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    Home»Pflege & Betreuung»Pflegende in der Corona-Krise: stark gestiegene psychische Belastung
    Grafik: in der Mitte ein stilisierter Mensch mit ausgestreckten Armen, links und rechts ein Kopf, der in die Mitte schaut. (c) Pixabay.com

    Pflegende in der Corona-Krise: stark gestiegene psychische Belastung

    25. Jan. 20217 Mins Lesezeit

    In der Corona-Krise haben mehr Menschen ab 46 Jahre andere Menschen informell unterstützt oder gepflegt als im Jahr 2017. Pflegende zeigen allerdings auch mehr depressive Symptome als Menschen, die niemanden pflegen oder unterstützen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung im Rahmen des Deutschen Alterssurveys [DEAS*] im Zeitraum von Juni bis Juli 2020. 

    Im Zuge der Befragen gaben mehr als 4.700 Menschen zwischen 46 bis 90 Jahren darüber Auskunft, ob sie andere unterstützen oder pflegen. Gleichzeitig sollten sie ihren Gesundheitszustand sowie etwaige sonstige Auswirkungen der Corona-Krise einschätzen. Im Mittelpunkt der Befragung standen Veränderungen in verschiedenen Lebensbereichen, die während der Pandemie bei Menschen in der zweiten Lebenshälfte aufgetreten sind.

    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Die Corona-Krise schlägt sich auf die Psyche
    Unterschied zwischen Pflegeleistenden und jenen ohne Pflegeverpflichtungen
    #GemeinsamSchaffenWirDas
    Die Pflege zu Hause ist zumeist „weiblich“
    Über den Deutschen Alterssurvey


    Die Corona-Krise schlägt sich auf die Psyche

    Gegenüber dem Jahr 2017 [Anmerkung: 2017 wurde der letzte Alterssurvey durchgeführt] stieg die Quote der informell Unterstützenden und Pflegenden von 16 auf 19 Prozent. Dabei geht der Anstieg besonders auf den Einsatz von Frauen und eine stärkere Einbindung von Nachbar*innen und Freund*innen zurück. Außerdem hat sich gezeigt: In der Corona-Krise zeigen mehr Menschen depressive Symptome als das noch vor Beginn der Pandemie der Fall war. In besonderer Weise sind davon Menschen betroffen, die andere unterstützen oder pflegen.

    Je umfangreicher und anspruchsvoller die Unterstützung und Pflege ist, desto wichtiger ist es für den bzw. die Einzelne auf ein gut funktionierendes Netzwerk ergänzender Hilfen zurückgreifen zu können. Gerade das war mit dem Einsetzen der Corona-Pandemie nicht durchwegs und ausreichend gewährleistet. Angesichts der Belastungen vermisst zirka ein Viertel der pflegenden Menschen Hilfsangebote Dritter – sei es von der Familie oder auch von professionellen Dienstleistern. Zur Entlastung und zum Wohl der Unterstützungs- und Pflegeleistenden sind daher schnelle Lösungen und Angebote gefragt, auch weil die Pandemie aktuell eine erneute stärkere Welle erlebt, Stichwort Virus-Mutation B.1.1.7.

    Covid-19 Viren.
(c) Pixabay.com
    Immer neue Mutationen des Corona-Virus SarS-CoV-2 machen die Bekämpfung der Pandemie alles anders als einfacher.

    Unterschied zwischen Pflegeleistenden und jenen ohne Pflegeverpflichtungen

    Eine weitere Erkenntnis aus der aktuellen Studie: Unterstützungs- und Pflegeleistende schätzen ihre eigene Gesundheit weniger gut ein als noch vor der Corona-Krise. Unter den Unterstützungs- und Pflegeleistenden ist der Anteil derer, die ihre Gesundheit als gut oder sehr gut bewerten, von 59 Prozent auf 56 Prozent zurückgegangen. Demgegenüber schätzen Personen ohne Unterstützungs- oder Pflegeverpflichtung ihre Gesundheit während der Corona-Krise besser ein als zuvor.

    Bei Unterstützungs- und Pflegeleistenden zeigt sich eine deutliche Verschlechterung ihrer psycho-sozialen Gesundheit gegenüber vor der Corona-Krise. Der Anteil der Unterstützungs- und Pflegeleistenden mit depressiven Symptomen hat zwischen 2017 [6 Prozent] und 2020 [15
    Prozent] zugenommen. Das Gleiche gilt für den Anteil derer, die sich einsam fühlen: 2017 waren 8 Prozent einsam und 2020 sind es 13 Prozent. Dabei sind Frauen von diesen Negativ-Trends stärker betroffen als Männer.

    #GemeinsamSchaffenWirDas

    Die Covid-19-Pandemie sowie die strikten und weniger strikten Maßnahmen [Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz, Hände waschen, Lockdown], um die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen, haben jede und jeden Einzelne/ n vor große Herausforderungen gestellt. So hat sich gezeigt, dass die erstmals im März 2020 eingeführten Kontakt- und Mobilitätseinschränkungen zwar zum Infektionsschutz gerade auch der gesundheitlich eingeschränkten und pflegebedürftigen Menschen beigetragen haben. Gleichzeitig haben diese Beschränkungen aber auch die Rahmenbedingungen der medizinisch-pflegerischen Versorgung sowie der Alltagsbetreuung dieser besonders vulnerablen Gruppe abrupt verschlechtert.

    Die mehrwöchigen Besuchsverbote, die soziale Isolation in den Pflegheimen und/ oder aufgeschobene Arzt- oder Krankenhausbesuche lassen zum Teil massive negative Folgen für das Wohlbefinden der Hilfe- und Pflegebedürftigen erwarten. Auf der einen Seite hat sich für Pflegekräfte und pflegende Angehörige eine deutliche Mehrbelastung ergeben. Auf der anderen Seite hat die Pandemie gezeigt, wie groß die Bedeutung der Beschäftigten im Gesundheits- oder Pflegebereich tatsächlich ist. Ihr Beitrag wurde als „systemrelevant“ bezeichnet und die seit Jahren geführte Debatte um die schlechten Arbeitsbedingungen in diesem Sektor hat frischen Aufwind bekommen.

    Zu wenig im öffentlichen Licht standen und stehen aber jene, die sich privat und im häuslichen Bereich um die Versorgung kranker und pflegebedürftiger Angehöriger kümmern. Auch sie leisten einen oft unentgeltlichen, aber deswegen nicht weniger „systemrelevanten“ und maßgeblichen Beitrag zur deren Wohlergehen. Im Gegenteil: pflegende Angehörige bilden das Rückgrat unseres Pflegesystems.

    Eine alte Frau sitzt auf einem Bett, Stichwort Pflegende.
(c) Pixabay.com
    Ohne pflegende Angehörige würde das Pflegesystem in seiner aktuellen Form nicht ausreichen, um alle Pflegebedürftigen ausreichend pflegen zu können.

    Die Pflege zu Hause ist zumeist „weiblich“

    Die zum Teil hohen finanziellen und die starken beruflichen Doppel-/ Belastungen der pflegenden Angehörigen sind schon lang bekannt. Hinzu kommen Gefährdungen ihrer psycho-sozialen und körperlichen Gesundheit. Außerdem sind Unterstützungs- und Pflegetätigkeiten zwischen Frauen und Männern ungleich verteilt: während Männer häufiger die Organisation der Pflege übernehmen, leisten Frauen mehr pflegerische Arbeiten und kümmern sich [zusätzlich] um den Haushalt.

    Mit der Corona-Krise haben sich diese Belastungen erhöht und neue Herausforderungen sind hinzugekommen. So war ein Großteil zur Neuorganisation von Unterstützungs- und Pflegearrangements gezwungen, denn Tagespflegeinrichtungen wurden geschlossen, ambulante Pflegedienste sind aufgrund von Personalausfällen oder mangelnder Schutzmaterialien zeitweise ausgefallen.

    Pflegepersonen, die permanent im Haushalt von Pflegebedürftigen leben und deren Betreuung übernehmen, sind ausgereist und konnten oder wollten nicht mehr einreisen. Die Kontaktbeschränkungen haben zu Einschränkungen der Mobilität und zu Ausfällen im informellen Unterstützungsnetzwerk der pflegenden Angehörigen geführt. Vor allem die Versorgung von Angehörigen, die nicht im selben Haushalt oder räumlich weiter entfernt leben, wurde erschwert.

    Besuchsverbote in Pflegeheimen haben die Begleitung der stationär Gepflegten durch ihre Angehörigen zeitweise ganz unmöglich gemacht. Zudem war gesonderte Vorsicht in Bezug auf Hygienemaßnahmen geboten, um die ansteckungsgefährdeten Hilfe- oder Pflegebedürftigen zu schützen. Diese tragen aufgrund von Vorerkrankungen und aufgrund ihres oftmals hohen Alters ein sehr hohes Risiko, einen schweren Krankheitsverlauf zu nehmen. Dabei ist nicht zu vergessen, dass auch ein großer Teil der Unterstützungs- und Pflegeleistenden selbst zur Risikogruppe gehört – vor allem pflegende Partner*innen.

    Demzufolge standen viele Unterstützungs- und Pflegeleistende vor dem Dilemma, die Versorgung ihrer Angehörigen aufrechtzuerhalten und damit das Risiko zu tragen, diese oder sich selbst anzustecken. Oder sie haben den Kontakt und damit auch die Versorgung eingeschränkt. Angesichts dieser dramatisch veränderten Umstände berichten viele pflegende Angehörige im Frühsommer 2020 von einer Verschlechterung ihrer Pflegesituation und einem deutlich erhöhten Mehraufwand.

    Über den Deutschen Alterssurvey

    Der Deutsche Alterssurvey [DEAS] ist eine repräsentative Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte. Im Rahmen der Studie werden seit mehr als zwei Jahrzehnten Frauen und Männer auf ihrem Weg ins höhere und hohe Alter regelmäßig befragt
    [1996, 2002, 2008, 2011, 2014, 2017, 2020]. Dieser lange Beobachtungszeitraum von mehr als zwei Jahrzehnten erlaubt einen umfassenden Einblick in das Älterwerden und die Lebenssituationen von Menschen in der zweiten Lebenshälfte. Zudem kann durch das
    kohortensequenzielle Design der Studie Älterwerden im sozialen Wandel untersucht werden.

    Mehr als 20.000 Personen haben bislang an der Studie teilgenommen. Befragt werden Personen, die zum Zeitpunkt der ersten Teilnahme 40 Jahre und älter sind. Durch den Deutschen Alterssurvey können auch die Lebenssituationen in Krisenzeiten – wie wir sie aktuell aufgrund der Corona-Pandemie erleben – näher beleuchtet und besser verstanden werden. Die jüngste Befragung fand im Zeitraum vom 8. Juni bis zum 22. Juli 2020 statt. Es haben 4.823 Personen ab einem Alter von 46 Jahren an der Befragung teilgenommen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschen Alterssurveys, die
    bereits zuvor mindestens einmal an der Studie teilgenommen hatten, mit einem schriftlichen Fragebogen [anstatt wie bisher im persönlichen Interview] befragt. Im zweiten Teil werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Deutschen Alterssurveys telefonisch interviewt – von November 2020 bis April 2021.

    Der Deutsche Alterssurvey wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend [BMFSFJ] gefördert.

    Weitere Informationen zum Deutschen Alterssurvey finden sich unter www.deutscher-alterssurvey.de. Den Bericht können sie zudem HIER als Pdf downloaden.

    (Bilder: Pixabay.com)

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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