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    Home»Pflege & Betreuung»Demenz»Schutzimpfungen könnten Risiko für Alzheimer-Demenz verringern
    Eine Spritze und eine Nadel. (c) Pixabay.com

    Schutzimpfungen könnten Risiko für Alzheimer-Demenz verringern

    28. Juli 20207 Mins Lesezeit

    Schutzimpfungen gegen Grippe [Influenza] und Pneumokokken sind laut jüngsten Forschungsergebnissen mit einem reduzierten Alzheimer-Risiko verbunden. Dies wurde anlässlich derAlzheimer’s Association International Conference® [AAIC®] 2020 berichtet.

    Konkret deuten drei Studien, über die anlässlich der AAIC 2020 berichtet wurde, auf Folgendes hin:

    • Mindestens eine der erhältlichen Grippeimpfungen war mit einer 17-prozentigen Verringerung der Alzheimer-Inzidenz [die Häufigkeit von Neuerkrankungen] verbunden. Eine der häufiger verabreichten Grippeimpfungen war um eine weitere Verringerung der Alzheimer-Inzidenz um zusätzliche 13 Prozent verbunden.

    • Die Pneumokokken-Impfung in der von 65 bis 75 Jahre alten Bevölkerungsgruppe verringerte das Risiko von Alzheimer um bis zu 40 Prozent, je nach individueller genetischer Beschaffenheit.

    • Patienten, die an Demenz leiden, haben ein um 6 Mal höheres Risiko, nach einer Infektion zu sterben als Menschen ohne Demenz [3-faches Risiko].
    Inhaltsverzeichnis verbergen
    Impfen wirkt – vermutlich sogar gegen demenzielle Erkrankungen
    Grippeimpfung kann die Erkrankungsfälle von Alzheimer-Demenz reduzieren
    Schutzimpfungen – je früher, desto besser
    Pneumokokken-Impfstoff kann das Alzheimer-Risiko später im Leben reduzieren
    Infektionen erhöhen bei Demenz-Patienten die Sterblichkeitsrate
    Alzheimer’s Association International Conference [AAIC]
    Informationen zu den drei Studien

    Impfen wirkt – vermutlich sogar gegen demenzielle Erkrankungen

    „Vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie nimmt das Thema Impfstoffe in Diskussionen um die öffentliche Gesundheit einen äußerst wichtigen Stellenwert ein. Ihr potenzieller Nutzen sollte jedoch nicht nur im Zusammenhang mit viralen oder bakteriellen Infektionen erforscht werden, sondern – langfristig gesehen – auch im Hinblick auf mögliche gesundheitliche Verbesserungen insgesamt„, sagte Maria C. Carrillo, Ph.D., Chief Science Officer der Alzheimer Association.

    „Wenn sie sich also als Teil ihrer allgemeinen Gesundheitsvorsorge für eine Impfung entscheiden, so kann dies gegebenenfalls auch andere medizinische Vorteile mit sich bringen, die in weiterer Folge das Risiko, an Alzheimer oder anderen Arten von Demenz zu erkranken, verringern können„, so Carrillo. „Diese Ergebnisse müssen natürlich in weiterführenden, groß angelegten Studien bestätigt werden, sodass wir mehr Informationen dazu erhalten können, ob standardmäßig durchgeführte Impfungen potenziell auch das Gesamtrisiko einer altersbedingten Demenz innerhalb der Bevölkerung verringern könnten.“

    Portrait Maria C. Carrillo, Ph.D.(c) Alz.org
    Maria C. Carrillo ist der Meinung, dass Impfstoffe generell auch in Hinblick auf mögliche gesundheitliche Verbesserungen insgesamt untersucht werden sollten.

    Grippeimpfung kann die Erkrankungsfälle von Alzheimer-Demenz reduzieren

    Bisherige Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Impfungen unter Umständen vor kognitivem Abbau schützen können. Allerdings gibt es bislang noch keine groß angelegten, umfassenden Studien, die sich speziell auf den Grippeimpfstoff und das Alzheimer-Risiko konzentrieren. Um diese Lücke zu schließen, untersuchte Albert Amran*, ein Medizinstudent an der McGovern Medical School des Health Science Center in Houston, mit seinem Team einen umfangreichen Datensatz [n=9.066], der auf Gesundheitsakten aus den Vereinigten Staaten basierte.

    Amran und sein Team stellten dabei fest, dass eine einzige Grippeimpfung mit einer geringeren Alzheimer-Prävalenz [= die Häufigkeit einer Krankheit oder eines Symptoms in einer Bevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt] assoziiert war. Unter den geimpften Patienten, die den Grippeimpfstoff häufiger erhielten, war die Alzheimer-Prävalenz noch geringer. Personen, die konsequent ihre jährliche Grippeimpfung erhielten, hatten demnach ein geringeres Alzheimer-Risiko.

    In konkreten Zahlen bedeutet dies, dass das Alzheimer-Risiko bei Personen im Alter von 75-84 Jahren, die eine regelmäßige Grippeimpfung erhielten, im Verlauf eines Beobachtungszeitraums von 16 Jahren um vergleichsweise sechs Prozent geringer war.

    Schutzimpfungen – je früher, desto besser

    Die Forscher fanden heraus, dass die Korrelation zwischen Grippeimpfstoff und Alzheimer-Risiko bei jenen Personen am stärksten war, die beim Erhalt der ersten Grippeimpfung jünger waren. Das heißt jene, die ihren ersten dokumentierten Grippeimpfstoff im Alter von 60 Jahren erhielten, profitierten dieser Studie nach mehr als diejenigen, die ihren ersten Grippeimpfstoff erst im Alter von 70 Jahren erhielten.

    „Unsere Studie legt nahe, dass die regelmäßige Grippeimpfung, eine sehr zugängliche und relativ kostengünstige Intervention, das Risiko der Alzheimer-Demenz deutlich reduzieren kann„, so Amran. „Es sind jedoch weiterführende Studien erforderlich, um den biologischen Mechanismus, der diesen Ergebnissen zugrunde liegt, zu prüfen. Es ist wichtig, all diese Zusammenhänge zu verstehen, wenn wir wirksame präventive Therapien für Alzheimer entwickeln möchten.“

    Pneumokokken-Impfstoff kann das Alzheimer-Risiko später im Leben reduzieren

    Der Einsatz bestehender Impfstoffe für neue Indikationen kann ein vielversprechender Ansatz im Bereich der Alzheimer-Prävention sein. Svetlana Ukraintseva**, Ph.D., Associate Research Professor am Duke University Social Science Research Institute, BARU [Biodemography of Aging Research Unit], untersuchte mit ihrem Team bei 5.146 TeilnehmerInnen im Alter von 65+ aus der CHS-Studienpopulation [„Cardiovascular Health Study“] die Zusammenhänge zwischen der Pneumokokken-Impfung – mit und ohne begleitenden saisonalen Grippeschutz – und dem Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Dabei wurde auch ein bekannter genetischer Risikofaktor für Alzheimer berücksichtigt: das rs2075650-G-Allel im TOMM40-Gen.

    Die Forscher stellten fest, dass bei Personen zwischen 65-75, die eine Pneumokokken-Schutzimpfung erhalten hatten, das Alzheimer-Risiko um 25-30 Prozent geringer war – und zwar nachdem die untersuchten Daten um Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, Geburtenkohorte, Ausbildung, den Faktor Rauchen und die Anzahl der G-Allele korrigiert bzw. bereinigt wurden. Die größte Verringerung des Alzheimer-Risikos [bis zu 40 Prozent] wurde bei jenen Personen beobachtet, die gegen Lungenentzündung geimpft waren und das oben genannte Risikogen nicht aufwiesen. Die Kombination aus beiden Impfungen – Schutz vor Lungenentzündung und Grippe – in der Altersgruppe von 65 bis 75 Jahren korrelierte ebenfalls mit einem geringeren Alzheimer-Risiko. Bei Personen, die nur die Grippeimpfung erhalten hatten, war dieser Zusammenhang nicht nachweisbar.

    „Impfungen gegen Lungenentzündung vor dem 75. Lebensjahr können – je nach individuellem Genotyp – das Alzheimer-Risiko im späteren Leben verringern„, so Ukraintseva. „Unsere Daten deuten darauf hin, dass der Pneumokokken-Impfstoff ein vielversprechender Wirkstoffkandidat für die Alzheimer-Prävention sein könnte, insbesondere bei Personen, bei denen bestimmte genetische Risikofaktoren nicht vorhanden sind.“

    Zwei Frauen, die sich einen Folder "Basics of Alzheimer´s disease" anschauen, Stichwort Schutzimpfungen.(c) Alz.org
    Neueste Studien zeigen, dass Schutzimpfungen mutmaßlicher Weise das Alzheimer-Risiko zum Teil erheblich senken können.

    Infektionen erhöhen bei Demenz-Patienten die Sterblichkeitsrate

    Personen, die mit Demenz leben, erkranken im Allgemeinen häufiger, unter anderem an viralen, bakteriellen und anderen Infektionen. Es besteht ein wachsender Trend in der Forschung, zu untersuchen, ob Infektionen lebensbedrohlicher werden oder möglicherweise Demenz verursachen.

    Janet Janbek***, Doktorandin am Dänischen Demenzforschungszentrum Rigshospitalet und an der Universität von Kopenhagen in Dänemark, verwendete Daten aus dem nationalen Gesundheitsregister, um gemeinsam mit ihrem Team die Sterblichkeit dänischer Einwohner über 65 [n=1.496.436] zu untersuchen, die das Krankenhaus mit einer Infektion aufgesucht hatten. Sie stellten fest, dass PatientInnen mit Demenz, die aufgrund einer Infektion das Krankenhaus aufgesucht hatten, eine um 6,5 Mal höhere Sterblichkeitsrate aufwiesen. Bei PatientInnen mit entweder Demenz oder einer Infektion war die Sterblichkeitsrate um das Dreifache erhöht. Die Sterblichkeit war innerhalb der ersten 30 Tage nach dem Krankenhausbesuch am höchsten.

    Die Forscher kamen außerdem zu dem Schluss, dass bei Demenz-PatientInnen die Sterblichkeitsrate nach dem ersten infektionsbedingten Krankenhausaufenthalt noch für zehn weitere Jahre erhöht war. Und dass die Sterblichkeitsrate generell nach allen Infektionen [von schweren Infektionen wie Sepsis bis hin zu weniger kritischen Ohrenentzündungen] höher war als bei Personen, die nicht an Demenz erkrankt waren bzw. keinen Krankenhausbesuch aufgrund einer Infektion in Anspruch genommen hatten.

    „Unsere Studie legt nahe, dass diese Zusammenhänge genauer zu untersuchen sind. Wir müssen herausfinden, warum bei Menschen mit Demenz generell Infektionen mit einer höheren Sterblichkeit verbunden sind, was die Risikofaktoren sind und um welche biologischen Mechanismen es sich hier handelt. Dies wird dazu beitragen, dass wir besser verstehen, welche Rolle Infektionen bei Demenz-PatientInnen spielen„, so Janbek.

    „Unsere Studie legt nahe, dass unser Gesundheitssystem – sowie die Angehörigen von Demenz-PatientInnen – ihr Bewusstsein schärfen sollten, damit Demenz-PatientInnen, die an Infektionen leiden, jene medizinische Versorgung erhalten, die sie benötigen. PatientInnen mit Demenz benötigen ganz spezifische Behandlungen, auch wenn ein Krankenhausaufenthalt nicht direkt auf die Demenz selbst zurückzuführen, sondern infektionsbedingt ist“, fügte Janbek hinzu.

    Alzheimer’s Association International Conference [AAIC]

    Die Alzheimer’s Association International Conference [AAIC] ist die größte auf Alzheimer und andere Demenzerkrankungen spezialisierte Konferenz für Wissenschaftler aus aller Welt. Als Teil des Forschungsprogramms der Alzheimer’s Association dient die AAIC als Katalysator für eine vitale, kollegiale Forschungsgemeinschaft, die neues Wissen über Demenz ans Tageslicht bringen soll.

    Die Alzheimer’s Association ist eine global aktive, ehrenamtliche Gesundheitsorganisation, die sich mit der Betreuung und Unterstützung von Alzheimer-Patienten und der Erforschung dieser Erkrankung beschäftigt. Die Mission ist es, Alzheimer und alle anderen Demenzerkrankungen langfristig zu bekämpfen – durch Beschleunigung der globalen Forschung, Einschränkung der Risiken, Förderung der Früherkennung sowie durch qualitativ hochwertige Versorgung und Unterstützung.

    Informationen zu den drei Studien

    * Albert Amran, et al. Influenza Vaccination is associated with a reduced incidence of Alzheimer’s Disease (Funder(s): U.S. National Institutes of Health, Christopher Sarofim Family Professorship, the CPRIT RR180012, UT Stars award)

    ** Svetlana Ukraintseva, PhD, et al. Repurposing of existing vaccines for personalized prevention of Alzheimer’s disease: Vaccination against pneumonia may reduce AD risk depending on genotype (Funded by U.S. National Institute on Aging)

    *** Janet Janbek, MSc, et al. Increased short- and long-term mortality following infections in dementia: A prospective nationwide and registry-based cohort study (Funder(s):)

    (Bilder: Pixabay.com; Alz.org (2x))

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    Thomas Kumhofer
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    Thomas Kumhofer denkt das Älterwerden seit über zehn Jahren neu. Als Kopf hinter „AlterNEUdenken“ schickt er den klassischen Ruhestand in Rente: Statt auf Häkeldeckchen und Couching setzt er auf Aktives Altern und neuronale Abenteuer. Mit Expertise und Neugier beweist er, dass die beste Zeit für neue Expeditionen – im Kopf oder auf der Weltkarte – genau jetzt ist.

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