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    Home»Kunterbunt»Keine Angst vor Fernbeziehungen – diese sind besser als ihr Ruf
    Grafik: zwei Personen, die aus einem Monitor schauen und sich Herzen zuwerfen. (c) AdobeStock

    Keine Angst vor Fernbeziehungen – diese sind besser als ihr Ruf

    7. Feb. 20238 Mins Lesezeit

    Durch die Online-Partnersuche können heute Menschen zusammenkommen, die sich früher aufgrund der Entfernung zwischen ihnen niemals kennengelernt hätten. Ist es aber ratsam, sich auf eine Fernbeziehung einzulassen? Guido Gebauer, Psychologe bei der Dating-Plattform Gleichklang und Autor des Dating-Ratgebers „A Perfect Match?“ beantwortet diese Frage mit einem klaren »Ja«, denn Fernbeziehungen sind auf jeden Fall besser als ihr Ruf.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Studien zeigen keine Unterschiede
    Gleichklang- Auswertung
    Nachteile und Vorteile
    Positiver Umgang mit Fernbeziehungen
    Empfehlungen für die Partnersuche
    Details zur Untersuchung
    Sich ändernde Rahmenbedingungen


    Studien zeigen keine Unterschiede

    Psychologische Studien zeigen keine Unterschiede zwischen Fernbeziehungen und Nahbeziehungen im Hinblick auf Vertrautheit, Bindung, Qualität der Kommunikation, Beziehungszufriedenheit, sexueller Zufriedenheit und der Häufigkeit außerpartnerschaftlicher Sexualkontakte. Fernbeziehungen führen also keineswegs besonders oft zum Fremdgehen. Auch die psychische Belastung unterscheidet sich nach der psychologischen Studienlage nicht zwischen Fern- und Nahbeziehungen. Es ist daher ein Vorurteil, dass Menschen in Fernbeziehungen besonders oft unglücklich wären.

    Gleichklang- Auswertung

    Zu dem gleichen Ergebnis gelangte Gebauer in einer Auswertung der Daten einer Stichprobe von Personen, die über Gleichklang eine Partnerschaft gefunden hatten. In der Auswertung zeigte sich, dass die Beziehungszufriedenheit gleich hoch war bei Paaren, die als Fernbeziehung oder als Nahbeziehung starteten. Auch die Trennungswahrscheinlichkeit unterschied sich nicht zwischen Fern- und Nahbeziehungen.

    Nicht nur die anfängliche Distanz zwischen den Paaren spielte keine Rolle für die Beziehungszufriedenheit, sondern auch die räumliche Entfernung zum Befragungszeitpunkt war mit der Beziehungszufriedenheit nicht korreliert. Gebauer schließt hieraus, dass Beziehungen, die als Fernbeziehungen oder Nahbeziehungen beginnen die gleichen Chancen für eine positive Beziehungsqualität haben. Auch im weiteren Verlauf einer Partnerschaft ist es für die Beziehungsqualität unwesentlich, ob Partnerinnen und Partner zusammenziehen oder getrennt voneinander leben.

    Ein älterer Mann mit Bart und Brille sitzt in einem Sessel und winkt in seinen Laptop, Stichwort Fernbeziehung.(c) AdobeStock
    Die Tatsache, dass man in einer Beziehung räumlich voneinander getrennt lebt hat keine Auswirkung auf die Qualität.

    Nachteile und Vorteile

    Gebauer rät partnersuchenden Singles, ihre Angst vor einer Fernbeziehung aufzugeben. Sicherlich haben Fernbeziehungen Nachteile, aber sie haben definitiv auch Vorteile. Und umgekehrt haben Nahbeziehungen nicht nur Vorteile, sondern auch den einen oder anderen Nachteil. Im Durchschnitt gleichen sich Vorteile und Nachteile aus, so dass Fernbeziehungen weder „unterlegen“ noch „überlegen“ seien:

    Richtig ist, dass in Fernbeziehungen die gemeinsame Alltagsroutine fehlt. Partner•innen sind nicht immer physisch präsent. Viele soziale Unternehmungen müssen ohne Partner•innen stattfinden. Sexualität mit physischer Präsenz ist nur bei Besuchen möglich. Einsamkeit kann auftreten und Partner•innen können schmerzlich vermisst werden. Die notwendigen Fahrtwege können als belastend erlebt werden. Schwierig kann eine Fernbeziehung auch für ängstlich-klammernde oder zu Eifersucht neigende Menschen werden.

    Aber diese Nachteile sind nicht absolut und es stehen ihnen auch einige Vorteile gegenüber:

    Die fehlende Alltagsroutine kann durchaus auch als entlastend erlebt werden. „Ist es wirklich so wertvoll, sich zu ärgern, weil Partner•innen nicht abgewaschen oder das Handtuch verlegt haben?“, fragt Gebauer. Negative, eintönige oder unwichtige Routinen prägen eine Fernbeziehung weniger. Begegnungen bleiben etwas Besonderes. Die selteneren Treffen können die sexuelle Leidenschaft sogar befeuern und erhalten. Sex und gemeinsame Nächte bleiben aufregend, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten von Erotik über Telefon und Video-Chat. Mithilfe solcher Kommunikationsmittel ist auch wieder ein gemeinsamer Alltag möglich. Partner•innen können sich mit Rat und Tat zur Seite stehen und sich gleichzeitig leichter Freiräume geben. Vermissen kann die Intensität der Gefühle füreinander erhöhen.

    Für Personen mit ängstlichem Bindungsstil oder Neigung zur Eifersucht ist eine Fernbeziehung allerdings schwierig, andererseits können sie so lernen, ihre Ängste zu überwinden und Eifersucht loszulassen. Außerdem gibt es Menschen, die sich sehr lieben, aber im Alltag zu konträr sind, dass sie in einer Fernbeziehung besser klarkommen. Gerade für Personen mit hohem Unabhängigkeits-Bedürfnis kann eine Fernbeziehung besonders attraktiv sein. Letztlich, so Gebauer, hänge der Erfolg einer Beziehung davon ab, was wir für unsere Beziehungen täten. Arbeiten Paare an ihrer Kommunikation und gemeinsamen Zielen können sie in jeder Beziehungsform glücklich werden.

    Ein weiterer wichtiger Faktor ist die richtige Partnerwahl.

    Für die Partnerfindung ist vor allem entscheidend, wie Partnerinnen und Partner mit ihren Werten, Persönlichkeiten, Wünschen, Sehnsüchten miteinander klarkommen.

    Positiver Umgang mit Fernbeziehungen

    Was können Paare tun, um in einer Fernbeziehung glücklich zu werden? Von entscheidender Bedeutung ist es nach Gebauer, dass die Partner•innen eine gemeinsame Zukunft planen und sich emotionale Unterstützung und Ermutigung geben.

    Eine unterstützende Funktion kommt auch modernen Kommunikations-Technologien zu. Texting [via SMS oder Messengerdiensten wie zum Beispiel WhatsApp] ermöglicht es Partner•innen, sich in konstanter Verbindung miteinander zu befinden. Virtuelle Begegnungen per Video sind hilfreich, um das Miteinander aufrechtzuerhalten und zu stärken.

    Wichtig für einen positiven Umgang mit einer Fernbeziehung sind aber auch eine sinnerfüllte eigene Alltagsstruktur und die Aktivierung freundschaftlicher und verwandtschaftlicher Kontakte, die der Beziehung positiv gegenüber stehen. Gelingt es Paaren, ihre Fernbeziehung als Herausforderung anzunehmen, kann eine Beziehung sogar an der Entfernung wachsen.

    Empfehlungen für die Partnersuche

    Für die Partnersuche empfiehlt Gebauer, die Suche ganz auf den Menschen an sich auszurichten und »Ja« zu sagen, wenn die Werthaltungen, Beziehungsvorstellungen, Lebensprinzipien passen und eine wechselseitige Zuneigung und Liebe besteht – ganz egal, wie groß die räumliche Entfernung zwischen einander ist.

    Berichten aber nicht viele Menschen von negativen Erfahrungen mit Fernbeziehungen?

    Dies ist zwar der Fall, ist jedoch in vielen Fällen eine kognitive Verzerrung. Schließlich machen Menschen ebenfalls negative Erfahrungen mit Nahbeziehungen. Der einzige Unterschied ist, dass wir bei Fernbeziehungen dazu neigen, es auf die Fernbeziehung zu schieben, während wir bei Nahbeziehungen nach anderen Ursachen suchen.

    Wie können sich Menschen kennenlernen, wenn sie weit entfernt voneinander sind?

    Tatsächlich machen genau dies jeden Tag sehr viele Menschen. Das Geheimnis besteht darin, sich textbasiert über die eigene Person, Werte, Beziehungsvorstellungen, Wünsche, Stärken und Schwächen auszutauschen, zu telefonieren oder sich Video basiert zu begegnen und hieran bei den ersten möglichen Offline-Begegnungen anzuknüpfen.

    Eine Frau mit einem Laptop auf einer Couch.(c) AdobeStock
    Mit Hilfe der digitalen Technologien kann man jederzeit und überall Nähe schaffen.

    Details zur Untersuchung

    In die Auswertung gingen die Angaben von 404 Personen ein, die über Gleichklang eine Partnerschaft gefunden hatten. Unter den Teilnehmenden waren 231 Frauen, 171 Männer und zwei nicht-binäre Personen im Alter von 21 vis 90 Jahre. Das Durchschnittsalter betrug 48 Jahre.

    Die Beziehungszufriedenheit wurde auf einer sechsstufigen Skala von sehr unzufrieden und unglücklich bis hin zu sehr zufrieden und glücklich erfasst. Ebenfalls wurde erfragt, ob eine Beziehung fortbestand oder sich bereits wieder aufgelöst hatte.

    Die Partnerschaften bestanden zum Befragungszeitpunkt zwischen minimal drei Monaten bis zu maximal sieben Jahren. Die durchschnittliche Beziehungsdauer betrug ein Jahr.

    Die durchschnittliche räumliche Distanz zwischen den Paaren betrug zu Anfang 221 Kilometer. 20 Prozent der Paare hatten sich im sozialen Nahraum von maximal 30 Kilometer Entfernung kennengelernt. 27 Prozent der Paare lebten anfangs mehr als 30 Kilometer, aber maximal 100 Kilometer auseinander. Bei 34 Prozent der Paare betrug die anfängliche Distanz zwischen ihnen mehr als 100 Kilometer bis maximal 300 Kilometer auseinander. 11 Prozent der Paare wiesen beim Kennenlernen eine Kilometer-Distanz von mehr als 300 Kilometer bis maximal 500 Kilometer auf. Bei 8 Prozent der Paare betrug die anfängliche Distanz mehr als 500 Kilometer bis hin zu maximal 11.000 Kilometer.

    Die durchschnittliche Zufriedenheit in den fünf anfänglichen Entfernungs-Gruppen war sehr ähnlich und schwankte zwischen minimal 4,59 [Entfernung bis 30 Kilometer] bis maximal 4,71 [Entfernung mehr als 300 bis maximal 500 Kilometer].

    Es wurde weiters mithilfe einer Korrelationsanalyse untersucht, ob sich die anfängliche Entfernung auf die aktuelle Beziehungszufriedenheit auswirkte. Es zeigte sich eine lediglich triviale Korrelation, die nicht signifikant von Null abwich. Dies bedeutet, dass sich minimale Unterschiede zwischen den Entfernungs-Gruppen in der Zufriedenheit durch den Zufall erklären lassen.

    Sich ändernde Rahmenbedingungen

    Im Verlauf der Beziehungen blieb die Distanz zwischen den Partner•innen aufgrund von Umzügen nicht immer unverändert. Manche Paare zogen zusammen oder in die Nähe zueinander, andere entfernten sich räumlich weiter voneinander.

    Die durchschnittliche räumliche Distanz zwischen den Paaren betrug zum Zeitpunkt der Befragung 198 Kilometer. Zum Befragungszeitraum lebten weiterhin 20 Prozent der Paare im sozialen Nahraum von maximal 30 Kilometer Entfernung. 24 Prozent der Paare lebten in mehr als 30 Kilometer, aber maximal 100 Kilometer Distanz zueinander. Bei 35 Prozent der Paare betrug die aktuelle Distanz zwischen ihnen mehr als 100 Kilometer bis maximal 300 Kilometer auseinander. 13 Prozent der Paare wiesen eine aktuelle Kilometer-Distanz von mehr als 300 Kilometer bis maximal 500 Kilometer auf. Bei 8 Prozent der Paare betrug die aktuelle Distanz mehr als 500 Kilometer bis hin zu maximal 1.200 Kilometer.

    Die durchschnittliche Zufriedenheit in den fünf aktuellen Entfernungs-Gruppen war erneut sehr ähnlich und schwankte zwischen minimal 4,52 [Entfernung bis 30 Kilometer] bis maximal 4,95 [Entfernung mehr als 300 bis maximal 500 Kilometer]. Es zeigte sich eine sehr geringe positive Korrelation zwischen aktueller Entfernung und Zufriedenheit, die aber nicht signifikant von Null abwich.

    Ebenfalls wurde die Trennungswahrscheinlichkeit in Abhängigkeit von der anfänglichen räumlichen
    Entfernung zwischen den Partner•innen untersucht
    . Hierzu wurden die Trennungsraten zwischen den fünf unterschiedlichen Anfangs-Distanzen verglichen. Diese Trennungsraten schwankten zwischen minimal 3,4 Prozent [Distanz größer 500 km] bis maximal 17 Prozent [mehr als 30 km bis maximal 100 km]. Die Korrelation zwischen der initialen Entfernung und der Trennung erreichte einen lediglich trivialen Wert, der statistisch nicht signifikant von Null abwich. Die initiale räumliche Entfernung übte also keinen Einfluss darauf aus, ob Paare sich trennten oder zusammenblieben.

    (AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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