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    Home»Körper & Geist»Vorhofflimmern: Unterversorgung in Ö gefährdet Herzgesundheit
    EKG-Diagramm. (c) Pixabay.com

    Vorhofflimmern: Unterversorgung in Ö gefährdet Herzgesundheit

    16. Dez. 20195 Mins Lesezeit

    Vorhofflimmern ist eine Erkrankung mit weitreichenden Folgen, die sich zu einem der wichtigsten Probleme der öffentlichen Gesundheit weltweit entwickelt. Es betrifft Millionen von Menschenleben und stellt eine kritische Belastung für die Gesundheitssysteme dar. International anerkannt und empfohlen ist die Behandlungsmethode mittels Katheterablation. In Österreich mangelt es dafür jedoch sowohl an ärztlichem Personal wie auch an entsprechenden Einrichtungen – ein signifikanter Versorgungsengpass mit Wartezeiten von bis zu neun Monaten ist die Folge.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Vorhofflimmern Ursache für jeden 4. Schlaganfall
    Vorhofflimmern – wie bei einem Auto, das nur auf drei Zylindern läuft
    Schlusslicht bei Katheterablationen
    Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden

    Vorhofflimmern Ursache für jeden 4. Schlaganfall

    Vorhofflimmern tritt bei etwa 2-3 Prozent der Gesamtbevölkerung in der westlichen Welt auf. Dabei kommt es zu rasch aufeinander folgenden, nicht geordneten Impulsen [Flimmern] der Herzvorhöfe. Dieses unkoordinierte schnelle Schlagen der Herzvorhöfe beeinflusst den Blutdurchfluss des Herzens. Das führt wiederum zu ungleichmäßigem Pulsschlag und einem Flattergefühl im Brustbereich sowie zu einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Durch den verlangsamten Blutfluss können Blutgerinnsel entstehen, wodurch unter anderem die Gefahr eines Schlaganfalls steigt.

    „20-30 Porzent aller Schlaganfälle haben Vorhofflimmern als Ursache, gehäuft ab dem 65. bis 70. Lebensjahr„, erklärt Prim. Univ. Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer, Abteilungsvorstand der 5. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie vom Sozialmedizinischen Zentrum Süd. Das Todesrisiko sei bei Menschen mit Vorhofflimmern im Vergleich zu jenen ohne dieser Herzrhythmusstörung deutlich erhöht: bei Männern um das 1,5 –fache und bei Frauen verdoppelt sich sogar das Mortalitätsrisiko.

    „Jeder vierte Österreicher wird im Laufe seines Lebens Vorhofflimmern entwickeln. Die chronische Medikamenteneinnahme mit Antiarrhythmika hilft jedoch nur einem zu geringen Prozentsatz“, so die Medizinerin. Als potenziell kurative Therapieform werde deshalb zunehmend die Katheterablation gewünscht, um die durch Vorhofflimmern deutlich reduzierte Lebensqualität wiederherzustellen.

    Die Hand eines Mannes, der diese auf sein Herz legt. (c) Pixabay.com
    Vorhofflimmern zeigt sich durch einen ungleichmäßigen Pulsschlag und einem Flattergefühl im Brustbereich, das zu einer Einschränkung der körperlichen Leistungsfähigkeit führt.

    Vorhofflimmern – wie bei einem Auto, das nur auf drei Zylindern läuft

    Genau davon berichtet Ferdinand Hirscher, der bereits vor rund 20 Jahren erstmals Unregelmäßigkeiten bei seinem Herzschlag feststellte. Vor etwa zwei Jahren erlitt er aufgrund der Rhythmusstörungen einen Schlaganfall. Die verordneten Medikamente verursachten unter anderem Magenprobleme und eine dauerhafte Einnahme stellten für den sonst gesunden und aktiven Mann keine denkbare Option dar.

    „Vorhofflimmern ist ein ausgesprochen unangenehmes Gefühl, wie bei einem Auto, das mit nur drei Zylindern läuft. Nach dem Eingriff geht es mir nun gesundheitlich wieder gut, und ich kann ohne Einschränkungen wieder all meinen sportlichen Aktivitäten nachgehen.“

    Schlusslicht bei Katheterablationen

    Wie die Katheterablation funktioniert, erklärt OA Dr. Lukas Fiedler, Leiter der Arbeitsgruppe für Rhythmologie der ÖKG. „In Österreich werden zwei verschiedene Formen der Ablation durchgeführt. Diese unterbinden entweder durch Verödung mit Radiofrequenz Energie oder Applikation eines Kryo-Ballons im linken Vorhof die Leitungsfähigkeit der Lungenvenen.“ In Österreich seien derzeit jedoch nur 19 Einheiten vorhanden, in denen Elektrophysiologie durchgeführt werden kann. Nur in neun Zentren können, gemäß Empfehlungen internationaler Guidelines, mehr als 50 PatientenInnen mit Vorhofflimmern im Jahr versorgt werden. „Wir wissen, dass dann die Erfolgsraten hoch und die Komplikationen niedrig sind“, so Fiedler.

    „Damit ist Österreich in Westeuropa absolutes Schlusslicht„, warnt auch OA Prof. Dr. Helmut Pürerfellner, Leiter des Department Rhythmologie und Elektrophysiologie am Ordensklinikum der Elisabethinen in Linz vor dieser signifikanten und gefährlichen Unterversorgung. Obwohl es genügend Labors gebe, die eine Katheterablation durchführen könnten, werden diese zu wenig genützt. Zudem herrsche ein Mangel an geschulten und erfahrenen Ärztinnen und Ärzten – die Folge sind lange Wartezeiten von sechs bis neun Monaten.

    „Um die Zahl der Eingriffe dem EU-Schnitt von 5 Prozent aller Patienten anzupassen, müsste die Zahl der Eingriffe von derzeit 1.300 auf etwa 10.000 pro Jahr angehoben werden“, verdeutlicht der Experte die Diskrepanz zwischen IST und SOLL. Das Ziel müsse sein, in den nächsten fünf Jahren zumindest auf die Hälfte des EU-Schnitts aufzuschließen. Das bedeutet:
    – 5.000 Eingriffe pro Jahr,
    – 10 Zentren mit 300 Prozeduren pro Jahr,
    – zusätzlich eine länderübergreifende Versorgung mit Referenzzentren mit einer Kapazität von weiteren 500 bis 1.000 Prozeduren pro Jahr, die auch den Ausbildungsauftrag übernehmen sollten.

    Dadurch sollte auch eine Reduktion der Wartezeit auf etwa drei Monate zu erreichen sein.

    OA Dr. Lukas Fiedler, Prim. Univ. Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer, Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger, Ferdinand Hirscher, OA Prof. Dr. Helmut Pürerfellner.  (c) Johnson & Johnson/ Jürg Christandl
    OA Dr. Lukas Fiedler, Prim. Univ. Prof. Dr. Andrea Podczeck-Schweighofer, Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger, Ferdinand Hirscher, OA Prof. Dr. Helmut Pürerfellner.

    Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden

    In Hinblick auf die ohnehin oft viel zu späte Diagnose sei es daher unumgänglich, „die Rahmenbedingungen zur Erreichung des EU-Schnittes zu schaffen! Mehr Eingriffe bedeuten mehr Erfahrung der Ärzte, das erhöht die Kompetenz, die Treffsicherheit bei den Diagnosen und die Erfolgsrate der Eingriffe“, betont Patientenanwalt Dr. Gerald Bachinger.

    Er ortet jedoch mangelndes Problembewusstsein seitens der Gesundheitspolitik: „Diese Problematik der Unterversorgung in Österreich ist bei vielen Entscheidungsträgern noch ein weißer Fleck!“ Bachinger fordert eine Intensivierung der Versorgungsforschung, um solche Bereiche von Unterversorgung sichtbarer zu machen und schlägt dazu Versorgungsdichtemessungen mit Versorgungsatlanten vor.

    Die rechtzeitige Diagnose und eine Anhebung der Eingriffe haben folglich auch aus gesundheitsökonomischer Sicht maßgebliche Auswirkungen: Laut einer Erhebung von Martinek et al. konnte an Patienten nach einer Ablation in Österreich eindrucksvoll nachgewiesen werden, dass diese Therapie mit

    1. einer signifikanten Kostenreduktion [ambulant und stationär] durch weniger Spitalstage,

    2. einer Rückführung der Krankenstandstage auf ein normales Niveau und

    3. nur mit geringen Mehrkosten im niedergelassenen Bereich durch eine intensivierte Behandlung der Risikofaktoren [Hypertonie, Diabetes, Hyperlipidämie] verbunden war.

    (Bilder: Pixabay.com (2x), Johnson & Johnson/ Jürg Christandl)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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