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    Home»Kunterbunt»Monogam, offene Beziehung, Fremdgehen: was verbindet, was trennt
    Die Köpfe eines älteren Paares, das gemeinsam lacht. (c) AdobeStock

    Monogam, offene Beziehung, Fremdgehen: was verbindet, was trennt

    6. Sep. 20218 Mins Lesezeit

    Eine Untersuchung der Kennenlernplattform Gleichklang hat sich der Frage gewidmet, ob und wenn ja, welchen, Einfluss Vereinbarungen zur Gestaltung partnerschaftlicher Sexualität und die resultierende Praxis auf das Trennungsrisiko haben. Das Ergebnis zeigt, dass Fremdgehen ein starker Risikofaktor für eine partnerschaftliche Trennung ist. Demgegenüber ist das Trennungsrisiko in nicht-monogamen offenen Beziehungen und in monogamen Beziehungen, wo die Vereinbarung zur sexuellen Treue eingehalten wird, gering. Verzicht auf Sex beeinflusst die Trennungswahrscheinlichkeit nicht. Aber lesen sie selbst ;)

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Hintergrund und Fragestellung
    Exkurs: Begriffsdefinition
    Hauptergebnisse der Untersuchung
    Schlussfolgerungen
    Psychologische Empfehlungen
    Was aber kann getan werden, wenn Fremdgehen bereits stattgefunden hat?


    Hintergrund und Fragestellung

    Gleichklang befragte 400 Mitglieder, die über die Plattform eine Partnerschaft gefunden hatten. Die Befragung wurde online durchgeführt und vom Psychologen Guido F. Gebauer ausgewertet. Unter den Befragten befanden sich 151 Männer, 247 Frauen und 2 non-binäre Personen. Das durchschnittliche Alter der Befragten betrug 50,2 Jahre und schwankte zwischen minimal 23 Jahren bis maximal 75 Jahren.

    Bei 330 Befragten [82,5 Prozent] bestand die Beziehung fort, während es bei 70 Befragten [17,5 Prozent] zu einer Trennung gekommen war. Bei denjenigen, wo die Beziehung zum Umfragezeitpunkt weiterhin bestand, dauerte die Beziehung im Durchschnitt 27 Monate an. Bei den Beziehungen, die sich aufgelöst hatten, betrug die durchschnittliche Beziehungsdauer bis zur Trennung knapp zwei Jahre [22 Monate].

    Untersucht wurden Monogamie, konsensuelle Nicht-Monogamie [offene Beziehungen], Fremdgehen und der komplette Verzicht auf Sexualität. Die Fragestellung der Untersuchung lautete, wie sich Monogamie, konsensuelle Nicht-Monogamie, Fremdgehen und Verzicht auf Sex auf die Trennungswahrscheinlichkeit auswirken. Zur Beantwortung dieser Fragestellung wurde die Häufigkeit dieser vier verschiedenen Konstellationen zwischen fortbestehenden und zwischenzeitlich aufgelösten Beziehungen verglichen.

    Die Hände einer Frau, die ihren Ring vom Finger zieht, Stichwort Monogamie.(c) AdobeStock
    Gleichklang ist der Frage nachgegangen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Art der Beziehung und der Trennungswahrscheinlichkeit gibt.

    Exkurs: Begriffsdefinition

    • Monogamie
      Bei einer monogamen Beziehung wird sexuelle Treue zwischen Beziehungspartnern vereinbart und eingehalten. Sexuelle Kontakte zu anderen Personen sind nicht erlaubt. Es handelt sich hier um das traditionelle Modell der Zweier-Beziehung mit sexueller Treue.

    • Konsensuelle Nicht-Monogamie [offene Beziehungen]
      Bei konsensueller Nicht-Monogamie sind sexuelle Kontakte zu anderen Personen erlaubt. Es gibt verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten von konsensueller Nicht-Monogamie, je nach dem, ob sexuelle Kontakte mit anderen Personen zusammen als Paar oder getrennt voneinander stattfinden. Eine Differenzierung zwischen den verschiedenen Varianten der konsensuellen Nicht-Monogamie war in dieser Untersuchung nicht möglich, da diese zu selten auftraten. Die verschiedenen Varianten der konsensuellen Nicht-Monogamie wurden daher in eine Kategorie zusammengefasst.

    • Fremdgehen
      Von Fremdgehen wird gesprochen, wenn eine Vereinbarung zur Monogamie besteht, aber Beziehungspartner diese Vereinbarung brechen. Fremdgehen kann in Beziehungen von einer Person oder von beiden Personen ausgehen. Diese verschiedenen Möglichkeiten wurden wegen der geringen Fallanzahl aus statistischen Gründen in die eine Kategorie „Fremdgehen“ zusammengefasst.

    • Kein Sex
      In diesen Beziehungen fand kein Sex statt, weder zwischen den Beziehungspartner•innen noch mit anderen Personen. Ursache hierfür können Asexualität, sexuelle Funktionsstörungen oder eine geringes sexuelles Interesse der Beziehungspartner•innen aneinander sein, wobei aber Kontakte zu anderen Personen nicht gewünscht sind. Wegen der statistischen Seltenheit fand keine weitergehende Differenzierung statt, sondern die verschiedenen Möglichkeiten wurden in die eine Kategorie der Beziehungen ohne Sex zusammengefasst.

    Hauptergebnisse der Untersuchung

    Die Annahmen im Vorfeld der Untersuchung waren, dass der Bruch einer Vereinbarung zur sexuellen Treue und/ oder der Verzicht auf Sexualität mit einer erhöhten Trennungshäufigkeit verbunden sein würden, während sich Vereinbarungen zur sexuellen Treue oder zur Nicht-Monogamie nicht auf die Trennungshäufigkeit auswirken würden.

    Vereinbarte Monogamie

    Bei 285 von 330 Befragten [86,4 Prozent] mit fortbestehenden Beziehungen gaben die Befragten an, dass Monogamie vereinbart worden sei. Bei den getrennten Beziehungen war diese Vereinbarung bei 59 von 70 Beziehungen [84,3 Prozent] getroffen worden. Wurden diejenigen einbezogen, die keinen Sex in der Beziehung, aber auch keinen Sex mit anderen hatten, stieg die Anzahl derjenigen mit vereinbarter Monogamie auf 300 [90,9 Prozent] bei den fortbestehenden Beziehungen und auf 64 [91,4 Prozent] bei den getrennten Beziehungen.

    Konsensuelle Nicht-Monogamie

    30 von 330 Befragten [9,1 Prozent] in einer fortbestehenden Beziehung gaben an, dass die Beziehung eine offene Beziehung sei, wo vereinbarungsgemäß auch Sex mit anderen Personen außerhalb der Beziehung stattfinde. Bei den getrennten Beziehungen war dies bei 6 von 70 Befragten [8,6 Prozent] der Fall.

    Kein Sex

    In den fortbestehenden Beziehungen gaben 15 von 330 Befragten an [4,5 Prozent], dass es in ihrer Beziehung keinen Sex gebe, aber auch keine sexuellen Kontakte zu anderen Personen stattfänden. Bei den getrennten Beziehungen wurde diese Angabe von 5 von 70 Befragten [7,1 Prozent] getätigt.

    Fremdgehen

    Vier von 330 Befragten [1,2 Prozent] in einer fortbestehenden Beziehung berichteten von Fremdgehen in ihrer Beziehung durch sie selbst, den Beziehungspartner oder beide. Bei den getrennten Beziehungen gaben demgegenüber 10 von 70 Befragten [14,3 Prozent] Fremdgehen an.

    Trennungsraten im Vergleich

    Dies sind die absteigend sortierten direkten Trennungsraten für die unterschiedlichen Konstellationen:

    • Nicht eingehaltene Monogamie [Fremdgehen]: 71,42 Prozent

    • Kein Sex: 25 Prozent

    • Konsensuelle Nicht-Monogamie [offene Beziehung]: 16,66 Prozent

    • Eingehaltene Monogamie: 14,84 Prozent

    Die Trennungsrate bei Fremdgehen war signifikant höher als die Trennungsraten aller anderen Konstellationen. Statistisch signifikante Unterschiede zwischen den anderen Konstellationen gab es nicht.

    Schlussfolgerungen

    Fremdgehen trat in den getrennten Beziehungen mehr als 10-fach häufiger auf als in den fortbestehenden Beziehungen. Die Trennungsrate bei vorliegendem Fremdgehen betrug 71,42 Prozent und war damit mehr als 4 mal höher als die Trennungsrate bei eingehaltener Monogamie oder bei einer offenen Beziehung.

    Die Untersuchung zeigt damit, dass Fremdgehen der entscheidende Risikofaktor für eine Trennung ist.

    Die Untersuchungsbefunde zeigen ebenfalls, dass die große Mehrheit der Befragten mit ihren Beziehungspartner•innen das traditionelle Modell der Zweierbeziehung mit sexueller Treue vereinbart hatte. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass dieses Modell der vereinbarten Monogamie gut funktionieren kann, wenn es eingehalten wird. Wurde sexuelle Treue eingehalten, ergab sich eine Trennungsrate von lediglich 14,84 Prozent, die statistisch vergleichbar war mit der Trennungsrate von 16,66 Prozent bei offenen Beziehungen.

    Vereinbarte Monogamie ist damit weder ein Schutzfaktor noch ein Risikofaktor für eine Trennung, wenn sie eingehalten wird. Wird vereinbarte Monogamie aber nicht eingehalten, wird sie zum Risikofaktor und führt zu einer drastischen Erhöhung der Trennungswahrscheinlichkeit.

    Die Ergebnisse der Untersuchung belegen zudem, dass auch die offene Beziehung ein tragfähiges Beziehungsmodell ist: Wenn Paare vereinbarten, dass sexuelle Kontakte zu anderen Personen außerhalb der Beziehung erlaubt waren, verminderte dies nicht die Stabilität ihrer partnerschaftlichen Beziehung. Mögliche Befürchtungen, dass sich offene Beziehungen durch den Einfluss Dritter destabilisierend auf den Fortbestand von Beziehungen auswirken könnten, wurden in dieser Untersuchung nicht bestätigt. Vereinbarte Monogamie und konsensuelle Nicht-Monogamie zeigten sich vielmehr als zwei alternative Beziehungsmodelle, die beide in gleichem Ausmaß zu einer stabilen Beziehung führen können.

    Der komplette Verzicht auf Sex ging in dieser Untersuchung tendenziell mit einer häufigeren Trennung von Paaren einher. Allerdings war dieser Effekt nur moderat ausgeprägt und verfehlte die statistische Signifikanz. Verzicht auf Sex ließ sich letztlich nicht als Risikofaktor für eine reduzierte Beziehungsstabilität identifizieren.

    Ein älteres Paar, das im Bett hüpft.(c) AdobeStock
    Egal, wie und mit wem sie Spaß im Bett haben, es sollte auf jeden Fall vorab festgelegt und besprochen sein.

    Psychologische Empfehlungen

    Psychologe Gebauer fasst die Ergebnisse dahingehend zusammen, dass die Nicht-Einhaltung vereinbarter sexueller Treue ein starker Risikofaktor für das Scheitern einer partnerschaftlichen Beziehung sei. Leider lasse sich beobachten, dass selbst Personen, die eine Neigung zum Fremdgehen haben, sich immer wieder monogame Beziehungen suchten, die nachfolgend oft erneut scheiterten. Die große Anzahl an Ehen so mancher Prominenter sei hierfür ein besonders gut sichtbares Beispiel.

    Dies sei eine unnötige Entwicklung, weil mit der konsensuellen Nicht-Monogamie ein alternatives Beziehungsmodell zur Verfügung stehe, welches für diese Personen wesentlich aussichtsreicher sei. Personen, die aufgrund ihrer vorherigen Beziehungserfahrungen und ihrer sexuellen Neigungen von vornherein wüssten, dass sie nicht in der Lage oder nicht bereit seien, sich an eine Vereinbarung zur sexuellen Treue in einer Beziehung tatsächlich dauerhaft zu halten, sei daher zu empfehlen, künftig keine Vereinbarung mehr zur Monogamie zu treffen.

    Die Funktion nicht-monogamer Beziehungsmodelle liege allerdings nicht nur in der Beseitigung des Fremdgehens als Vertrauensbruch, sondern auch in der stärkeren Bereitstellung von Möglichkeiten zur Befriedigung sexueller Erlebensbedürfnisse, die insbesondere im Verlauf der Jahre bei monogamen Beziehungen nicht selten unerfüllt blieben. Es sei daher sinnvoll, sich möglichst noch vor Partnerwahl und Beziehungaufbau mit der Thematik auseinandersetzten und das Beziehungsmodell zu wählen, welches den eigenen Verhaltensgewohnheiten und Erlebensbedürfnissen am besten entspreche.

    Was aber kann getan werden, wenn Fremdgehen bereits stattgefunden hat?

    Selbst wenn Fremdgehen in einer Beziehung bereits eingetreten sei, bestehe die Möglichkeit zu einem offenen Gespräch der Beziehungspartner untereinander, um gegebenenfalls von einer Beziehung mit nicht eingehaltener Monogamie zu einer sexuell offenen Beziehung zu wechseln. Dies sei insbesondere dann zu raten, wenn deutlich werde, dass ein dauerhafter Verzicht auf sexuelle Kontakte außerhalb der Beziehung unwahrscheinlich oder unerwünscht sei und es stattdessen beiden Seiten gelinge, sich auf das Modell der offenen Beziehung zu einigen. Gemeinsame Sexualität mit anderen Personen könne in so einem Fall womöglich die partnerschaftliche Sexualität sogar verbessern oder wiederbeleben.

    Die Angst, dass solch eine offene Beziehung mit erhöhter Wahrscheinlichkeit instabil sein werde, sei unbegründet, wie die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung belegten. Das eigentliche Problem des Fremdgehens sei der Vertrauensbruch. Ein solcher Vertrauensbruch könne die Tragfähigkeit von Beziehungen tiefgreifend erschüttern. Bei konsensueller Nicht-Monogamie träten Offenheit, Ehrlichkeit und Transparenz an die Stelle von Verheimlichung und Vertrauensbruch. Dies könne sogar zur Heilung beitragen, wenn der Vertrauensbruch bereits stattgefunden habe.

    Die Untersuchung zeige, dass viele Paare tatsächlich in einer monogamen Beziehung glücklich werden können, es aber andererseits auch eine nicht unbedeutende Anzahl an Paaren gebe, wo die monogame Konstellation scheitere. Die Vereinbarung von Monogamie bei in Wirklichkeit nicht monogamem Verhalten führe mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zu schmerzhaften Zerwürfnissen, Vertrauensbruch und Trennungen.

    Gebauer vermutet, dass es nach wie vor der normative Druck der Gesellschaft zur Monogamie sei, der Partnersuchenden und auch Personen, die bereits in Beziehungen lebten, den Blick auf Alternativen zur Monogamie verstelle. Deshalb sei Fremdgehen häufiger als die Vereinbarung konsensueller Nicht-Monogamie, obwohl diese kein Vertrauensbruch sei und zu einer hohen Beziehungsstabilität führen könne.

    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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