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    Home»Studien»Natur und Mensch in Beziehungskrise? – Es ist jedenfalls kompliziert!
    Eine Frau, die auf dem Rücken auf einer Wiese liegt und in den Himmel schaut. (c) Pixabay.com

    Natur und Mensch in Beziehungskrise? – Es ist jedenfalls kompliziert!

    5. Aug. 20207 Mins Read

    Der Wert einer bewussten Beziehung zwischen Mensch und Natur gewinnt angesichts der Klimakrise immer mehr an Bedeutung. Die großen Coronavirus bedingten Einschränkungen der vergangenen Monate wie soziale Distanz, Homeoffice und zu Hause bleiben fordern uns heraus. Insbesondere zu Zeiten des Lockdowns hat die Natur eine besondere Anziehungskraft auf uns ausgeübt – raus aus den eigenen vier Wänden, hin zu einem Rückzugsort, an dem wir uns frei fühlen und der vor allem auch ohne Risiko einer Ansteckung ist.

    Dass unsere Sehnsucht, Zeit in der Natur zu verbringen, ohnehin groß ist, zeigt eine aktuelle „Natur-Studie“ von Weleda. Im Rahmen dieser repräsentativen Erhebung wurden 1.000 Österreicherinnen und Österreichern befragt, wie es um ihre Beziehung zur Natur steht.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Beziehungsstatus: Es ist kompliziert
    Die Ursache der Krise liegt bei uns Menschen
    Engagement des Einzelnen: Wunsch versus Wirklichkeit
    Natur ist unsere Essenz
    Wir selbst sind unsere Beziehungsretter

    Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

    Vor dem Lockdown befragt, sind 98 Prozent der Österreicher*innen mit dem aktuellen Zustand der Natur unzufrieden und wünschen sich positive Veränderungen für deren Zukunft. Mehr noch: 95 Prozent der Österreicher*innen haben sogar Angst, wenn sie an die zukünftige Entwicklung der Natur denken! Auch Bedenken, dass die Natur weiter an Wert für uns Menschen verliert, sind in der Gesellschaft präsent. Vielleicht sind uns gerade deshalb Umweltschutz, Rückbesinnung auf die Natur und ein stärkeres Bewusstsein für deren Kreisläufe für ein intaktes Ökosystem sehr wichtig? Aber was tun wir selbst für die Natur? Haben wir ein ausgewogenes Verhältnis zu ihr?

    Wie in zwischenmenschlichen Beziehungen auch, streben wir mit der Natur ein harmonisches Verhältnis an. Trends für ein bewussteres Leben und Konsum – wie beispielsweise der Verzicht auf Plastik, das Kaufen von Secondhand-Kleidung oder das Upcycling von Gegenständen – gewinnen mehr und mehr Fans.

    Illustration: Die Hand eines Mannes, der einen Baum hält, Stichwort Natur und Umweltschutz.(c) Pixabay.com
    Die Bedeutung von Nachhaltigkeit in vielen Lebensbereichen nimmt zu, was letztlich [auch] dem Natur- und Umweltschutz zugutekommt – und somit [wieder] uns selbst.

    Die Ursache der Krise liegt bei uns Menschen

    Für mehr als die Hälfte der Österreicher*innen ist die Natur der Ort, an dem sie so sein können, wie sie sind. Frei. Ohne Druck. Ohne Anforderungen an sie. Ganz natürlich eben. Aber wenn das Verhältnis von geben zu nehmen aus der Balance gerät, dann muss es unweigerlich zu einer Krise kommen. Die Ursache liegt bei uns Menschen.

    95 Prozent der Österreicher*innen fühlen sich in der Natur glücklich. Und 57 Prozent fühlen sich dort frei und ohne Druck.

    Wandern, Skifahren, Geocaching oder Mountainbiking – Outdoor-Aktivitäten sind ein Trend, dem viele folgen und der Markt wird ständig größer. Pisten sowie Rad- und Wanderwege breiten sich genau an den Orten aus, deren Unberührtheit wir schätzen. Natur wird gehypt und atemberaubende Naturkulissen werden zu Hintergründen von Selfies – das führt nicht selten zum „Massentourismus“ in ehemals friedvollen Oasen der Ruhe. Zerstören wir damit die Natur, die uns so wichtig ist, weil sie gerade selbst im Trend liegt?

    Rund drei Viertel der Befragten erkennen die Beziehungskrise: Sie meinen, dass wir uns als Gesellschaft nicht mehr als Teil der Natur sehen und die Verbindung zu ihr verloren haben. Die Über-Benutzung der Natur auf der einen Seite steht einem bewussten Naturkonsum auf der anderen Seite gegenüber.

    74 Prozent der Österreicher*innen meinen, dass wir die Verbindung zur Natur verloren haben

    Für 78 Prozent der Österreicher*innen ist die Natur eine Quelle positiver Energie. Die Menschen finden zu sich, können abschalten und entspannen. Die Natur hat somit auch Einfluss auf die menschliche Psyche. Aber dient die Natur nur dazu, menschliche Bedürfnisse wie Ruhe, Regeneration und Freiheit zu befriedigen?

    Engagement des Einzelnen: Wunsch versus Wirklichkeit

    Um diese bestehende Beziehungskrise zu überwinden, wird in Österreich vorwiegend der Müll getrennt und auf den Verbrauch von Energie und Wasser geachtet. Klar, denn beim Zähneputzen den Hahn abzustellen ist ein kleiner Handgriff, der sich dennoch [langfristig] positiv auswirkt. Zusätzlich achten viele beim Konsum von Produkten stärker auf Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch das Kaufen regionaler Produkte. Deren biologischer Anbau und auch der Verzicht auf Plastik bei Verpackungen werden groß geschrieben.

    Das Auto mal stehenlassen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, weniger fliegen auf kurzen Strecken, dafür den Zug nehmen – 65 Prozent der Befragten wissen um die Wichtigkeit, die eigenen Bedürfnisse aus Liebe zur Natur einzuschränken. Allerdings lassen deutlich weniger ihren Vorsätzen dann auch Taten folgen. Beispielsweise versuchen nur 32 Prozent tatsächlich, naturverbunden zu reisen. Es zeigt sich: Wir wollen mehr tun, als wir tatsächlich machen.

    48 Prozent der Österreicher*innen empfinden naturbewusster zu reisen als [sehr] wichtig, nur 32 Prozent tun es tatsächlich.

    Liegt es daran, dass sich Mülltrennung, Energieverbrauch etc. im Alltag leichter umsetzen lassen als umweltgerechtes Reisen, das mit mehr [Zeit-]Aufwand und auch mehr Stress verbunden sein kann? Trotz Klimastreiks und Co. engagieren sich nur wenige für den Natur-, Umwelt- und Klimaschutz, indem sie sich in Vereinen beteiligen oder selbst umweltpolitisch aktiv sind. Das Gute daran: Es passiert schon etwas! Insbesondere die unter 25-Jährigen engagieren sich. Dieses Ergebnis zeigt deutlich positive Ansätze – dennoch ist das Engagement weiter ausbaufähig.

    Leere Plastikflaschen.(c) Pixabay.com
    Wenn es um Nachhaltigkeit und den Verzicht auf Plastik geht, haben Frauen eindeutig die Nase vorn: Während 80 Prozent von ihnen möglichst auf Plastik verzichten, sind es bei den Männern nur 66 Prozent.

    Natur ist unsere Essenz

    Natur ist für die Österreicher*innen ein Sehnsuchtsort und steht für Freiheit und Ausgleich. In der Natur gibt es kein Sollen oder Müssen. Doch wo fängt Natur eigentlich an? Für die meisten [72Prozent] bei allem Grünen außerhalb der Stadt.

    61 Prozent der urban lebenden Österreicher*innen schätzen das Leben in der Stadt als Gegenpol zur Natur – möchten also nicht darauf verzichten.

    Für 89 Prozent ist die Natur darüber hinaus auch eine Quelle wichtiger natürlicher Rohstoffe, die wir vielfältig für uns nutzen – auch für unser Wohlbefinden. So ist es 82 Prozent der Österreicher*innen [sehr] wichtig, dass ein rezeptfreies Arzneimittel Inhaltsstoffe aus der Natur enthält. Bei der Wahl eines Kosmetikproduktes für die tägliche Pflege liegt dieser Wert sogar bei 89 Prozent. Weiterhin sollen sie gut verträglich und effektiv bzw. wirksam sein sowie nicht zu Lasten der Umwelt hergestellt werden. Wir lassen also ungern Chemie an unsere Haut, vielleicht gerade, weil wir ein Teil der Natur sind und unsere Natürlichkeit erhalten wollen.

    Wir selbst sind unsere Beziehungsretter

    Die Natur-Studie zeigt, dass es aufgrund der großen Ängste über die Zukunft der Natur kaum verwunderlich ist, dass fast drei Viertel [73 Prozent] der Österreicher*innen sich wünschen, dass die Menschen die Natur und ihren Wert wieder mehr zu schätzen lernen und dementsprechend mit Respekt behandeln. Denn aus Sicht vieler Befragten erhält sie aktuell nicht den Schutz, den sie als unser Lebensraum verdient.

    Laut der Natur-Studie empfinden 48 Prozent der Österreicher*innen Natur als ihren Lebensraum, ihre Heimat.

    Nicht zuletzt zeigt sich, dass die Sehnsucht wächst, zurück zu einem gesunden Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur zu finden [70 Prozent] – und sich wieder stärker mit ihr zu verbinden. Wir sind uns der Beziehungskrise bewusst, wollen die Natur erhalten und beschützen – dafür müssen wir aber «alle» unseren Teil dazu beitragen.

    „Wichtig ist, dass wir einen gewissen Respekt entwickeln für die Natur, die mit uns – aber nicht durch uns – existiert und uns der Folgen des eigenen Handelns bewusst sind“, sagt Dr. Anna Deplazes Zemp, Molekularbiologin und Philosophin mit Schwerpunkt Umweltethik, Bioethik, Ethik der Biotechnologie der Universität Zürich, die die Natur-Studie wissenschaftlich begleitet hat. „Man kann mit kleinen Schritten im eigenen Alltag beginnen, nachhaltiger zu leben. Mit dem größeren Bewusstsein der Bevölkerung werden auch Angebote für naturgerechtes Reisen, Wohnen oder Einkaufen zunehmen, so dass wir alle mehr und mehr für die Natur tun können. Zwischendurch braucht es aber auch einen etwas größeren Verzicht, um Wirkung zu erzielen.“

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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