen. Denn die Leistung der Versicherung in Pflegestufe 4 beträgt 700 Euro: sie verringert lediglich die Lücke auf 1.022,30 Euro.

    Ab wann rentiert sich nun eine private Pflegeversicherung?
    (c) Pixabay.com
    Private Pflegeversicherungen sind teuer und weisen etlichen Leistungslücken auf.

    Zum einen, wenn die Pflegversicherung für eine volle Deckung der monatlich anfallenden Pflegekosten sorgt. Aber dafür müssten Konsumenten tief in die Tasche greifen. Sprich, sie müssten eine sehr hohe Versicherungsprämie – einige hundert Euro pro Monat – zahlen, um sich eine volle Kostendeckung für zB eine 24-Stunden-Betreuung zu erkaufen. Und eine Versicherung zahlt sich auch dann aus, wenn die Leistungen aus der Versicherung die Prämienzahlungen übersteigen.

    Die 40-jährige Versicherungsnehmerin, der bis zum 75 Lebensjahr bzw. zum Eintritt der Pflegebedürftigkeit (Pflegestufe 4) eine Prämiensumme von 28.539 Euro (siehe oben) einbezahlt hat, erhält eine monatliche Versicherungsleistung von 700 Euro. Das heißt, dass nach rund 41 Bezugsmonaten – Prämiensumme von 28.539 Euro dividiert durch 700 Euro pro Monat – die Versicherungsleistungen die Prämienzahlungen übersteigen. Unter diesem Aspekt rentiert sich die private Pflegeversicherung – nach 35-jähriger Prämienzahlungsdauer (420 Monate) und Bezug der Versicherungsleistung (700 Euro/ Monat) ab dem 75. Lebensjahr –, wenn die Versicherungsnehmerin 78,4 Jahre alt ist.

    Überdies haben sich die Prämien für Pflegeversicherungen erheblich verteuert. Ein neu abgeschlossener Pflegeversicherungsvertrag für eine/n 40-jährige/n Frau/Mann kostet im Vergleich zu 2014 im Schnitt um 57 Prozent mehr – bei keiner oder eher geringer Leistungssteigerung. Fazit: Private Pflegeversicherungen sind teuer und weisen etlichen Leistungslücken auf.

    Vergleichsrechnungen anstellen

    Bei den Tarifen an sich gibt es Allerlei zu beachten. Ist eine Pflegeversicherung einmal abgeschlossen, ist ein Ausstieg nicht empfehlenswert. Private Pflegeversicherungen sind Verträge auf unbestimmte Laufzeit. Eine Kündigung oder ein Wechsel in ein anderes Pflegeversicherungsprodukt ist nicht rentabel. Die Prämie ist verloren, es gibt keine Kapitalauszahlung. Der neue Versicherer rechnet mit einem neuen, höheren Einstiegsalter, was die Prämie verteuert.

    Drei Tipps der AK Konsumentenschützer

    Teure Prämien
    Private Pflegeversicherungen sind teuer. Eine 50-jährige Person zahlt je nach Versicherer zwischen rund 49 und 108 Euro pro Monat. Die Leistung entfällt bei allen Versicherern in Pflegestufe 1 und 2 – erst ab Pflegestufe 3 (Ausnahme Uniqa: erst ab Stufe 4) gibt es eine monatliche Leistung zwischen rund 452 und 700 Euro. Machen Sie eine Vergleichsrechnung: Was zahlen Sie an Prämie ein, wieviel können Sie – ab einem bestimmten Bezugsalter an Versicherungsleistungen in den diversen Pflegegeldstufen erwarten? Spielen Sie verschiedene Szenarien durch!

    Nach Alternativen umschauen
    Erkundigen Sie sich nach Alternativen zur Pflegeversicherung, bei der es bei allen Anbietern ein Höchstabschlussalter gibt (65 bis 75 Jahre). Möglich sind Pflege-Bauspardarlehen (auf Zinsen, Spesen achten) sowie sichere Spar-formen, die einen Vorteil zur privaten Pflegeversicherung haben. Tritt der Pflegefall nicht ein, bleibt das Ersparte erhalten. Das ist bei einer privaten Pflegeversicherung nicht der Fall.

    Vergleiche anstellen
    Es gibt unterschiedliche Tarifvarianten – von der Einstufung über Leistungsvarianten, regelmäßige oder einmalige Einzahlungen bis hin zu Nachversicherungsgarantien gibt es unterschiedliche Tarife und Modelle für unterschiedliche Bedürfnisse.

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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