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    Home»Pflege & Betreuung»»Pflege neu denken« und mit 7-Stufenplan Weichen für Zukunft stellen
    Eine Pflegerin, die einer alten Frau die Hand hält. (c) AdobeStock

    »Pflege neu denken« und mit 7-Stufenplan Weichen für Zukunft stellen

    13. Apr. 20234 Mins Read

    Das Urteil am aktuellen Pflegesystem fällt – nach wie vor – wenig positiv aus: Wir haben in Österreich das falsche Verständnis von Pflege, wir sollten die Pflege neu denken – und das spiegelt sich im aktuellen Pflegesystem wider. Es ist intransparent und nicht so effizient, wie es sein sollte. Betroffene haben sehr oft keine Ansprechpartner und werden im Kompetenzdschungel zwischen unterschiedlichen Stellen zerrieben. Die Zahlungsströme zwischen den einzelnen Stellen sind verwirrend und es gibt viele Doppelgleisigkeiten. Pflege- und Betreuungsangebote sind auch – nach wie vor – zwischen den Bundesländern nicht einheitlich. Prävention und Selbstständigkeit zu erhalten wird – nach wie vor – nachrangig betrachtet.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    15a-Verhandlungen jetzt für Weichenstellung nutzen
    Dänemark als Vorbild in der Pflege
    Der 7-Stufenplan zur Reform des Pflegesystems


    15a-Verhandlungen jetzt für Weichenstellung nutzen

    Aus den eingangs genannten Gründen ist es also – nach wie vor – allerhöchste Zeit, die Wende in der Pflege zu schaffen. Darum fordern die heimischen Vertreterinnen und Vertreter der Seniorinnen und Senioren in den aktuellen „15a-Verhandlungen“ [Anmerkung: Verhandlungen über Mindestentgelte für alle Pflegepersonen in der Altenpflege], die Weichen für ein neues Verständnis von Pflege und eine echte Reform zu stellen. Anstatt die Menschen ins Bett zu pflegen, müssen wir mit der Hand in der Hosentasche den Erhalt ihrer Selbstständigkeit pflegen.

    Als diesbezüglich »Best Practise Beispiel« ist das dänische Pflegesystem als Vorbild hervorzuheben, welches in den 1980er Jahren wie in Österreich aufgebaut war und damals kurz vor dem Kollaps stand.

    Dänemark als Vorbild in der Pflege

    Die Dänen haben aber – anders als bei uns – mittlerweile die 180-Grad-Wende bei der Pflege geschafft. Statt wie früher 80 Prozent der Pflegebedürftigen sind mittlerweile nur noch zwölf Prozent von ihnen in Heimen untergebracht, bei gleichen Kosten pro Kopf ist das System effizienter als in Österreich und die Zufriedenheit viel größer. Dänemark muss uns daher Vorbild dafür sein, wie wir es schaffen können, aber auch gleichzeitig eine Warnung sein, was passiert, wenn wir weitermachen wie bisher.

    In diesem Sinn hat der heimische Seniorenbund dazu einen 7-Stufenplan zu einer nachhaltigen Reform des Pflegesystems ausgearbeitet. Dieser wird auch Gesundheitsminister Rauch und der Bundesregierung vorgelegt, denn die Zeit drängt! Bei den Finanzausgleichsverhandlungen wird die Richtung für die kommenden vier bis sechs Jahre vorgegeben. Wenn wir nicht jetzt die richtigen Weichen stellen, fahren wir wieder mehrere Jahre auf dem falschen Gleis – und früher oder später gegen die Wand!

    Eine Pflegerin, die einer alten Frau, die an einem Tisch sitzt, die Hände auf die Schultern legt, Stichwort Pflege neu denken.(c) AdobeStock
    Unser Pflegesystem muss »dringend« reformiert werden!

    Der 7-Stufenplan zur Reform des Pflegesystems

    1. One-Stop-Shop für Pflege und Betreuung
      Beratung, Vermittlung und administrative Abwicklung müssen gebündelt werden. Im Idealfall muss die Anforderung einer Heimhilfe so einfach sein, wie eine Reise zu buchen.

    2. Weg von unübersichtlichen und teuren Finanzströmen hin zu einer effizienten und übersichtlichen Finanzierung aus einer Hand
      Die Finanzierung soll nach dem Leistungsprinzip erfolgen: Der Bund soll für die Leistungen zahlen, die die Länder erbringen. Das gewährleistet Klarheit, Einheitlichkeit und Transparenz.

    3. Personaloffensive und Berufsbild „Pflegekraft“ verbessern
      Nur so werden wir die bis 2030 benötigten 75.000 zusätzlichen Pflegekräfte auch bekommen. Dazu gehört auch die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, etwa durch höhere Bezahlung und mehr psychosoziale Begleitung für Pflegekräfte.

    4. Ausbau der mobilen Dienste und Prävention: Pflege daheim statt im Heim muss das Paradigma sein
      Die Menschen wollen daheim gepflegt werden, das darf aber nicht auf Angehörige abgewälzt werden.

    5. Professionelle Pflegeangebote müssen in allen Bundesländern gleich sein
      Aktuell hängt es vom Bundesland ab, wie viele Pflegeleistungen durch das Pflegegeld abdeckbar sind. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern betragen bis zu 100 Prozent!

    6. 24-Stunden-Betreuung muss besser finanziert werden
      Die Erhöhung der Förderung der 24-Stunden-Betreuung von 550 Euro auf 640 Euro ist zu wenig und deckt nicht einmal die Inflation ab. Es braucht eine Verdoppelung von 550 Euro auf 1.100 Euro! Auch der Angehörigenbonus muss verbessert werden: Geltung bereits ab Pflegestufe 3 und die Voraussetzung des „gemeinsamen Haushaltes“ muss fallen.

    7. Digitalisierungsschub bei Gesundheit und Pflege nach nordischen Vorbildern wie Estland oder Finnland
      Es fehlt weiterhin der rechtliche Rahmen für die Digitalisierung im Gesundheits- und Pflegewesen. Dabei würde allein die flächendeckende Einführung der Teleberatung, also zum Beispiel das Besprechen eines Laborbefundes online oder via Telefon, österreichweit bis zu 1,5 Milliarden Euro einsparen!

    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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