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    Home»Kunterbunt»Wertschätzende Kommunikation: Warum wir 2026 mehr Lob und weniger Hass brauchen
    Eine lächelnde ältere Frau in einer Schürze hält ein Blech mit Keksen, während sie von zwei Kindern liebevoll auf die Wangen geküsst wird. (c) AdobeStock

    Wertschätzende Kommunikation: Warum wir 2026 mehr Lob und weniger Hass brauchen

    25. Feb. 20265 Mins Lesezeit

    Wertschätzende Kommunikation klingt im Jahr 2026 fast schon wie eine rührend optimistische Utopie aus einer vergangenen Ära. Während die digitale Welt vorzugsweise dazu genutzt wird, Fremden mitzuteilen, warum ihre Existenz ein bedauerlicher Irrtum ist, erinnert uns der Berufsverband Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP) pünktlich zum Welttag des Kompliments am 1. März an eine fast vergessene Wahrheit: Ein freundliches Wort ist nicht nur eine lästige Höflichkeit für Menschen ist, die zu viel Freizeit haben, sondern eine biologische Notwendigkeit.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Das digitale Treibhaus für schlechtes Karma
    Die dunkle Seite der Kommunikation:
    Das Kompliment: Das unterschätzte Antidepressivum ohne Beipackzettel
    Überlebensstrategie statt „Nettes Extra“
    Die Kunst der Anerkennung: Ein Leitfaden für Skeptiker
    Der Profi-Tipp: Das „Hinterrücks-Kompliment“
    Fazit: Ein Experiment in Menschlichkeit


    Das digitale Treibhaus für schlechtes Karma

    Beleidigungen und Abwertungen sind im digitalen Alltag so omnipräsent wie Cookie-Banner – und ähnlich beliebt. Doch während wir uns an den rauen Ton gewöhnt haben, leidet unser Nervensystem im Stillen. Laut BÖP untergräbt diese Dauerbeschallung mit Hassbotschaften massiv den sozialen Zusammenhalt und die psychische Gesundheit.

    „Digitale Räume sind reale soziale Räume – was dort gesagt wird, wirkt“, stellt a.o. Univ.-Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger klar. Wer glaubt, digitale Aggression würde am Bildschirmrand stoppen, unterliegt einem psychologischen Placebo-Effekt. Negative Kommentare sind kein „Dampfablassen“, sondern sie zementieren einen Zustand aus Angst, Rückzug und chronischer Abwehrhaltung. Es ist die schrittweise Demontage unserer Fähigkeit, einander nicht sofort an die Gurgel zu gehen. Mehr zum Thema „Verhältnis von Mensch und Technologie“ finden Sie auch in unserem Archiv unter: https://www.alterneudenken.com/das-verhaeltnis-von-mensch-und-technologie/

    Die dunkle Seite der Kommunikation:

    • Erosionsprozess: Jede Abwertung schwächt das emotionale Immunsystem der Gemeinschaft.
    • Aggressions-Spirale: Psychologisch betrachtet fördern negative Interaktionen genau das, was sie zu bekämpfen vorgeben: mehr Aggression.
    • Klimawandel im Kopf: Das emotionale Klima ganzer Gruppen kippt, wenn der Standard-Tonfall auf „Vernichtung“ programmiert ist.
    Eine Hand hält einen kleinen, gelben Papierkreis mit einem handgezeichneten Smiley vor einem schlichten, hellen Hintergrund, Stichwort wertschätzende Kommunikation.(c) AdobeStock
    Symbol der Freundlichkeit: Ein Kompliment kostet nichts, ist aber ein wirksames Gegengewicht zu Polarisierung und Aggression.

    Das Kompliment: Das unterschätzte Antidepressivum ohne Beipackzettel

    Hier wird es fast schon ironisch: Die Sozialpsychologie belegt, dass wir die positive Wirkung von Anerkennung systematisch unterschätzen. Wir behandeln Komplimente oft wie seltene Erden – dabei sind sie die einzige Ressource, die durch Verschwendung wächst.

    Sowohl die Empfänger•innen als auch jene, die das Kompliment aussprechen, profitieren messbar. Es ist ein seltener Fall von emotionalem Win-Win in einer Welt, die sonst eher auf Zero-Sum-Games programmiert ist. Weiterführende Informationen zum Thema Wertschätzung finden Sie hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Wertsch%C3%A4tzung

    MechanismusPsychologischer Nutzwert
    Stimmungs-BoostAktivierung des Belohnungssystems bei Sender und Empfänger
    Stress-ResilienzWertschätzung reduziert nachweislich das Stresslevel
    Soziale StatikSteigerung des Zugehörigkeitsgefühls in einer fragmentierten Welt
    Kooperations-TriggerFreundlichkeit ist die beste Schmiere für produktives Verhalten

    Neuere Forschungen weisen sogar darauf hin, dass wertschätzende Kommunikation Stress nicht nur lindert, sondern präventiv wirkt. Es ist also eine Form der psychischen Gesundheitsvorsorge – quasi Zähneputzen für die Seele, nur dass man danach weniger Mundgeruch in der Kommentarspalte hat. Eine Übersicht zu aktuellen Studien finden Sie unter: https://www.alterneudenken.com/studien


    Überlebensstrategie statt „Nettes Extra“

    BÖP-Präsidentin Wimmer-Puchinger betont, dass wertschätzende Kommunikation kein optionaler Luxus für Gutmenschen ist, sondern ein wirksamer Schutzfaktor. Gerade in Zeiten extremer Polarisierung brauchen wir mehr bewusste Freundlichkeit – nicht, weil die Welt so schön ist, sondern weil sie ohne diese Freundlichkeit schlicht unerträglich wird.

    Ein aufrichtiges Kompliment kostet nichts, außer vielleicht die Überwindung des eigenen Stolzes oder der tief sitzenden Überzeugung, dass alle anderen ohnehin unfähig sind. Wer Anerkennung zeigt, betreibt Selbstpflege: Man stärkt die eigene Dialogbereitschaft und baut Brücken, wo andere lieber Gräben ausheben.


    Die Kunst der Anerkennung: Ein Leitfaden für Skeptiker

    Damit Ihre Anerkennung nicht klingt wie eine schlecht programmierte KI oder eine versteckte Beleidigung, hier die psychologisch fundierte Anleitung zum „unfallfreien Loben“:

    1. Präzision schlägt Floskeln
      „Gute Arbeit“ klingt nach einem Textbaustein. Sagen Sie lieber: „Ich fand beeindruckend, wie du in der Sitzung ruhig geblieben bist, als alle anderen kurz vor dem Nervenzusammenbruch standen.“ Spezifisches Lob beweist, dass Sie tatsächlich aufgepasst haben.
    2. Die „Ich“-Botschaft
      Ein Kompliment sollte keine Notenvergabe von oben herab sein. Beschreiben Sie die Wirkung auf Sie: „Es hat mir total geholfen, dass du das so klar erklärt hast.“ Dagegen kann niemand argumentieren.
    3. Der „Aber“-Filter
      Das „Aber“ ist der natürliche Feind des Kompliments. „Das Kleid sieht toll aus, aber die Farbe vom letzten Mal stand dir besser“ ist kein Kompliment, sondern ein getarnter Angriff. Punkt setzen. Klappe halten.
    4. Charakter vor Ergebnis
      Ergebnisse sind oft Glückssache. Loben Sie die Ausdauer oder die Kreativität, die dahintersteckt. Das stärkt das Selbstwertgefühl nachhaltig.

    Der Profi-Tipp: Das „Hinterrücks-Kompliment“

    Wenn Ihnen direkte Freundlichkeit zuwider ist, erzählen Sie einer dritten Person etwas Positives über den Betroffenen. Wenn das Kompliment über drei Ecken ankommt, wirkt es authentischer als jede Urkunde – und Sie müssen niemandem dabei peinlich berührt in die Augen schauen.

    Eine lächelnde Frau umarmt einen älteren Mann mit Brille und Bart, der einen Gehstock hält, während beide auf einem Sofa sitzen.(c) AdobeStock
    Zwischenmenschliche Wärme als Stresskiller: Ein ehrliches Lächeln wirkt Wunder für das emotionale Klima.

    Fazit: Ein Experiment in Menschlichkeit

    Nehmen wir den 1. März zum Anlass, den eigenen Kommunikationsstil zu reflektieren. Ein Kompliment ist wie ein Software-Update für die Seele: Es behebt zwar nicht alle Bugs des Lebens, aber das System läuft danach deutlich stabiler. Wie die BÖP-Präsidentin erklärt: „Wer Anerkennung zeigt, stärkt nicht nur andere, sondern auch sich selbst.“

    Betrachten Sie es als egoistisches Investment in eine Umwelt, die dadurch vielleicht ein kleines bisschen weniger anstrengend wird. Und falls Ihnen beim besten Willen nichts Nettes einfällt? Dann betrachten Sie Schweigen als die zweitbeste Form der Wertschätzung. Auch das ist ein aktiver Beitrag zur psychischen Hygiene unserer Gesellschaft.

    Für offizielle Kampagnen-Infos besuchen Sie: https://www.worldcomplimentday.info


    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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