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    Home»Pflege & Betreuung»Offener Brief an die Bundesregierung zum Thema Pflegereform
    Die Hände einer alten Frau auf einer Gehhilfe. (c) AdobeStock

    Offener Brief an die Bundesregierung zum Thema Pflegereform

    16. Aug. 20214 Mins Lesezeit

    Ein offener Brief soll Bewegung in die Sache bringen: Die dringend notwendige Reform des heimischen Pflegesystems wird seit einer gefühlten Ewigkeit von den zuständigen Entscheidungsträgern und diversesten Stakeholdern diskutiert. In den letzten 15 Jahren wurden in Österreich mehrere Anläufe zu einer Pflegereform unternommen, herausgekommen ist dabei aber bisher wenig. Auch der im letzten Sommer begonnene Diskussionsprozess ist bis dato über ein engagiertes Brainstorming nicht hinausgekommen.

    Die Pandemie hat gezeigt, dass das österreichische Pflegesystem mit seinen Akteuren in der Lage ist, auch in einer derartigen Krise die Versorgung sicherzustellen. Der Preis dafür ist jedoch hoch. Zahlreiche Umfragen belegen, dass das Gesundheits- und Betreuungspersonal weit über seine Grenzen hinaus belastet ist und viele Beschäftigte erwägen, aus dem Beruf auszusteigen. Das verschärft den Personalnotstand massiv, erhöht den Druck auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gefährdet die Versorgung der Menschen mit Betreuungs- und Pflegeleistungen noch weiter.

    Die Führenden heimischen Arbeitgeber-, Dach- und Berufsverbände, Trägerorganisationen und Arbeitnehmer•innenvertretungen im Bereich der Pflege haben sich daher zusammengeschlossen und einen offenen Brief an die zuständigen Mitglieder der Bundesregierung verfasst:

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Eine adäquate Versorgung ist ohne entschlossene Maßnahmen in Zukunft nicht aufrecht zu erhalten!
    Dringlichster Handlungsbedarf im Personalbereich
    Dialog und Zusammenarbeit
    Offener Brief an die Bundesregierung: die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner


    Eine adäquate Versorgung ist ohne entschlossene Maßnahmen in Zukunft nicht aufrecht zu erhalten!

    Es kann nicht sein, dass das Thema Pflege nur in der Krise Beachtung findet und dann wieder aus dem politischen Diskurs verschwindet. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem Bereich, die beteiligten Organisationen und insbesondere die Betroffenen und ihre Angehörigen haben es sich verdient, dass man sich dieses Themas seitens der politisch Verantwortlichen endlich ernsthaft annimmt und Herausforderungen, die nicht erst in der fernen Zukunft liegen, sondern schon akut bestehen, beherzt und kraftvoll in Angriff nimmt.

    • Wir erwarten uns daher einen strukturierten, zielgerichteten[!] Prozess unter ernsthafter und nicht bloß oberflächlicher Einbindung der wichtigsten in diesem Thema verantwortlich tätigen Stakeholder. Dabei soll es um gemeinsame zielorientierte Arbeit an Lösungen gehen und weniger darum, über Beteiligungsplattformen ungeordnet Ideen einzuspeisen.

    • Wir fordern eine sachgerechte Schwerpunktsetzung und plausible Priorisierung. Auf Basis der Sichtung der Lösungsvorschläge und des vorhandenen Materials soll die Definition von Arbeitspaketen erfolgen, um die wichtigsten Vorhaben rasch in Umsetzung bringen zu können.

    • Wir schlagen einen Pflegegipfel vor, der nicht mit einer Pressekonferenz beginnt, sondern dessen Ergebnisse nach seinem Stattfinden verkündet werden, bei dem Schwerpunkte festgelegt, Priorisierungen vorgenommen, Arbeitsaufträge vereinbart und ein Stufenplan für die Umsetzung entwickelt werden.
    Die Hände eines alten Mannes, die von den Händen einer jungen Frau gehalten werden, Stichwort offener Brief zur Pflegereform.(c) AdobeStock
    Es müssen rasch gemeinsam mit allen betroffenen Stakeholdern Lösungen in Sachen Pflegereform erarbeitet und umgesetzt werden – #PflegereformJETZT.

    Dringlichster Handlungsbedarf im Personalbereich

    Der größte und dringlichste Handlungsbedarf besteht in der Gewinnung und Bindung von ausreichend qualifiziertem Personal. Einerseits, um eine adäquate flächendeckende Versorgung sicherzustellen zu können. Und andererseits, um die Belastungen für die in diesem Bereich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht über das Maß anderer Berufsgruppen hinauswachsen zu lassen. [Anmerkung: Bis zum Jahr 2030 werden in Österreich zusätzlich mindestens 75.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflege- und Sozialbetreuungsberufen benötigt.]

    Da es einen jahrelangen Vorlauf gibt, bis sich Maßnahmen im Ausbildungsbereich in einer höheren Zahl von Fachkräften niederschlagen, können wir nicht weiter warten. Wir müssen die Weichen jetzt stellen! Es gilt, umgehend kurz- und mittelfristig wirksame Maßnahmen zur Gewinnung und Bindung von Personal zu setzen, ebenso wie längerfristige, die es gewährleisten, dass wir die demographische Herausforderung, die sich bis zum Erreichen der Pflegebedürftigkeit der Babyboomer Generation der Sechzigerjahre ständig verschärfen wird, meistern können.

    Außerdem muss die Versorgungslandschaft intelligent weiterentwickelt und die Finanzierung der Betreuung und Pflege in Österreich nachhaltig sichergestellt werden.

    Dialog und Zusammenarbeit

    Wir sind jederzeit bereit, bei diesen Fragen unsere Expertise einzubringen und unseren Beitrag zur Lösung dieser wichtigen gesellschaftlichen Zukunftsfrage zu leisten. Als nächsten Schritt schlagen wir daher einen gemeinsamen Termin mit den verantwortlichen Ressortminister•innen sowie die Behandlung dieser Frage bei der Landeshauptleutekonferenz bzw. der Tagung der Landessozial- und Gesundheitsreferent•innen vor.

    Wir können es im Lichte der Verantwortung für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kolleginnen und Kollegen und Mitglieder, aber auch für die Menschen, die von uns betreut und gepflegt werden, nicht weiter hinnehmen, ständig vertröstet zu werden. Ja, es hat im letzten Jahr eine Pandemie gegeben. Aber es hat diese Pandemie nicht in den letzten 15 Jahre gegeben! Es ist höchst an der Zeit, umgehend und ernsthaft die Weichen für eine gute Zukunft der Pflege in Österreich zu stellen! Wir sind dabei! Und wir werden uns nicht länger hinhalten lassen.

    Eine lachende alte Frau, der von einem Mann aus einem Rollstuhl geholfen wird.(c) AdobeStock
    Damit die Pflege nachhaltig und langfristig wieder „lachen“ kann, braucht es JETZT Maßnahmen!

    Offener Brief an die Bundesregierung: die Unterzeichnerinnen und Unterzeichner

    Markus Mattersberger
    Präsident Lebenswelt Heim – Bundesverband

    Elisabeth Potzmann
    Präsidentin Österreichischer Gesundheits- und Krankenpflegeverband

    Silvia Rosoli
    Abteilungsleiterin AK Wien – Gesundheitsberuferecht und Pflegepolitik

    Josef Zellhofer
    Bundesvorsitzender ÖGB ARGE Fachgruppenvereinigung für Gesundheits- und Sozialberufe

    Reinhard Waldhör
    Vorsitzender Gesundheitsgewerkschaft [GÖD]

    Walter Marschitz
    Geschäftsführer Sozialwirtschaft Österreich

    Sandra Frauenberger
    Geschäftsführerin Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen

    Anna Parr
    Generalsekretärin Caritas Österreich

    Maria Katharina Moser
    Direktorin Diakonie Österreich

    Elisabeth Anselm
    Geschäftsführerin Hilfswerk Österreich

    Michael Opriesnig
    Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes

    Erich Fenninger
    Direktor Volkshilfe Österreich

    (Bilder: AdobeStock)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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