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    Home»Pflege & Betreuung»Caritas Plaudernetz-Zwischenbilanz: gegen Einsamkeit und Isolation
    Eine Frau mit FFP2-Maske schaut auf ihr Smartphone. (c) AdobeStock

    Caritas Plaudernetz-Zwischenbilanz: gegen Einsamkeit und Isolation

    17. Jan. 20224 Mins Lesezeit

    Der dritte Montag im Jänner, der sogenannte „Blue Monday„, ist angeblich der traurigste Tag im Jahr. Ein Tag, an dem die Stimmung – Plaudernetz hin oder her – unseren Tiefpunkt erreicht haben soll. „Fakt ist: Wir registrieren derzeit eine Zunahme von Anfragen von Menschen, die in Not geraten sind. Neu ist, wie viele Menschen mit psychischen Problemen und Krankheiten zu kämpfen haben. Mit dem vierten Lockdown haben wir in unseren Sozialberatungsstellen einen deutlichen Anstieg der Anfragen verzeichnet. Verlorene Tagesstrukturen, Einsamkeit, zusammengebrochene Pläne und eine unsichere Zukunft machen den Menschen schwer zu schaffen“, berichtet Klaus Schwertner Gf. Caritasdirektor der Erzdiözese Wien.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Zivilisationskrankheit Einsamkeit
    Seit dem ersten Lockdown bereits mehr als 21.000 Plaudernezt-Gespräche
    3.500 Freiwillige helfen rasch und flexibel
    Service


    Zivilisationskrankheit Einsamkeit

    Die Caritas macht deshalb einmal mehr auf das drängende Thema Einsamkeit aufmerksam. „Einsamkeit war bereits vor der Krise eine Zivilisationskrankheit in westlichen Gesellschaften und durch Corona nimmt Einsamkeit weiter zu. Das sehen wir beim Plaudernetz: Mit den steigenden Infektionszahlen steigt auch die Zahl der Anrufe. Viele Menschen haben niemanden, dem sie ihre Sorgen anvertrauen können. Mit Plaudernetz wollen wir hier einen wesentlichen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten.“

    Schwertner appelliert auch an die Bundesregierung, das Thema rasch auf die Agenda zu nehmen: „Auf unsere Forderung nach einem ‚Pakt gegen die Einsamkeit‘ folgten bislang nur Worte. Ein gemeinsamer Runder Tisch im September 2020 im Bundeskanzleramt war ein wichtiges Signal, aber nicht mehr. Konkrete Maßnahmen müssen folgen. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Einsamkeit das Risiko für chronischen Stress, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Depressionen, Demenz und frühen Tod erhöht. Andere Länder gehen hier voran – in England wird etwa das Konzept des ‚social prescribing‘ pilotiert, bei dem eine Schnittstelle zwischen Hausärzt•innen und sozialer Arbeit geschaffen wird. Und auch die Ampel-Koalition in Deutschland hat einen Nationalen Präventionsplan gegen Einsamkeit im Regierungsübereinkommen festgeschrieben.“

    Klaus Schwertner zum Caritas Plaudernetz.(c) Caritas/ Marcus Deák
    Klaus Schwertner berichtet von einem deutlichen Anstieg der Anfragen in den Sozialberatungsstellen seit Beginn der Corona-Pandemie.

    Seit dem ersten Lockdown bereits mehr als 21.000 Plaudernezt-Gespräche

    Allein in Österreich gab es bereits vor der Corona-Krise rund 372.000 Menschen, die niemanden für persönliche Gespräche in ihrem Umfeld hatten. Die Zahl der Single-Haushalte hat sich in den vergangenen dreißig Jahren fast verdoppelt. „Gerade in den vergangenen beiden Jahren wurde deutlich: Einsamkeit trifft viele Menschen, unabhängig von Alter, sozialem Hintergrund und Einkommen.“

    Die Caritas startete daher gemeinsam mit der Kronen Zeitung und Magenta im ersten Lockdown das Plaudernetz. Das Prinzip ist einfach: Menschen, die niemanden zum Reden haben, telefonieren unter der Nummer 05 1776 100 mit Freiwilligen, die gerne zuhören. Seit Projektstart im April 2020 wurden inzwischen mehr als 21.000 Gespräche geführt. Täglich werden bis zu 100 Gespräche zwischen 12 und 20 Uhr entgegengenommen. Im Schnitt dauern die Telefonate eine halbe Stunde. 3.500 Plauderpartner•innen engagieren sich ehrenamtlich österreichweit beim Plaudernetz.

    Dabei ist das Plaudernetz keine Krisen- oder Expert•innenhotline, sondern ein „reines“ Plauderangebot für die kleinen und großen Gespräche, die den Menschen oft so fehlen. Projektkoordinatorin Petra Fasching: „Das Plaudernetz bringt seit Beginn der Corona-Krise Menschen zusammen, die sich noch nie davor gesehen oder gesprochen haben. Sie können miteinander plaudern, ihre Sorgen und Ängste teilen und sich mit jemandem verbunden fühlen. Oft hilft ein einfaches Telefonat schon enorm.“

    3.500 Freiwillige helfen rasch und flexibel

    Die Anrufer•innen kommen aus ganz Österreich und sind zu einem großen Teil über 40 Jahre alt. Rund ein Viertel findet über andere telefonische Beratungsangebote wie die Telefonseelsorge zu Plaudernetz. Anrufer•innen schätzen besonders, dass sie so schnell und unkompliziert mit anderen Menschen in Kontakt kommen können, dass die Gespräche auf Augenhöhe stattfinden, und dass sie Menschen außerhalb ihrer eigenen Lebenswelt kennenlernen. Die freiwilligen Plauderpartner•innen sind durchschnittlich Mitte 50.

    Dass der Bedarf an Begegnungsmöglichkeiten und Austausch während der Corona-Krise deutlich gestiegen ist, zeigt die große Nachfrage bei zahlreichen Initiativen der Caritas, etwa bei Begegnungsorten wie den pfarrlichen Wärmestuben. „Mitmenschlichkeit darf nicht in den Lockdown gehen! Schauen wir gerade jetzt aufeinander. Und dabei vor allem auf jene, die es besonders schwer haben. Wir werden die Krise nur gemeinsam überwinden. Wer den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken will, muss die Einsamkeit bekämpfen“, appelliert Schwertner.

    Eine Frau, die in ihr Smartphone tippt.(c) AdobeStock
    Einsamkeit darf auf keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden. Niederschwellige Angebote wie das Plaudernetz sind für Betroffene eine große Hilfe!

    Service

    Das Plaudernetz der Caritas können sie täglich von 12 bis 20 Uhr zum üblichen Ortstarif österreichweit unter der Telefonnummer 05-1776-100.

    Weitere Informationen finden sie auch im Interent auf www.plaudernetz.at.

    (Bilder: AdobeStock, Caritas/ Marcus Deák, AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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